19:42 12 Dezember 2019
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    Hiroshima-Gedenktag

    Der Hiroshima-Gedenktag - Welttag des Kampfes um das Kernwaffenverbot

    © REUTERS / U.S. Army/Hiroshima Peace Memorial Museum
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    Am 6. August wird der Hiroshima-Gedenktag - der Welttag des Kampfes um das Atomwaffenverbot begangen. In diesem Tag im Jahr 1945 warf die amerikanische Luftwaffe über der japanischen Stadt Hiroshima eine Atombombe ab.

    Die Vorbereitung auf den Atombombenabwurf begann im Sommer 1944. Im Mai und Juni 1945 traf auf der Pazifikinsel Tinian der Inselgruppe Nördlichen Marianen die 509. Gemischte Flugzeuggruppe der US-Luftstreitkräfte ein. Am 25. Juli 1945 befürwortete der Präsident der USA Harry Truman den Befehl, eines der folgenden Ziele zu bombardieren: Hiroshima, Kokura, Niigata oder Nagasaki.

    Am 6. August flogen vor dem erstmals gestarteten Bomber B-29 Enola Gay, pilotiert von Oberst Paul Tibbets, drei Flugzeuge zur Wetteraufklärung. Etwa sechs bis sieben Kilometer hinter dem Bomber folgte ein Flugzeug mit der Apparatur zur Aufzeichnung der Parameter der Atombombendetonation. Und in 70 Kilometer Entfernung folgte ein Bomber, um die Ergebnisse der Detonation zu fotografieren.

    Eine Stunde vor dem Angriff fixierten die japanischen Radaranlagen das Nahen von mehreren Flugzeugen, doch wegen ihrer geringen Zahl wurde der in Hiroshima ausgelöste Fliegeralarm bald wieder aufgehoben.

    Um 8.15 Uhr wurde nach der visuellen Zielerfassung aus etwa 10.000 Meter Höhe die Atombombe „Little Boy“ auf Hiroshima abgeworfen. Ihr Uran-Sprengsatz entsprach einem TNT-Äquivalent von etwa 20.000 Tonnen. Die Bombe detonierte  in etwa 600 Metern Höhe über der Innenstadt.

    Dabei fanden augenblicklich etwa 80.000 Menschen den Tod, über 12.000 Menschen verschwanden spurlos, 40.000 wurden verletzt. Im Umkreis von vier Kilometern um das Epizentrum tobten stundenlang Brände. Auf einer Fläche von 12.000 Quadratkilometern waren alle Bauten zerstört, von 90.000 Häusern wurden 62.000 vernichtet.

    Am 9. August um 11.01 Uhr warf dann die Crew eines Bombers die Atombombe „Fat Man“ mit einem Plutonium-Sprengsatz, der einem TNT-Äquivalent von 20.000 Tonnen entsprach, über der Stadt Nagasaki ab. Das unebene Gelände und die Abweichung des Epizentrums der Detonation um zwei Kilometer vom geplanten Ziel, dem Stadtzentrum, verringerten die Verluste und die Zerstörungen etwas. Mehr als 73.000 Menschen wurden getötet oder verschwanden spurlos. An den Folgen der erlittenen Strahlenschäden starben noch weiterer 35.000 Menschen. Mehr als 50 % der Verletzten erlitten Brandverletzungen, bis zu 30 % erlitten Verletzungen durch die Druckwelle und 20 % waren von durchdringender Radioaktivität betroffen. Die entstandenen Brände vernichteten den meisten Teil der Gebäude.

    Bei beiden Atombombenabwürfen kamen etwa 300.000 Menschen ums Leben, etwa 200.000 erlitten Strahlenschäden.

    Die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki waren der einzige Einsatz von Atomwaffen in der Geschichte der Menschheit.

    Vom militärischen Standpunkt aus gesehen waren diese Angriffe gegen zwei friedliche japanische Städte mit nichts zu erklären, denn der Sieg über das militaristische Japan, einen Bündnispartner Nazi-Deutschlands, war hauptsächlich durch die Zerschlagung der millionenstarken Kwantung-Armee durch die sowjetischen Truppen bereits gewährleistet.

