03:59 19 August 2017
SNA Radio
    Julian Assange

    Assange-Fall: Doppelstandards auf Schwedisch

    © Flickr/ Cancillería del Ecuador
    Panorama
    Zum Kurzlink
    0 2021552

    Julian Assange soll anscheinend von den schwedischen Staatsanwälten „geopfert“ werden. Dies behaupten seine Anhänger vor dem Hintergrund der Entdeckung, dass sie 44 Personen in England vernommen haben, aber nicht den WikiLeaks-Gründer.

    Eine Freedom of Information-Anfrage, die von der Nachrichtenorganisation Hazel Press eingereicht wurde, ergab, dass Schweden seit 2010 44 Anfragen zur Vernehmung von Zeugen oder Verdächtigen in Großbritannien stattgegeben hatte, berichtet die Nachrichtenagentur Press Association.

    Daraufhin behaupten nun Anhänger des WikiLeaks-Gründers, dass Assange “abgesondert” worden sei, da er lange bereit gewesen sei, sich in der ecuadorianischen Botschaft von schwedischen Ermittlern bezüglich der Sex-Vorwürfe befragen zu lassen.

    Einer Anwältin des Australiers, Jennifer Robinson, zufolge sei Julian nicht verurteilt worden, werde aber bereits bestraft.

    “Zuerst haben sie sich geweigert, ihn verhören zu lassen, als er noch in Schweden war. Dann haben sie sich geweigert, ihn in Großbritannien zu befragen, da es rechtswidrig wäre, dorthin zu fahren. Fünf Jahre später sagen sie nach Vorwürfen seitens eigener Gerichte, dass sie es sich überlegen werden”, sagte Robinson gegenüber der Nachrichtenagentur.

    Im März hatte sich die leitende schwedische Staatsanwältin, Marianne Ny, bereit erklärt, Assange nun doch in der ecuadorianischen Botschaft in London verhören zu lassen, da ihr die Zeit davonlief.

    Den Termin, der für den 17. August angesetzt wurde, sagte Ny jedoch ab, da Schweden angeblich keine offizielle Erlaubnis von Ecuador bekommen habe, seine Botschaft in London zu betreten. Assange bezeichnete diese Entscheidung der Staatsanwältin als reine „PR-Übung“.

    Laut dem britischen Menschenrechtler Peter Tatchell könnte Schweden wegen seiner Bereitschaft, 44 Menschen außer Assange im Vereinigten Königreich zu verhören, „der Doppelstandards und der Betrügerei“ beschuldigt werden.

    “Es ist falsch, Assange die Möglichkeit zu verweigern, die anderen gegeben wurde, in Großbritannien befragt zu werden, und um die er seit fünf Jahren gebeten hat”, wird Tatchell von der Nachrichtenagentur Press Association zitiert.

    “Die schwedischen Behörden handeln auf eine außergewöhnliche und diskriminierende Weise gegenüber Assange. Julian Assange ist seit fünf Jahren auf unterschiedliche Weise verhaftet worden, ohne jemals angeklagt worden zu sein. Das ist eine harte Verletzung seiner Menschenrechte und des Rechtssystems”, äußerte Tatchell weiter.

    Wenn Assange die Botschaft von Ecuador verlässt, wird er aufgehalten und nach Schweden ausgeliefert. Polizisten bewachen ihn rund um die Uhr, was die britischen Steuerzahler bereits mehr als 12 Millionen Pfund Sterling gekostet hat.

    “Wird die Regierung von Cameron weitere 12 Millionen Pfund Sterling ausgeben, um eine Person zu verhaften, die noch gar nicht verurteilt wurde, weil sich Schweden weigert, von den Mechanismen Gebrauch zu machen, die verfügbar sind, um den Fall von Julian zu lösen?” fragte Robinson.

    Julian Assange weist alle Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Er ist durch alle Instanzen gegangen, zuerst in Großbritannien, um eine Auslieferung zu verhindern, dann in Schweden, um den Haftbefehl aufheben zu lassen. Ohne Erfolg. Assange fürchtet, Schweden würde ihn an die USA ausliefern, wenn er nach Stockholm zurückkehrt.

    Zum Thema:

    Frankreich lehnt Asyl für WikiLeaks-Gründer Julian Assange ab
    Assange: Veröffentlichung der NSA-Geheimnisse nicht mehr zu stoppen
    Ecuadors Außenminister zum Fall Assange: London macht einen Fehler
    WikiLeaks-Gründer Assange kündigt Million neue Enthüllungen an
    Tags:
    Vergewaltigung, Menschenrechte, Peter Tatchell, Marianne Ny, Jennifer Robinson, Julian Assange, David Cameron, USA, Ecuador, Schweden, Großbritannien