13:00 03 April 2020
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    Seit über drei Jahren sitzt Julian Assange in London fest. Dass das Enthüllen von Geheimnissen keine einfache Mission ist, zeigt auch der Fall „Netzpolitik.org“. Warum und in welchen Bereichen Whistleblower notwendig sind, weiß Dr. Johannes Ludwig, Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW).

    In Deutschland gebe es momentan drei Vorfälle, wo Whistleblower am Werk gewesen seien. Neben dem Fall „Netzpolitik.org“ gehörten dazu die Afghanistan-Einsatzberichte der Bundeswehr und die Recherche-Organisation „Correct!V“, die Informationen aus den geheimen TTIP-Verhandlungen veröffentlicht habe, erläutert der stellvertretende Vorsitzende von „Whistleblower-Netzwerk e.V.“.

    Für die Politik und den Staat seien die Ermittlungen in diesen Fällen ziemlich peinlich, würden aber Journalisten und Whistleblower ermutigen, ihre Tätigkeit auch in Zukunft fortzusetzen.

    Whistleblower seien Menschen, die im Zusammenhang mit ihrer Arbeit sehen, dass irgendetwas falsch laufe, und die dann Alarm schlagen, so der Experte. Damit die Situation geändert werden kann, müsse sie erst einmal bekannt werden, sagt Prof. Dr. Ludwig. Meistenteils würden Whistleblower ihre riskante Tätigkeit unentgeltlich ausüben. Manchmal gebe es jedoch Situationen, wo Geld doch notwendig sei, damit beispielsweise aufgeflogene Enthüller sich für eine Weile zumindest finanziell über Wasser halten können. Schließlich schreibe die Kriminalpolizei ja ebenfalls Belohnungen aus, wenn sie nicht weiterkomme.

    Für den stellvertretenden Vorsitzenden von „Whistleblower-Netzwerk e.V.“ steht fest: „Demokratie kann nur dann funktionieren, wenn die Menschen, die die Bürger sind, wissen, was läuft. Es gibt natürlich Menschen, die sich für Politik gar nicht interessieren. Die können wir vergessen. Aber es gibt immer noch genügend Menschen in einer Demokratie, die sich eben dafür interessieren, was passiert, und die einordnen können und wissen, wie wichtig Whistleblower als Frühwarnsystem für das gute Funktionieren einer Demokratie sind.“

    Es gibt viele Bereiche, wo ein Potenzial für Enthüllungen vorhanden ist, betont der Experte. Einer davon sei die Finanzwelt. Denn einerseits gebe es Menschen, die ganz arm seien und sich nicht ernähren könnten. Anderseits hätten einige Menschen so viel Geld, dass sie es gar nicht bzw. nicht richtig verwenden könnten.

    Prof. Dr. Johannes Ludwig findet darüber hinaus, dass die Tätigkeit von Enthüllern auch im Gesundheitswesen wichtig wäre. „Es gibt keinen Bereich, der ausgeschlossen ist. Weil es keinen Bereich gibt, wo alles wirklich perfekt läuft. Das wäre zu schön, wenn überall alles perfekt laufen würde. Dann wäre die Welt ideal, aber die Welt ist nicht ideal. Und weil sie nicht ideal ist, müssen Whistleblower ihre Arbeit einfach tun“, resümiert der stellvertretende Vorsitzende von „Whistleblower-Netzwerk e.V.“.

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    Tags:
    Journalisten, Julian Assange, Deutschland, Afghanistan, Hamburg, London