11:53 17 August 2017
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    Ein türkischer Polizist trägt den leblosen Körper eines kleinen Jungen vom Strand

    Traurige Geschichte des dreijährigen syrischen Jungen Aylan

    © AP Photo/
    Panorama
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    Ein türkischer Polizist trägt den leblosen Körper eines kleinen Jungen vom Strand. Das bewegende Foto eines toten Flüchtlingsjungen an einem türkischen Strand geht um die Welt, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Donnerstag berichtete.

    Die türkische Bildreporterin Nilüfer Demir, die das Foto des toten Kindes für die Nachrichtenagentur Dogan machte, sagte, sie sei beim Anblick der Leiche „erstarrt". Sie wünsche sich, dass mit dem Foto über „die Tragödie dieser Menschen" nachgedacht werde, schrieb das Blatt.

    Der syrische Junge war am Mittwoch tot an einem Strand nahe dem türkischen Bodrum angespült worden. Medienberichten zufolge hatte der drei Jahre alte Syrer Aylan Kurdi gemeinsam mit seiner Familie von der türkischen Küste aus — wie tausende seiner Landsleute — ein Schlepperboot zur griechischen Ferieninsel Kos bestiegen.

    Syrische Flüchtlinge auf der griechischen Ägäis-Insel Kos
    © AP Photo/ Alexander Zemlianichenko
    Zuvor wollte die Familie bei Verwandten in Kanada ein neues Leben in Frieden beginnen. Aber die kanadischen Behörden verweigerten ihnen wegen fehlender Pässe ein Visum. Die Familie unternahm daher einen weiteren verzweifelten Versuch, dem Krieg in Syrien zu entkommen. Doch das überladene Boot kenterte im hohen Wellengang, die türkische Küstenwache barg insgesamt zwölf Tote. 15 Menschen konnten sich an Land retten. Aylan starb zusammen mit seinem fünf Jahre alten Bruder Galip und seiner Mutter Rehan. Nur der Vater Abdullah überlebte.

    Abdullah Kurdi schilderte wenige Stunden nach seiner Rettung den Tod seiner Familie im Meer. Dem oppositionellen syrischen Radiosender Rosana FM sagte er am Donnerstag in einem Telefoninterview: „Ich half meinen beiden Söhnen und meiner Frau und versuchte mehr als eine Stunde lang, mich am gekenterten Boot festzuhalten. Meine Söhne lebten da noch. Mein erster Sohn starb in den Wellen, ich musste ihn loslassen, um den anderen zu retten“, schrieb die FAZ.

    Nach Sputniknews vorliegenden Angaben stammte die Familie Kurdi aus einem Dorf im Raum des syrischen Kobani im Gouvernement Aleppo. Lange Zeit lebte die Familie dann in der Hauptstadt Damaskus. Der 2012 ausgebrochene Bürgerkrieg trieb die Familie zuerst nach Aleppo. Aber nach einem halben Jahr, als sich die Lage auch in Aleppo zuspitzte, kehrte die Familie nach Kobani zurück.

    Als die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Kobani angriff, beschloss die Familie Kurdi, in die Türkei zu flüchten. Einige Zeit später kehrten sie in das durch die syrische Armee vom IS befreiten Kobani zurück. Aber nach einem erneuten Angriff der Terroristen im Juni floh die Familie ein zweites Mal in die Türkei, die zu ihrer letzten Zuflucht wurde. Aylan, sein Bruder Galip und die Mutter Rehan werden demnächst in Kobani beigesetzt. Ein Angehöriger der Kurdis teilte Sputniknews mit, er und Familienvater Abdulah befänden sich zurzeit im türkischen Bodrum, um die Leichen abzuholen und in die Heimat zu überzuführen.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Türkei
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