04:11 08 Dezember 2019
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    Kanada warnt vor rassistischen Banden in Deutschland

    Erhöhte Sicherheitsstufe: Kanada warnt vor rassistischen Banden in Deutschland

    © AFP 2019 / dpa/Oliver Berg
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    Kanada hat Medienberichten zufolge Touristen vor rassistischen Übergriffen in Ostdeutschland gewarnt. Kurz nach dem Auftauchen der Nachricht hat sich herausgestellt, dass die Warnung aus dem Jahr 2005 stammt. Die Aufregung jedoch bleibt, wie „Zeit Online“ berichtet.

    Am Mittwoch und Donnerstag berichteten zahlreiche Medien, dass Kanada Reisende vor Gefahren seitens extremistischer Jugendlicher in Teilen Ostdeutschlands hingewiesen hätte. Die Nachricht verbreitete sich schnell in den sozialen Netzwerken. 

    In der Mitteilung der kanadischen Regierung heißt es: „Extremistische Jugendgangs sind eine Bedrohung, vor allem in ländlichen Gegenden und Teilen Ostdeutschlands. Bandenmitglieder haben Menschen wegen ihrer Herkunft und weil sie 'fremd' aussehen, belästigt oder angegriffen.“ Am Rande von Demonstrationen könne es immer wieder zu Gewalt kommen. Diese Warnung ließe sich, so „Zeit Online“, vor allem wegen der jüngsten Angriffe auf Flüchtlingsheime in Ostdeutschland durchaus als aktueller Hinweis verstehen.   

    Allerdings wurde dieser schon 2005 veröffentlicht. Nur die Information über gestiegene Zahlen von Migranten in Europa ist am 28. September neu hinzugekommen, so „Zeit Online“ unter Berufung auf die Sprecherin der kanadischen Botschaft in Berlin, Jennifer Broadbridge. Dort heißt es unter anderem, dass es dadurch zu Verspätungen an Bahnhöfen und Grenzübergängen kommen könne. Genau diese Aktualisierung hätte offensichtlich diesem zehn Jahre alten Sicherheitshinweis erneut Aufmerksamkeit beschert.

    „Ob alt oder aktuell, der Passus über Ostdeutschland trifft einen Nerv“, schreibt „Zeit Online“. „Es gibt im Osten definitiv viele Orte, in die man sich mit dunkler Hautfarbe nicht traut“, wird Moctar Kamara, der Vorsitzende des Zentralrats der afrikanischen Gemeinde in Deutschland, von „Zeit Online“ zitiert.

    Laut ostdeutschen Politikern, wie etwa dem sächsischen CDU und Vize-Vorsitzenden der Unionsbundestagsfraktion, Michael Kretschmer, entspricht die Warnung dagegen nicht der Realität und ist zudem äußerst rufschädigend, so das Handelsblatt.

    „Überall in Deutschland besteht zurzeit die Gefahr rassistischer Anschläge“, widerspricht Karl Kopp von „Pro Asyl“ laut „Zeit-Online“. „Aber es gibt Gebiete in Ostdeutschland wie Heidenau und Tröglitz, in denen die Gefahr ungleich höher ist.“ Diese beschreibe er als sogenannte No-Go-Areas für Menschen mit dunkler Hautfarbe.

    Auch der Europarat sieht „eindeutige Anzeichen“ für eine Zunahme an Rassismus und Intoleranz in Deutschland, was sich „in der gestiegenen Zahl von Angriffen auf Einrichtungen für Asylbewerber“ widerspiegelt, so „Zeit-Online“ unter Berufung auf den Menschenrechtskommissar des Europarats Nils Muiznieks.

    In der kanadischen Botschaft in Berlin versuche Jennifer Broadbridge mittlerweile zu beruhigen und versichere, dass kanadische Behörden über den „Satz des Anstoßes“ Bescheid wüssten und ihn schnellstmöglich aus den Sicherheitshinweisen entfernen würden.

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    Tags:
    Rassismus, Intoleranz, Asyl, Migranten, Extremismus, Tourismus, CDU/CSU, Michael Kretschmer, Deutschland, Kanada