21:58 24 Juni 2019
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    Ölförderung in Russland

    Trotz Ölpreistief: Russland entgeht dem Schicksal der Sowjetunion

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    Krisenstimmung in Russlands Wirtschaft (146)
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    Die fallenden Ölpreise werden Russland nicht dazu zwingen, das Schicksal der Sowjetunion zu wiederholen, wie der Bloomberg-Kolumnist Leonid Berschidski glaubt.

    Die russische Wirtschaft sei stärker als die sowjetische, und die Handlungen der russischen Behörden seien pragmatisch genug, um dem Land über die Schwierigkeiten hinwegzuhelfen, schreibt Berschidski.

    Laut dem Analysten ist die Sowjetunion nicht, wie oft behauptet wird, den niedrigen Ölpreisen, sondern der kommunistischen Ideologie zum Opfer gefallen. Statt Öl und Gas gegen harte Währung zu verkaufen, habe die Sowjetunion ihre Energieträger in die Mitgliedsländer des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe im Austausch gegen Waren geliefert, die sie nicht besonders brauchte.

    „Faktisch war es ein System von Subventionen“, schreibt Berschidski. Dabei sei der Großteil der Auslandsgelder, die trotzdem den Haushalt erreichten, für den Getreide-Ankauf ausgegeben worden, bemerkt er.

    Laut Berschidski hätte die Sowjetunion die Folgen der sinkenden Ölpreise überwinden können, wenn sie zu einer von drei Optionen gegriffen hätte: Die Tauschgeschäfte mit den Ländern des sozialistischen Blocks einzustellen; die Einfuhr von Lebensmitteln drastisch zu drosseln und dabei das Risiko einzugehen, auf das Essmarkensystem umsteigen zu müssen; oder die Militärausgaben zu kürzen.

    Eine jede dieser Maßnahmen hätte die Positionen der sowjetischen Führung sowohl im Land als auch im Ausland untergraben. „Alle diese Optionen waren politisch inakzeptabel“, schreibt der Analyst.

    Trotz seiner hohen Öl-Abhängigkeit sei das heutige Russland als kapitalistisches Land nicht mehr ideologisch gebunden, unterstreicht er. Im Gegensatz zur Sowjetunion könne Russland seine Bevölkerung ernähren und nehme nach seinen Importen weltweit den vierten Platz ein.

    Dabei seien die Subventionen, die das Land seinen Verbündeten gewähre, weitaus niedriger, fügt der Analyst hinzu. Außerdem nehme Russland trotz steigender Rüstungsausgaben an keinem umfassenden Wettrüsten gegen die USA teil, führt er aus.

    Laut dem Bloomberg-Kolumnisten entsprechen die Handlungen der russischen Behörden völlig der Situation auf den Energiemärkten. Insbesondere weist er darauf hin, dass sich die Landesführung entschlossen habe, die Sozialausgaben zu kürzen und mehr Effizienz von Staatsunternehmen anzustreben.

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    Tags:
    Leonid Bershidsky, Gas, USA, Russland