16:59 17 August 2018
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    Сrash-Experte: Flüchtlinge sind Katastrophe für Europa

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    Der Flüchtlingszustrom ist nach Griechenland eine weitere Krise, die Europa nicht regeln kann: statt ein Miteinander betreibе es ein Gegeneinander, meint der deutsche Crash-Theoretiker Marc Friedrich. Zugleich sei die enorme Flüchtlingswelle ein Geschenk für die EU-Länder, behaupten Arbeitsmarkt-Statistiken.

    Deutschland sieht sich durch die enorme Flüchtlingszahl finanziell und sozial zunehmend herausgefordert. Mit bis zu einer Million Flüchtlingen soll es 2015 rechnen.

    „Es ist eine weitere Krise, die Europa nicht regeln kann. Wieder einmal ist es eine Bankrott-Erklärung Europas und vor allem der EU“, sagt Friedrich,  Autor des Buches „Crash ist die Lösung“, gegenüber Sputniknews.

    Die EU schaffe sich kontinuierlich ab, indem sie sich mehr und mehr von der Realität und von den Menschen entferne. „Es ist kein Miteinander, es ist leider ein Gegeneinander. Wir erleben momentan wirklich einen Exodus biblischen Ausmaßes“, so Friedrich.

    Die europäische Politik werde ihm zufolge keine zielführende Lösung finden: „Ich erwarte nicht, dass die Politik in Brüssel oder in Paris oder in Berlin irgendeine Lösung herbeiführt, wo ganz Europa spricht. Das werden nur Einzellösungen sein, ein Puzzlestück. Aus diesem Grund befürchte ich das Schlimmste, dass wir eventuell Tausende oder Hunderttausende Menschen im Winter hier haben, die vielleicht frieren oder sogar erfrieren werden.“ 

    Eine psychotherapeutische Behandlung der Flüchtlinge gehört mitunter zu wichtigen Integrationsmaßnahmen. „Wir haben den Auftrag, bis zu 1000 traumatisierte junge Frauen, die in IS-Geiselhaft waren und fliehen konnten, nach Deutschland zu bringen und sie zu behandeln“, sagt Projektleiter der  Arbeitsgruppe Migration und  Rehabilitation am Institut für Psychologie der Universität Freiburg Dr. Jan Ilhan Kizilhan, für Sputniknews.

    „Das sind schwertraumatisierte Frauen, die acht bis zehn Monate in IS-Geiselhaft waren, die vergewaltigt und gefoltert wurden. Die meisten ihrer männlichen Mitglieder sind hingerichtet worden.“

    Neben der Behandlung der Flüchtlinge gehe es auch um die außenpolitische Verantwortung, also das eigentliche Problem des Krieges, fügt er hinzu. Deutschland sei nach Kizilhans Ansicht „aufgrund seines Wohlstandes in der Lage, die Flüchtlingskrise finanziell zu organisieren“. 

    Die Menschen fühlen sich daher immer mehr verunsichert, es gebe eine fremdenfeindliche Tendenz in Europa, bemerkt Kizilhan weiter: „Das Bild der Willkommenskultur, das wir heute beobachten, kann sich schnell wiederum ändern.“

    Weltweit die Türen öffnen

    Kilian Kleinschmidt, der 25 Jahre als Entwicklungshelfer der UNO tätig war und anhand seiner Erfahrungen das Buch „Weil es um die Menschen geht“ verfasst hat, stellt fest, dass eine weitere Ursache für die jetzige Flüchtlingskrise eben Armut ist. „Armut kann man als eine Menschenrechtsverletzung ansehen. Meiner Meinung nach ist Armut auch ein Grund zu fliehen. Wiederum können wir nicht alle Armen dieser Welt nur in Europa aufnehmen, sondern wir müssen es schaffen, dass wir weltweit unsere Türen öffnen und legale Möglichkeiten für die Arbeitsmigration schaffen.“ Die Krise lasse sich nur mit gemeinsamen Anstrengungen lösen. „Hier ist nicht Europa gefragt, sondern hier ist die Welt gefragt. Diese Probleme gehen uns alle an.“

    Kilian Kleinschmidt glaubt, dass Ausbildung für die Jugend der Krisenregionen sehr wichtig sei. Es gehe darum, dass die Flüchtlinge sich selbst versorgen könnten. „Sie wollen das ja auch. Sie wollen nicht Sozialhilfe bekommen, sondern sie wollen ja eigentlich arbeiten. Länder, die Schwierigkeiten haben, neue Menschen in ihren Arbeitsmarkt zu integrieren, und denen auch die Finanzierung fehlt, können wenigsten Studienplätze zur Verfügung stellen“, schlägt der Entwicklungshelfer der UNO vor.

    Es komme umso mehr auf die Ausbildung der Flüchtlinge an, weil sie auf lange Sicht eigentlich ein Geschenk für Deutschland seien, bemerkt Dr. Jan Ilhan Kizilhan: „Wir werden in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren etwa acht Millionen Arbeitskräfte benötigen. Also ganz rational betrachtet sind diese Menschen ein Geschenk bzw. neue Power für Deutschland, aber auch für Europa.“

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    Tags:
    Armut, Migranten, Migrationspolitik, Uno, EU, Kilian Kleinschmidt, Jan Ilhan Kizilhan, Marc Friedrich, Deutschland
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