    Mit den Angriffen gegen diese friedlichen Städte verfolgten die Vereinigten Staaten vor allem politische Ziele. Sie wollten ihre Stärke demonstrieren, wobei sie die Atomwaffen als Hauptmittel zur Einschüchterung der Völker betrachteten, und ihre strategische Übermacht gewährleisten.

    Am 6. August 1955 fand in Hiroshima die erste internationale Konferenz für ein Verbot der Atom- und Wasserstoffwaffen statt. Und im Jahr 1985 wurde der südliche Teil des Pazifiks zur atomwaffenfreien Zone erklärt (Vertrag von Rarotonga).

    Hiroshima wurde in der Folgezeit ein Symbol des Kampfes gegen Massenvernichtungsmittel. Der Hiroshima-Gedenktag wird von der Weltgemeinschaft jetzt als Welttag des Kampfes um das Kernwaffenverbot begangen. In der Stadt selbst findet am 6. August die alljährliche Trauerzeremonie statt. Zum ewigen Gedenken an diese schreckliche Tragödie wurde in der Innenstadt als Mahnung eine Ruine unberührt gelassen.

    Unter der Losung „Nein dem Krieg und den Kernwaffen!“ wird in Japan alljährlich ein Friedensmarsch organisiert. Auf den 13 Routen, die alle 47 Präfekturen des Landes miteinander verbinden, gehen die Teilnehmer dieses Marsches mehr als 10.000 Kilometer und beenden ihn am 6. August im Friedenspark von Hiroshima, der um das Epizentrum der Atombombendetonation angelegt wurde.

    Das Mahnmal für die Opfer von Hiroshima steht inmitten des grünen Parks. In ihm sieht man einen Kalksteinquader mit der Inschrift „Ruhet in Frieden. Denn dieser Fehler soll sich nicht wiederholen“. Darunter verbirgt sich eine Schriftrolle mit den Namen der Opfer. Unweit des Mahnmals befindet sich das Memorialmuseum des Friedens.

    Dort hängt eine Glocke, deren Inschrift lautet: „Möge ein jeder die Glocke läuten, damit sie uns stets an die Gefahr eines Atomkrieges erinnert.“

    Das Ritual der Zeremonie am Gedenktag von Hiroshima umfasst eine Schweigeminute, Tauben, die in den Himmel aufsteigen, und Glockenläuten. Danach werden die Listen mit den Namen von Menschen, die im vergangenen Jahr an den Folgen des Atombombenabwurfes gestorben sind, im Mahnmal deponiert.

    Im Jahr 2010 wohnte erstmals ein Vertreter der USA – der Botschafter in Japan John Roos – der Gedenkzeremonie bei, auch der  UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Im selben Jahr besuchten mehrere Nobelfriedenspreisträger den Memorialkomplex in Hiroshima. Darunter Mohammed al-Baradei und der Dalai Lama XIV.

    Im Jahr 2012 nahm an der Gedenkzeremonie in Hiroshima der älteste Enkel des US-Präsidenten Harry Truman, Clifton Daniel, teil. Und im Jahr 2014 wohnten der Premierminister Japans Shinzo Abe, Regierungsmitglieder, Parlamentsabgeordnete und Vertreter von 68 Staaten der Welt der Zeremonie bei.

    In Russland findet ein wesentlicher Teil der Gedenkveranstaltungen zum Hiroshima-Gedenktag in Wolgograd statt. 1972 waren Hiroshima und Wolgograd Partnerstädte geworden. Das gemeinsames Leid, unzählige Opfer und praktisch die völlige Vernichtung vereinten diese beiden Städte und sind für immer in die Weltgeschichte eingegangen. Im Jahr 1985 schenkten die Behörden der japanischen Stadt Wolgograd eine Glocke, die jetzt im Panorama-Museum der Stalingrader Schlacht aufbewahrt wird. Das symbolische Läuten dieser Glocke um 8.15 Uhr am 6. August leitet die Zeremonie zum Gedenken an die Opfer der Tragödie von Hiroshima ein.

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    Tags:
    Atomwaffen, B-29, Harry Truman, USA, Hiroshima, Japan