04:39 28 Oktober 2020
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    Bei eventuellen Cyber-Angriffen auf Atomkraftwerke sind nicht etwa technologische Lücken, sondern vor allem Verstöße gegen die Vorschriften durch das Personal gefährlich, wie ein russischer Experte im Hinblick auf die jüngste britische Studie zur Atomsicherheit äußerte.

    Hackerangriff
    © Fotolia / Brian Jackson
    Die russische Onlinezeitung gazeta.ru zitiert am Dienstag aus dem jüngsten Bericht der britischen Denkfabrik Chatham House, wonach die Kontrollsysteme vieler Atomanlagen weltweit gegen Cyber-Angriffe nicht sicher genug sind. Seit zehn Jahren seien Hacker in dieser Hinsicht aktiver geworden. Dabei könne eine solche Attacke katastrophale Folgen haben und eine radioaktive Verseuchung verursachen, so die Studie.

    Oleg Demidow, Experte der russischen Denkfabrik PIR Center, kommentierte für die Onlinezeitung den britischen Bericht. Er sagte im Hinblick auf die iranische Uran-Anlage Natanz, deren Arbeit vor einigen Jahren vom Computerwurm Stuxnet gestört worden sein soll: „Damals  hat jemand bewusst oder unbewusst gegen die Vorschriften verstoßen. Ein Device unbekannter Herkunft, das in Bezug auf unerlaubte Funktionen und schädliche Softwares nicht getestet war, wurde ans interne Netzwerk angeschlossen, das den technologischen Prozess steuert. Der Wurm breitete sich aus und begann, Programm- und Logistik-Controllers zu manipulieren sowie elektromechanische Antriebe von Zentrifugen unter Kontrolle zu nehmen, um sie nach und nach zu verschleißen.“

    Raketensystem Topol-M
    © Foto : Russian Defense Ministry / Sergei Krivov

    Demidow sagte weiter: „Seitdem entstanden weder grundsätzlich neue internationale Standards zum Schutz solcher Anlagen noch grundsätzlich neue Schutz-Softwares gegen Bedrohungen wie Stuxnet. Der Kampf gegen solche fortgeschrittene Attacken erfolgt nur durch eine akribische Einhaltung der IT-Sicherheit an der jeweiligen Anlage. Man muss also hundertprozentig sicher sein, dass das Personal ordentlich vorgeht.“

    Der Experte kommentierte auch den Hacker-Angriff auf den südkoreanischen AKW-Betreiber Hydro and Nuclear Power im Dezember 2014. Damals wurden massiv schädliche E-Mails an die Mitarbeiter verschickt. Dadurch verschaffte sich der Hacker Zugriff auf interne technische und Personaldaten.

    „Zwar ist das unangenehm und könnte potenziell instrumentalisiert werden, um weitere Attacken zu planen oder Mitarbeiter unter Druck zu setzen, doch die unmittelbaren technologischen Vorgänge wurden durch jenen Angriff nicht gefährdet. Denn in allen Atomkraftwerken sind das Computernetzwerk des Betreibers und die PCs der Mitarbeiter vom eigentlichen AKW-Betrieb physisch isoliert. Das ist grundsätzlich wichtig und in allen Ländern gewährleistet“, so Demidow.

    Unter allen zivilen Atomanlagen sind die Kernkraftwerke laut Demidow am besten geschützt; die Cyber-Gefahr für sie sollte nicht übertrieben werden: „Jene seltenen AWK-Zwischenfälle, zu denen es doch kommt, betreffen in der Regel nur äußere Systeme wie Computernetzwerke und Datenbasen des jeweiligen Betreibers. Automatisierte Steuerungssysteme der eigentlichen Ausrüstungen waren praktisch nie betroffen.“

    Die Probleme wie im Fall Natanz wurzeln also, wie der Experte erneut betonte, nicht im Bereich der Technologie, sondern darin, inwieweit das Personal die geltenden Sicherheitsvorschriften einhält. 

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    Tags:
    Atomenergie, Cybersicherheit, Oleg Demidow