09:52 17 Januar 2019
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    Treptower Park in Berlin

    BBC nennt sowjetisches Ehrenmal in Berlin „Grab des Vergewaltigers“

    © REUTERS / Fabrizio Bensch
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    Für Berliner symbolisiere das Ehrenmal im Treptower Park nicht nur die Befreiung durch die Rote Armee, sondern auch die „unzähligen Frauen“, die sowjetische Soldaten auf dem Weg nach Berlin vergewaltigt haben, behauptet BBC. Dass ca. 190.000 deutsche Frauen durch Amerikaner vergewaltigt wurden, erwähnt der britische Sender mit keinem Wort.

    BBC Russian hat via Twitter ein Material angekündigt, das auf die wenig bekannte Geschichte des Zweiten Weltkrieges eingeht. Für die Berliner symbolisiere das Ehrenmal im Treptower Park, das für die 80.000 bei der Schlacht um Berlin gefallenen Rotarmisten steht, nicht nur die Befreiung, sondern auch die „unzähligen Frauen“, die sowjetische Soldaten auf dem Weg nach Berlin vergewaltigt haben, hieß es im Teaser. „In Deutschland wird dieses Ehrenmal manchmal als Grab des unbekannten Vergewaltigers bezeichnet. Warum?“, fragt BBC.

    In Russland sorgte diese Fragestellung für Schock und Empörung sowohl bei Internetnutzern als auch bei Abgeordneten und Journalisten, kommentiert „Moskowski Komsomolez“. Das russische Massenblatt erinnert an die Erhebungen der Historikerin Miriam Gebhardt, laut denen von US-Soldaten wahrscheinlich 190.000 Vergewaltigungen verübt worden sind. Das erwähnt BBC nicht.

    Internet-Nutzer schreiben dazu, es gehe nicht darum, dass solche Seiten der Geschichte tabuisiert werden sollen. „Im Krieg kann alles passieren. Das Denkmal in Berlin verkörpert den Helden, der die Welt vor der Nazi-Pest gerettet hat. Mit dieser Veröffentlichung hat BBC Russian alle, die gegen den Nazismus gekämpft haben, als Verbrecher und Vergewaltiger hingestellt. Als wären sie keine Helden, die ihr Leben für eine Zukunft gegeben haben, in der die britischen Journalisten ihre Ausführungen frei äußern dürfen.“

    Am Freitag hat der Duma-Abgeordnete Alexander Sidjakin in einer offiziellen Anfrage an die russische Generalstaatsanwaltschaft gefordert, die BBC-Veröffentlichung auf „Extremismus“ zu überprüfen.

    Das ist nicht das erste Mal, dass westliche Medien sowjetische Kriegsdenkmäler verunglimpfen. So hatte der US-Fernsehsender CNN im vergangenen Jahr auf seiner Webseite das Monument „Mut“, ein Teil der Kriegsgedenkstätte „Festung Brest“ in Weißrussland, als eines der „weltweit hässlichsten Denkmäler“ bezeichnet. Der Beitrag wurde nach heftiger Kritik aus Moskau und Minsk gelöscht.

    Im April 2015 hat das US-Onlinemagazin Business Insider die Mutter-Heimat-Statue auf dem Mamajew-Hügel in Wolgograd (ehemaliges Stalingrad) unter den „absurdesten Bauten der Sowjetepoche“ gelistet.  Bei den Kämpfen gegen die Wehrmacht in Stalingrad hatte die Rote Armee mehr als eine Million Menschen verloren.

    Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags hat BBC die umstrittene Twitter-Meldung wieder gelöscht und um Verzeihung gebeten. „Wir haben den Tweet und die Unterschrift unter dem Bild als Verunglimpfung und Verstoß gegen die BBC-Standards gelöscht. Wir bitten um aufrichtige Entschuldigung“, heiß es in einer Mitteilung.

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    Tags:
    Zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus (Nazismus), Treptower Park, CNN, BBC, Alexander Sidjakin, Russland, Deutschland