07:50 20 August 2017
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    The refugee camp in Traiskirchen, Austria

    Obdachlos im Flüchtlingslager: Verheerende Zustände in Traiskirchen

    © AP Photo/ Ronald Zak
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    Auf „verheerende Zustände“ im Flüchtlingslager Traiskirchen bei Wien hat österreichische Grünen-Politikerin Alev Korun verwiesen. Die Einstellung der Behörden dazu bewertete sie als „unsagbar schrecklich“.

    "Ich war in den letzten Jahren mehrmals im Erstaufnahmelager Traiskirchen“, so Korun in einem Sputniknews-Gespräch mit Bolle Selke. „Das letzte Mal vor circa drei Wochen. Die Zustände dort sind verheerend. Zu dem Zeitpunkt waren ungefähr 4000 Menschen im Flüchtlingslager ‚zusammengepfercht‘. Es gibt schon lang nicht mehr Betten und ein Dach über dem Kopf für alle. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich im Lager war, waren mehr als 1000 Menschen obdachlos.“

    „Zusätzlich zu all dem musste ich auch die Entdeckung machen, dass die Frau Innenministerin Johanna Mikl-Leitner eine Weisung an die Polizei und das Asylamt erteilt hat, alle neu hereinkommenden Schutzsuchenden einmal für 48 Stunden festzunehmen. Das ist natürlich unsagbar schrecklich. Hier geht es um Menschen die vor dem Krieg in Syrien, im Irak, vor Boko Haram oder vor anderen Terroristen und Milizen geflüchtet sind“, so die Abgeordnete zum Nationalrat und Sprecherin für Menschenrechte, Migration und Integration der Grünen.

    Dieser Notstand sei durch Politikversagen verursacht, meinte sie. „Politikversagen in erste Linie der Innenministerin, teilweise der Bundesländer, die lange nicht genug Quartiere geschaffen haben, teilweise durch manche Bürgermeister.“

    "Seit Jahren sage ich:  Wer um sein Leben rennt — und wir sehen die Bilder aus Syrien und dem Irak tagtäglich — der hat nichts zu befürchten und den sollte man nicht abschrecken, sondern solidarisch aufnehmen", äußerte Korun.

    "Das österreichische Innenministerium hat seine Aufgabe Vorsorge auf größere Flüchtlingszahlen zu treffen leider total vernachlässigt“, schlussfolgerte sie. „Wir haben daher auch einen Misstrauensantrag gegen die Frau Innenministerin im Parlament gestellt, der mit den Stimmen der Parlamentsparteien und der Rechtspopulisten abgelehnt wurde. Aber falls die Innenministerin im Amt bleibt, muss sie natürlich endlich mit allen politischen Verantwortlichen gemeinsam diese Herausforderungen angehen und nicht mehr zuschauen und mit dem Finger auf andere zeigen."     

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    Tags:
    Migranten, Flüchtlingslager Traiskirchen, Johanna Mikl-Leitner, Alev Korun, Irak, Syrien, Österreich
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