Widgets Magazine
16:32 18 Oktober 2019
SNA Radio
    Volkswagen

    VW: „Made in Germany“ darf nicht zu „Manipulated in Germany“ werden – Experte

    © REUTERS / Jacky Naegelen
    Panorama
    Zum Kurzlink
    3311
    Abonnieren

    Armuts- und Hungerbekämpfung, Recycling, Umweltschutz - die „Agenda 2030“ strebt viel an. Erstmals in der Geschichte werden die Ziele nicht von den Reichen auf die Armen oktroyiert, meint Prof. Dr. Günther Bachmann.

    Am 2. August wurde das Abschlussdokument zur „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" von allen 193 Staaten der UNO angenommen. Die großangelegten Ziele beeindrucken, der Zeitrahmen kann schon manche Zweifel hervorrufen. Nicht sofort skeptisch sein, mahnt Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, gegenüber Sputniknews.

    „Die Agenda 2030 ist so realistisch, wie wir wollen, dass sie realistisch ist. Jedes Land ist aufgefordert, die Agenda bei sich umzusetzen. Und das ist nicht etwas Abstraktes, sondern jedes Land muss sehen, wo es den Schwerpunkt setzt, etwa in der Armutsbekämpfung, Recycling, Umweltschutz oder im Zugang zu Land, zu Wasser. Das ist im positiven Sinne ein Wettbewerb zwischen den Ländern: wer am besten die Agenda für sich selber nutzbar macht“, sagt Professor Bachmann.

    Nachhaltigkeit ist große Kunst

    Interessant sei, dass die Idee, solche globalen Ziele universeller Gültigkeit zu machen, nicht von den Industrie-Ländern kam, sondern aus Lateinamerika, also aus Entwicklungsländern, bemerkt Bachmann. „Das ist zum ersten Mal in der Geschichte, dass diese Idee von Umweltschutz und Nachhaltigkeit nicht von den Reichen auf die Armen oktroyiert wird“, sagt er. Der Idee Nachhaltigkeit habe mit Krisen, Engpässe, Ressourcen zu tun, erklärt Bachmann: „Früher ging es ums Holz, heute um viel mehr – Schulden, Massenelend, Ressourcen, Wasser, Nahrung. Die Nachhaltigkeit ist eine große Kunst, die Ökologisches, Ökonomisches und Soziales zusammenbringt.“

    Deutschland habe diese Ideen aktive aufgegriffen, es gebe jedoch auf jeden Fall einen Nachholbedarf in der Nachhaltigkeitsstrategie. „Deutschland ist eigentlich ein Land voller Rohstoffe, nur nutzen wir die nicht. Wir müssen beim Recycling vorangehen. Das hat auch weltpolitische Bedeutung: heute werden viele Geräte aus Deutschland in Afrika oder in Indien auseinandergenommen und schlechten Arbeitsbedingungen gerecycelt. Das kann man verändern: man kann die Arbeitsplätze qualifizieren, man kann   Recycling zum Wirtschaftsbereich für die ganze Welt machen, das sollten wir anstreben“, sagt Prof. Bachmann.

    „Made in Germany“ oder „Manipulated in Germany“

    Die VW-Enthüllung sei Bachmann zufolge ein starker Rufschaden: „Made in Germany“ darf nicht in der Welt als „Manipulated in Germany“ gelten. Aber es handelt sich um einen Betrug, und wo Betrug festgestellt wird, da müssen die Betrüger geahndet werden.“ Je schneller dies passiere, desto besser könne man das „Made in Germany“ wieder seinem guten Ruf zuführen.

    In Deutschland gebe es eine gute Basis für die Nachhaltigkeitspolitik: „Die Zustimmung der Menschen ist auf 80 Prozent gestiegen, das Bewusstsein ist verbreitet worden, das ist gute Basis. Es kommt ja nicht nur aufs Geld an: wir müssen eine Governance, also Instrumente, Gremien, Verfahren, Prozesse entwickeln, um diese Agenda zur nachhaltigen Entwicklung umzusetzen“, sagt Bachmann.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Volkswagen-Skandal: Seoul beginnt eigene Ermittlung zu Abgaswerten
    Abgas-Affäre bei VW: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Winterkorn
    VW-Skandal: Norwegen beginnt Ermittlung zu manipulierten Abgaswerten
    Porsche-Chef Matthias Müller löst Martin Winterkon als VW-Vorstandsvorsitzender ab
    Tags:
    Umwelt, Volkswagen AG, Uno, Deutschland