Widgets Magazine
07:03 19 Juli 2019
SNA Radio
    Spionage

    Intelexit hilft Spionen beim Ausstieg - „Hör aufs Herz - nicht auf Telefongespräche“

    Creatix
    Panorama
    Zum Kurzlink
    3213

    Viele Organisationen helfen verzweifelten Menschen beim Kampf gegen Alkoholismus und Drogensucht. Nun wird auch Geheimagenten die helfende Hand gereicht – in einem Interview für netzpolitik.org berichten Intelexit-Aktivisten über ihre neue Kampagne, die vom Gewissen geplagten Spionen Beratung, Therapie und rechtlichen Beistand vermitteln soll.

    Die Kampagne, die sich auf ihrer neuen Internetseite als „weltweit erstes Aussteigerprogramm für Angehörige von Geheimdiensten“ positioniert, startete erst vor einigen Tagen und wurde bereits durch ihre smarten Werbeslogans und Plakate bekannt.

    Nach Medienberichten hat eine Gruppe von Intelexit-Aktivisten ihre Kampagne am Montag mit dem Ausstellen eines Billboards mit der Aufschrift „Hör aufs Herz — nicht auf private Telefongespräche“ angefangen. Dabei sei das Werbeplakat neben der Darmstädter NSA-Filiale aufgestellt worden. Plakate und Tafeln mit ähnlichen Sprüchen sollen nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA und in Großbritannien ausgestellt werden.

    Mit dieser Werbung will Intelexit die Mitarbeiter auf sich aufmerksam machen, die eine qualifizierte Hilfe beim Ausstieg aus NSA, GCHQ und BND benötigen. Des Weiteren wurde auf der Internetseite von Intelexit auch eine Videobotschaft veröffentlicht, in der Therapeuten und sogar ein ehemaliger Stasi-Offizier über diese Kampagne berichten.

    „Wer mit der Arbeit für Geheimdienste in moralische Konflikte gerät, hat jedes Recht dort auszusteigen. Das ist die Kernbotschaft. Wir wollen diesen Leuten ein Fenster öffnen und sie in allem unterstützen, was es nach sich zieht, nachdem sie der „Intelligence community“ den Rücken kehren.“, sagte ein Sprecher der Intelexit gegenüber netzpolitik.org.

    Die Überwachung sei ein menschengemachtes Phänomen, das ein Problem für die Menschen darstelle, die in diesem „Kaninchenbau“ tätig seien und  Zeugen von Lügen, Verbrechen und Ungerechtigkeiten werden, Gewissensbisse erleiden und das oft mit Alkohol, Drogen und Gewalt kompensieren.

    Intelexit helfe solchen Menschen und möchte ein „positives Signal an die zukünftigen Whistleblower aussenden: Wir können euch in ein normales Leben zurück helfen, in dem ihr wieder zu euren Werten findet.“

    Außer den Werbetafeln sollen die Geheimdienstmitglieder künftig auch angerufen werden, ihnen sollen E-Mails und Faxe zugeschickt und Flyer vor ihren Büros verteilt werden.

    Dies sei keine übliche politische Kampagne zur Abschaffung der Geheimdienste, betont der Sprecher, sondern so eine, die den Menschen auch tatsächlich helfen werde: „Bei der Recherche für das Projekt haben wir eine Reihe früherer und immer noch aktiver Mitglieder dieser „Intelligence community“ getroffen, außerdem einige ihrer Freunde und Familien. Wir haben immer wieder die gleichen Geschichten gehört und vernahmen darin einen deutlichen Hilferuf. Die Kampagne ist also absolut notwendig.“

    Es sei aber auch wichtig, dass die früheren und zukünftigen Whistleblower einander unterstützen und mithilfe dieser Kampagne auf Erfahrungen und bewährte Verfahrensweisen zurückgreifen könnten.

    Manchmal sei das, was üblicherweise als „Landesverrat“ bezeichnet werde, so der Intelexit-Aktivist, in Wirklichkeit „Tapferkeit“ und das Brechen von Gesetzen — die einzige Möglichkeit, ein „kaputtes System“ zu überwinden.

    BND
    © AP Photo / Matthias Schrader

    Die Organisatoren von Intelexit seien sich bewusst, dass Geheimdienstbehörden wahrscheinlich versuchen werden, ihre Kommunikation abzuhören. Deshalb sei es wichtig, so viele sichere Kommunikationskanäle wie möglich anzubieten.

    „Dann können sie überlegen, ob sie Whistleblower werden möchten. Wenn sie sich zur Veröffentlichung eingestufter Informationen entschließen, könnte das mit Unterstützung von Wikileaks oder dem Spiegel erfolgen. Unsere Kampagne ist also eine Brücke, über die Leute gehen können, ein Fluchtweg zur Demokratie, raus aus dem Kaninchenbau.“, fügte der Sprecher hinzu.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Geheimdienst, Spionage, Intelexit, Britischer Militärgeheimdienst GCHQ, Bundesnachrichtendienst (BND), NSA, Deutschland, USA, Großbritannien