04:17 16 Dezember 2019
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    Flüchtlinge: „Deutsche eher mental als finanziell überfordert“ – CDU-Politiker

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    Private Unterbringung statt Fremdheit im Lande: Martin Patzelt setzt sich für Einzelinitiativen bei der Flüchtlingsregelung ein und geht auch selbst voran. Lasten, sagt er, müsse man solidarisch verteilen.

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    Bundesinnenminister Thomas de Maizière meinte nach seinem Besuch in Passau und Deggendorf, Deutschland sei gefordert, aber nicht überfordert. Finanziell nicht, mental aber schon, ergänzt der CDU-Politiker Martin Patzelt im Interview für Sputniknews. „Wenn wir die logistischen und finanziellen Möglichkeiten sehen, dann ist das Land noch lange nicht überfordert. Wenn wir die mentale Situation der Deutschen sehen, dann mache ich mir schon mehr Sorge. Wir müssen immer damit rechnen, dass eine noch größer werdende Zahl von Flüchtlingen zu einer Polarisierung in der deutschen Gesellschaft führt“, so Patzelt.

    Nicht die ganze Last auf Deutschland abladen

    Einige Rahmenbedingungen seien deswegen sehr wichtig, z. B. dass die Menschen in Deutschland erleben, dass in Europa solidarisch gehandelt werde und nicht dass die Hauptlast auf Deutschland abgeladen sei, sondern dass andere Länder sich entsprechend ihrem Vermögen an diesem Lasten beteiligen.

    „Wir können mehr aufnehmen, aber es ist gefährlich, wenn die Menschen diesen Weg nicht mitmachen“, schlussfolgert Patzelt.

    Er selbst macht mit, indem er zwei Flüchtlinge aus Eritrea in seiner Wohnung unterbringt. Ein WG-Gefühl mit guten familiären Traditionen, beurteilt der Politiker das Zusammenleben. „Sie sind sehr lernwillig und lernen ganz fleißig die deutsche Sprache, die Kommunikation ist also kein Problem mehr. Das Zusammenleben ist so wie in einer Wohngemeinschaft: Es gibt gemeinsame Mahlzeiten, zu denen wir uns verabreden, ansonsten wird der Alltag durch den Tageslauf bestimmt“, sagt Patzelt. Am Abend treffe man sich zu gemeinsamem Essen – die beiden haben ihm zufolge „in ihr Zusammenleben einen Akzent gebracht, der wieder mehr auf familiäres Leben orientiert“.

    „Nicht nur Schmarotzer“

    Er habe für beide eine unbezahlte Beschäftigung organisiert, indem er gesagt hat: „Ihr lebt hier und bekommt euren Aufenthalt vom deutschen Steuerzahler bezahlt, es wäre schön, wenn ihr auch etwas dafür tut.“ Und das haben sie gerne getan, erklärt der Politiker.  Die Asylsuchenden seien also bereit zu arbeiten, sagt er weiter: „Das ist ein wichtiges Indiz für die Bevölkerung, dass die Menschen, die hierherkommen, nicht nur Schmarotzer sind, sondern etwas tun wollen. Das kann auch zur Befriedung beitragen“.

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    Werden Sie Flüchtlinge bei sich privat unterbringen?
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      88.1% (6163)
    • ja, wenn das bezahlt wird
      2.4% (171)
    • ja, aber nur aus Europa
      2.0% (140)
    • weiß nicht
      3.6% (250)
    abgestimmt: 1

    Wichtig sei, dass private Unterbringung bei der Bewältigung der Fremdheit helfe: „Wenn die Fremden unter uns wohnen, dann lernen sie sich kennen und da merkt man, das sind ja auch Menschen, und das sind nicht die Bösen“, so Patzelt.

    Viele sitzen alleine

    „Ich kenne viele Menschen, die sitzen alleine in einem Haus: Kinder sind ausgeflogen, das Haus ist da, sie haben Mühe, das alles in Ordnung zu halten als älter werdende Menschen. Aber sie würden keinen Fremden reinlassen“, sagt er weiter.

    Die europäischen Staatsführer müssen sich also zusammensetzen und versuchen, eine gerechte und gute Lösung über Dublin hinaus zu suchen.  Die Lösung von Zaun und Abgrenzung werde niemals helfen. „Die Flüchtlinge kommen wie das Wasser durch alle Löcher, und die Last wäre ungleich verteilt, wenn wir uns nicht vereinbaren. Sonst funktioniert das nicht – sonst bricht auch der Frieden in Europa auseinander“, so der Politiker.

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    Tags:
    Migranten, Asyl, Kinder, CDU/CSU, Martin Patzelt, Deutschland