23:03 24 November 2017
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    Terror-Miliz IS

    IS-Kämpfer im Gespräch: Bin ein Soldat und will meinen Sohn als Soldat sehen

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    Die Terror-Miliz IS zählt laut verschiedenen Angaben zwischen 50.000 und 200.000 Kämpfer. Viele von ihnen kommen aus verschiedenen Teilen der Welt. Sputniknews sprach mit einem von ihnen in einem syrischen Gefängnis. Sein Name ist Ruschan Kasakow, und er stammt aus Turkmenistan.

    Mit Kämpfer unter vier Augen

    Kasakow  ist überraschend sauber gekleidet, trägt eine ordentliche Frisur und einen traditionellen Bart. Kein Funk der Reue ist in seinen Augen zu sehen, nur ein fester Glauben an seine Selbstgerechtigkeit.

    „Ich bin 35 Jahre alt und habe eine Frau und fünf Kinder. Zu Hause habe ich neun Klassen Schule beendet und als Taxifahrer gearbeitet. Meine Familie sind  Bauer, und wir haben genug Geld“,  so fängt Kasakow seine Erzählung im Verhörzimmer an.  In Turkmenistan hat der Gefangene einen nahen Freund Ischan. Er ist ein Mitglied der geschlossenen extrem salafistischen Gesellschaft „Gesellschaft Marad“, die in Turkmenistan verboten ist. 

    Kasakow lernte den Anwerber sechs Monate vor seiner  Abreise kennen. Aber der Interviewter hat immer wieder versichert, diese illegale Gruppierung habe  nichts mit Wahhabiten zu tun, sie sei „heiligmäßig, und dem Islam und dem Dschihad treu“. Deswegen hatte er ohne Zögern in den Vorschlag  eingewilligt, in den Krieg zu ziehen.  Ruschan erklärt, die Vorbereitung habe mehrere Stufen umfasst und ein halbes Jahr gedauert. Vor Abreise hatte man ihn regelmäßig im Islam unterrichtet.

    Nach sechs Monaten sagten  ihm die „Lehrer“, er solle nach Syrien fahren, um für den Islam zu kämpfen. „Man hat mir eine CD mit der Islam-Lehre auf Arabisch und Türkisch gegeben. Diese Lehre ruft  alle Muslime in der Welt zum Dschihad auf, unabhängig von ihrer Herkunft, sogar aus den USA“, sagt der Gefangene.

    Er erklärt, dass man ihn und andere überzeugt habe, in Syrien werde „das muslimische Blut vergossen“ und sie müssen ihren Brüdern helfen für die Gründung des Kalifats, damit sich der Islam auf der ganzen Welt verbreitet.

    Auf dem Weg nach Syrien

    Um nach Syrien fahren zu können, hat Kasakow sein Auto verkauft und ein Ticket nach Istanbul gekauft. Dort trat er mit einem Turkmenen  in Verbindung, dessen Telefonnummer Ischan ihm gegeben hatte. „Er heißt Mustafa, er lebt mit seiner Frau und Kindern und noch mit zwei Landsleuten, die ebenfalls in den Krieg nach Syrien ziehen. Ich habe einen Tag mit ihnen verbracht, dann machten wir uns mit Mustafa und diesen Burschen auf den Weg zu der Grenzstadt Hatay. Dort stieg der fünf Männer starke Terrortrupp um in einen Pkw und fuhr nach Syrien.“

    An der Grenze standen zwar türkische Grenzsoldaten, die aber hielten sie nicht auf. In einer der grenznahen syrischen Siedlungen wurden sie in einem Gasthaus von dem hiesigen  Emir Abu Jihad aus Dagestan empfangen. Sie wohnten bei ihm drei Tage als seine Gäste. Der Dagestaner berichtete über den Krieg in Syrien und über die in der arabischen Republik kämpfenden Gruppierungen. Die Kämpfer können selbst wählen, welcher Gruppierung sie sich anschließen: der Al-Nusra-Front, dem Ahrar al-Scham, der Freien Syrischen Armee oder dem ausländischen Bataillon.

    Initiation in ausländisches  Bataillon

    Kasakow beschloss, ein Kämpfer des ausländischen Bataillons zu werden, und wurde an den Anführer verwiesen, dessen Namen mehrmals in arabischen und ausländischen Media vorgekommen ist  — Abu Omar al-Schischani. „Ich leistete dem Emir al-Schischani einen Eid. Danach nahm man mir den Pass ab und schickte mich nach Kafr Hamrah (Provinz Aleppo im Norden Syriens). Dort gab es viele Ausländer aus verschiedenen Ländern, besonders viel  aus Tschetschenien. Sie benutzten keinen Namen, sondern nur Spitznamen“,  erinnert sich der Kämpfer. 

    Kasakow wurde in einer illegalen Fabrik für die Herstellung von Sprengstoff eingestellt. Der Leiter war ein Ägypter. Nach einem Monat kam seine Frau mit Kindern zu ihm.  „Vor der Abreise habe ich zwei Zettel geschrieben, einen für meine Frau, den anderen für die Eltern. Den Eltern habe ich geschrieben, dass ich in die Türkei gefahren bin, um dort zu arbeiten. Der Frau, dass ich für Dschihad nach Syrien fahre und dass sie zu mir kommen soll, sobald ich ihr das  mitteile“, sagt der Kämpfer. In der 35-Mann-starken Gruppe aus Turkmenistan wurde er zum Emir ernannt.

    In einer ehemaligen Südwarenfabrik und im Gebäude des Zentralgefängnisses in Aleppo bastelten er und seine Komplizen an Ausrüstungen für  Terroranschläge.  Kasakow sagt, ein Auto habe seinen Freund sprengen sollen, der im letzten Moment an seiner Entscheidung  — ein Todeskandidat zu sein – zweifelte. Aber dem jungen Emir gelang es, dessen  Zweifel zu lösen, indem er sich eine „schöne“ Geschichte ausgedacht hat, wie syrische Soldaten in Gefängnissen Frauen vergewaltigen und Kinder misshandeln.

    Auf die Frage, ob er bereue, nach Syrien gefahren zu sein, sagte der Terrorist: „Ich habe 2,5 Monate im Bataillon verbracht.  Ich bin ein  Soldat und will meinen Sohn auch als Soldat sehen. Ich  habe ihm schon beigebracht, mit der Waffe umzugehen, und er ist im Stande, gegen das syrische Regime zu kämpfen."

    Blockstation verwechselt – ins Gefängnis geraten

    Laut Ruschan wurde er gefangengenommen, als er sich mit seinen Landsleuten auf dem Weg zu einer naheliegenden Siedlung verlaufen hatte. Sie begegneten einem Einheimischen, der ihnen den Weg zeigte. Danach stießen sie auf eine große Militärbasis. Die sollte der Freien Syrischen Armee gehören, dachten sie, und fragten nach dem Weg zur Siedlung Andan, die die Kämpfer erobert hatten. Nach den Worten „Willkommen, Sie sind schon da“ verstanden die Kämpfer, dass es die syrischen Soldaten waren.  Über das Schicksal der Familienangehörigen des Kämpfers  haben die Angestellten der Abteilung für Terrorbekämpfung wenig Informationen gegeben. Ein Sohn, Abdullah, wurde von einer syrischen Familie aus Latakia adoptiert. Der Junge lebt ein normales Leben und geht bald zur Schule. Das ist  die einzige Tatsache, die das Herz etwas beruhigt.

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