14:39 19 Januar 2018
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    „Ukrainian Agony“: Deutsche Filmdoku als Antithese zu Mainstream

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    „Ukrainian Agony - Der verschwiegene Krieg" heißt der Dokumentarfilm, den der freie deutsche Journalist Mark Bartalmai als Frontreporter im Kriegsgebiet bei Donezk neun Monate lang gedreht hat.

    „Die Seiten stehen unverrückbar auf ihren Positionen, die für die Gegenseite unakzeptabel sind“, sagte er im Sputniknews-Interview mit Nikolaj Jolkin nach der Vorstellung des Streifens in Moskau. „Die Verhandlungsführer verfügen über keine Freiheit, die für die Annährung bedürftig ist. Kiew ist nicht in der Lage, eine eigene Position für die Ukraine zu vertreten, sondern es handelt als Auftragnehmer. Deshalb hat es keinen Spielraum, wenn Kiew direkte Gespräche mit den führenden Köpfen der abtrünnigen Republiken ablehnt. Mit wem will man dann verhandeln?“

    Solange der Westen Sanktionen auf Basis dieses Krieges mit den lächerlichen Anschuldigungen aufrechterhalte, werde Russland sicherlich nicht den Weg gehen, um noch mehr Zugeständnisse zu machen, sondern zeige seinen Gesprächspartnern, wo eine Grenze erreicht sei. Mark Bartalmai denkt, dass die Zeit gegen die Europäer spiele.

    Der Film sei als eine Antithese zur Mainstream-Berichterstattung über die Ukraine gedacht, so der Filmautor. „Merkel und Hollande haben kein Ziel, den Frieden in der Ost-Ukraine herzustellen. Wenn es tatsächlich ihr Ziel wäre, würden sie ihren Einfluss auf Kiew wesentlich stärker geltend machen. Solange das Geld gerade aus Deutschland fließt, und es aktive Unterstützung des Vorgehens Kiews im Donbass gibt“, sieht der deutsche Dokumentarist keinen Sinn, irgendwie Frieden herzustellen.

    Es gehe darum, meint er, diesen Weg, der die Ukraine an den Westen bindet, weiter fortzusetzen, egal wie. „Dieser Weg führt aber in die Sackgasse. Sie begreifen es nicht, weil sie es nicht begreifen dürfen.

    Deutschland und Frankreich haben auch keine eigenständige Verhandlungsposition. Sie arbeiten vasallenartig in diesem Konflikt mit“, ist sich Mark Bartalmai sicher. „Das Feuer wurde zwar in Februar eingestellt, aber es wurde immer geschossen. Auch die Zivilbevölkerung litt daran sehr. Erst jetzt ist zwar die Ruhe gekommen, aber die politische Lösung gibt es nicht.“

    Diese würde unter anderem in einem Sonderstatus von Donezk und Lugansk in Folge der Verfassungsänderung bestehen, betonte der Journalist. „Was aber das ukrainische Parlament beschlossen hat, ist ein Alibi-Beschluss, um nach außen zu demonstrieren: Wir halten uns an dieses Minsk-2-Abkommen, um sich auf der Weltbühne auch nicht als einen unnachgiebigen Kriegstreiber darzustellen.“

    „Jede Waffenruhe wurde zur Reorganisation der Armee genutzt“, meint er. „Die Verhandlungen dienen jetzt dem Zweck, um diese ganze Geschichte nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.“

    „Es sterben auf beiden Seiten junge Männer. In Donbass sterben im Unterschied zu Kiew noch die Frauen, die Kinder und die Alten. Wichtig ist zu wissen: Die jungen Männer und die Zivilisten, die dort sterben, sterben, weil sie dazu benutzt werden. Im Prinzip geht es in diesem Krieg, der angezettelt und vom Westen maßgeblich forciert wurde, gar nicht um die Ukraine, um das Land und hehre Ideale, wie sie auf dem Maidan in irgendeiner Form vermeintlich  vertreten wurden. Es geht darum, die Interessen bestimmter Gruppen aus dem westlichen Ausland zu vertreten, und die Ukraine als einen dreckigen Hinterhof von Europa und als eine Speerspitze zu benutzen, um einen Konflikt mit Russland vom Zaun zu brechen.“ Und das zeige er auch in seinem Film.

    Er habe mit vielen Menschen gesprochen, die in Kiew sitzen und immer noch an eine Visafreiheit für die EU und auch daran glauben, dass sie, wie der jetzige Premier Jazenjuk vor einem Jahr auf dem Maidan gesagt hatte, Gehälter wie in Deutschland haben würden. „Sie glauben daran, weil sie glauben wollen“, meint der Filmautor. „Die EU hat der Ukraine die Heirat versprochen und wollte sie eigentlich nur für eine Nacht. Die Ukraine ist nicht willkommen in die Europäische Union, weil die Ukraine viel zu problembelastet ist. Sie ist als Land gut, wo vielleicht in Zukunft der eine oder andere NATO-Stützpunkt sein kann, oder als Land, das als Markt für die europäischen Produkte benutzt wird.“

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    Tags:
    Maidan, Minsker Abkommen, Sanktionen, Ukrainian Agony (Film), EU, Lugansker Volksrepublik, Donezker Volksrepublik, François Hollande, Angela Merkel, Mark Bartalmai, Deutschland, Frankreich, Donbass, Russland, Ukraine
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