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09:47 23 Juli 2019
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    Migrantenlager in einer Sporthalle in Wien

    Turnhallen als Notquartier für Flüchtlinge - Sport stark getroffen?

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    Wegen des hohen Flüchtlingsandrangs sind viele deutsche Sportstätten, darunter auch die Rudolf-Harbig-Halle im Olympiapark in Berlin, zu Notunterkünften geworden. Einheimische Eltern sorgen sich um ihre Kinder, auch der Spitzensport leidet, berichtet „Die Welt“.

    Die Rudolf-Harbig-Halle am Berliner Olympiastadion sei „ein besonderes Schmuckstück“, so die Zeitung  „Leichtathleten aus ganz Berlin trainieren hier; auch die Schüler der Poelchau-Oberschule, einer Eliteschule des Sports.“

    Seit vergangener Woche dienen aber auf Beschluss des Berliner Senats die Rudolf-Harbig-Halle sowie die benachbarte Großhalle im Horst-Korber-Sportzentrum für die Unterbringung von Flüchtlingen. Die Spitzensportler mussten in aller Eile ihr Trainingsgerät abtransportieren.

    "Für unsere Spitzensportler kommt das einem Berufsverbot gleich", kritisiert Gerhard Janetzky, Präsident des Berliner Leichtathletik-Verbandes. Ihn ärgert vor allem, dass der Verband und die Vereine bei der Entscheidung nicht eingebunden wurden.

    Auch der Landessportbund ist entsetzt über das Vorgehen – zumal sich gerade Sportvereine besonders um die Integration der Flüchtlinge kümmern.

    Der Sportbund-Präsident Klaus Böger äußerte, er glaube nicht, "dass solche Maßnahmen und der auf Dauer drohende Ausfall von Schulsportunterricht die Akzeptanz der Bevölkerung für die gegenwärtige Flüchtlingspolitik erhöhen".

    Jeden Tag kämen bei ihm E-Mails und Anrufe von Vereinen sowie besorgten Eltern an, erzählt Landessportbund-Direktor Heiner Brandi. "Wir verkennen die Probleme des Senats nicht und sehen die Handlungszwänge. Aber wir wollen wenigstens in den Abwägungsprozess einbezogen werden."

    Auch in anderen Bundesländern setzt sich die Erkenntnis langsam durch, dass die Belegung von Turnhallen langfristig zu gewaltigen Interessenkonflikten führen dürfte, so die Zeitung weiter. Das spüren aktuell vor allem die Bayern, wo diese Woche die Schule wieder begonnen hat. "Es ist klar, dass jetzt alle zusammenrücken, aber das darf keine Dauerlösung sein", warnt Lehrerverbandspräsidentin Simone Fleischmann.

    Turnhallen seien einfach ein besonders sensibles Thema, sagt auch der Präsident des Bayerischen Landkreistags, Christian Bernreiter (CSU) – vor allem wenn Eltern wegen des ausfallenden Sportunterrichts ihrer Kinder auf die Barrikaden gehen.

    In Nordrhein-Westfalen sind derzeit etwa 50 Schul- und Vereinssporthallen für die Flüchtlingsunterbringung zweckentfremdet – als "Willkommensgruß" des Sports an die Flüchtlinge, wie man beim Landessportbund NRW sagt.

    Der Winter steht vor der Tür, und die Flüchtlinge brauchen ein Dach über dem Kopf, resümiert die Zeitung. Turnhallen sind da wegen ihrer prinzipiellen Verfügbarkeit und ihrer sanitären Einrichtungen oft die einfachste Lösung.

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    Tags:
    Migranten, Sport, Berliner Leichtathletik-Verband, CDU/CSU, Christian Bernreiter, Gerhard Janetzky, Klaus Böger, Deutschland