20:00 15 Dezember 2018
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    AKW Tihange in Belgien

    Unplanmäßiger Reaktorstopp im AKW in Belgien

    © AP Photo / Yves Logghe
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    In der Nacht zum Donnerstag ist im belgischen AKW Tihange einer der drei Reaktoren gestoppt worden, wie der Betreiber Electrocabel mitteilte.

    Der Energieblock habe sich bei Wartungsarbeiten automatisch abgeschaltet, hieß es.

    „Wir klären derzeit, was genau geschehen ist, es besteht keine Gefahr für die Umwelt“, sagte ein Electrocabel-Vertreter. Auf die Frage, wann der Reaktor wiedergestartet werden könne, gab er keine Antwort.

    Ende Juli war es bereits zu einer unplanmäßigen Situation gekommen, als ein Element der lecksicheren Hülle getestet wurde. Der Vorfall wurde als Ereignis der Stufe eins („Anomalie“) auf der internationalen Sieben-Punkte-Skala (Internationale Bewertungsskala für nukleare und radiologische Ereignisse) eingestuft und war weder für die Mitarbeiter noch für die lokale Bevölkerung oder für die Umwelt gefährlich.

    „In den letzten sechs Wochen haben sich mehrere derartige Vorfälle ereignet“, heißt es in einem Communiqué der belgischen föderalen Agentur für Nuklearsicherheit (AFCN).

    Bei der Ermittlung stellte sich heraus, dass das Personal auf den Vorfall nicht angemessen reagiert und somit gegen die Betriebsvorschriften verstoßen hatte. Also ließ die AFCN vier AKW-Mitarbeiter, die ihren Aufgaben in der Reaktorsteuerhalle nachgingen, vom Dienst suspendieren und gab die Informationen über ihre Handlungen an die Staatsanwaltschaft weiter.

    Wie die belgische Zeitung „Le Soir“ berichtet, hält die AFCN die Vorfälle für eine Folge der Fahrlässigkeit von Mitarbeitern. Auf Forderung der Agentur wurde das ganze Personal des AKW Tihange verpflichtet, einen Fortbildungskurs zu machen, bei dem die notwendigen Handlungen bei Eintritt von Sicherheitsproblemen eingeübt werden sollen.

    Im März 2014 war im AKW Tihange zeitweilig der dritte Reaktor gestoppt worden, nachdem an dessen Hauptbau Tausende Mikrorisse entdeckt worden waren.

    Nach der Havarie im japanischen AKW Fukushima hatten die Behörden Belgiens den Beschluss gefasst, alle AKW des Landes bis 2025 zu stoppen. Allerdings befürchtet man einen Strommangel im Land und zögert daher mit der Stilllegung der Atomkraftwerke.

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    Tags:
    AKW, Atomenergie, AKW Tihange, Belgische Föderale Agentur für Nuklearsicherheit (AFCN), Belgien