17:00 16 Juni 2019
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    UNHCR-Sprecherin: Europa braucht Umdenken in Einstellung zu Flüchtlingen

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    Als eine Herausforderung für Österreich sieht die Pressesprecherin des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR), Ruth Schöffl, den Anstieg der Flüchtlingszahl in diesem Jahr im Land bis auf 80.000.

    „Wenn wir aber auf der ganzen Welt 60 Millionen Menschen auf der Flucht haben, allein in dem ganz kleinen Land Libanon mit vier Millionen Einwohnern über eine Million Flüchtlinge, scheint der Flüchtlingszustrom in Österreich nicht mehr ganz so groß“, sagte sie im Gespräch mit Nikolaj Jolkin. „Trotzdem gibt es im Moment für die Flüchtlinge nicht genug Unterkünfte. Es ist aber verkraftbar, wenn alle Akteure — der Bund und die Bundesländer wie auch die Gemeinden — zusammenarbeiten.“

    Österreich lehnt die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Quote für die Aufnahme von Flüchtlingen ab und will keine weiteren Asylanträge bearbeiten. Österreichs Politik fühle sich mit dem Flüchtlingsstrom von der Europäischen Union allein gelassen,  meint Ruth Schöffl. „Wir hätten uns gewünscht, dass alle EU-Mitglieder, auch Österreich, auf die fixen Quoten einsteigen und die Flüchtlinge aufnehmen. Wenn alle gemeinsamen an dem Strang gehen, wird der Druck auf die einzelnen Mitgliedsstaaten schwächer.“

    Die UNHCR-Sprecherin kritisiert, dass nicht alle dies übernehmen wollen und auch die Bevölkerung der benachbarten Länder Österreichs dagegen sei. Sie plädiert für mehr Aufklärungsarbeit unter den Einheimischen. „Die Menschen, die Flüchtlinge kennen und im Kontakt mit ihnen sind, haben weniger Angst und sind neutral oder sogar positiv ihnen gegenüber eingestellt. In einem anderen Fall lassen sich die Leute oft von Ängsten und von Gruppierungen, die auch diese Ängste schüren, leiten.“

    Was die unerlaubten Grenzübertritte von Flüchtlingen, vor allem aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, sowie die kriminellen Schlepper betrifft, so sei es aus der Sicht von Ruth Schöffl für Flüchtlinge zu 99 Prozent nicht möglich, legal eine Grenze zu überqueren. „Wenn man auf der Flucht ist, hat man gewöhnlich keinen Reisepass, oder bekommt man kein Visum, sodass man nicht legal reisen darf. Trotzdem muss man Grenzen überqueren, um sein Leben zu retten. Weil das legal nicht möglich ist, sind viele kriminelle Schlepper-Netzwerke entstanden. Aber um ihnen den Nährboden zu entziehen, müssen die Grenzübertritte aus der Illegalität herausgeholt werden. Und solange das nicht gewährleistet ist, wird es die Schlepperbanden immer geben.“

    Die UNHCR-Sprecherin ist sich sicher, dass man ein Umdenken in den europäischen Staaten brauche. „Wenn man Leute legal einreisen lässt, dann entzieht man auch den Schleppern den Nährboden. Wenn man Grenzen abriegelt und Mauern aufbaut, dann werden die Flüchtlinge andere Wege nehmen. Die kriminellen Schlepper-Netzwerke werden auch andere Wege finden, und die Polizei wird ihnen immer hinterher hinken.“

    Das UN-Flüchtlingshochkommissariat leistet klassische humanitäre Hilfe. In Jordanien und in anderen Ländern Afrikas, wo sich viel mehr Flüchtlinge als in Europa befinden, werden sie versorgt, aufgenommen und unterstützt. In Europa ist UNHCR hauptsächlich im rechtlichen Bereich tätig. „Wir schauen uns die Asylgesetze an, wir arbeiten mit den Behörden zusammen, um die Gesetzgebungen notfalls zu verbessern. Wir führen unterschiedliche Projekte durch, in Österreich zum Beispiel jetzt zum Dolmetschen, um die Asylverfahren noch effizienter zu machen.“

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    Tags:
    Migranten, EU-Kommission, EU, UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR), Ruth Schöffl, Afrika, Jordanien, Irak, Afghanistan, Syrien, Österreich