14:25 24 Juni 2017
Radio
    Irakische Flüchtlinge in Helsinki

    „Frustrierende“ EU-Realität in Finnland: Flüchtlinge kehren zurück nach Irak - Medien

    © AFP 2017/ LEHTIKUVA/Jussi Nukari
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Migrationsproblem in Europa (1275)
    262687230111

    Irakische Flüchtlinge stehen in Helsinki tagelang Schlange, um neue Pässe zu beantragen und in ihre Heimat zurückzukehren, berichtet die finnische Zeitung „Helsingin Sanomat“.

    Bus mit Flüchtlingen in der finnischen Stadt Lahti
    © REUTERS/ Samuli Ikaheimo/Lehtikuva
    Laut der Zeitung sammelten sich vor der Irakischen Botschaft in der finnischen Hauptstadt diese Woche lange Warteschlangen von Flüchtlingen – die Realität in Finnland habe den Erwartungen der Migranten so wenig entsprochen und für so viel Frust gesorgt, dass sich viele der Neuankömmlinge wieder auf den Heimweg machen wollten.

    Viele Flüchtlinge waren gar gezwungen in der Schlange zu übernachten – wenn die Migranten aus Flüchtlingsunterkünften anderer finnischer Städte kamen, hätten ihnen die Asylherbergen der Hauptstadt die Unterkunft verweigert, berichtet „Helsingin Sanomat“.

    „Mein Vater ist in schlechten gesundheitlichen Zustand, deshalb muss ich zurück in den Irak, um der Familie zu helfen“, zitiert das Blatt Muhamed Ahmed, der die ganze vergangene Nacht auf den Treppen der Botschaft gesessen habe.  Er brauche einen neuen Pass, da der alte von den Schleppern geklaut worden sei, beschwert sich der junge Iraker.

    Familienumstände seien jedoch nicht die einzigen Beweggründe, die die Migranten zurück in die Heimat treiben, schreibt die Zeitung. Meist sei es die Enttäuschung von den finnischen Lebensbedingungen.

    „Ich wurde in einer psychiatrischen Klinik mit alten, kranken Menschen einquartiert. Eine große Anzahl von Männern drängte sich in einem Raum. Viele wurden krank. Schließlich wurden wir anderswo untergebracht und das Zimmer wurde geschlossen“,  erzählt Ahmed.

    Viele der Migranten teilten dem Korrespondenten der Zeitung mit, dass sie auf Einladung des finnischen Premierministers Juha Sipilä nach Finnland gekommen seien. Der Politiker habe zuvor versprochen, die Flüchtlinge im „eigenen Haus“ unterzubringen. Einige seien auch nach den Willkommensgesten von Angela Merkel nach Europa aufgebrochen.

    „Ich bin extra aus Schweden nach Finnland gekommen. Und ich dachte, dass ich hier eine Arbeit bekomme und meine Familie hierherbringen werde und wir wie die Finnen leben könnten“, sagte ein anderer Iraker, Mogdad Hassan, der bereits seit drei Tagen auf der Straße übernachtet.

    Die Zuwanderungskrise in Europa hat sich im Zusammenhang mit dem steigenden Einwanderungsstrom aus Nordafrika, dem Nahen Osten sowie aus Zentral- und Südasien zugespitzt. Die Zahl der Flüchtlinge aus unruhigen Nahost- und nordafrikanischen Staaten steigt rasant. Die EU-Kommission spricht von der schlimmsten Migrationskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.

    Themen:
    Migrationsproblem in Europa (1275)

    Zum Thema:

    Flüchtlingskrise: EU plant Massenabschiebung
    Expertin: EU-Dilemma mit Türkei von Flüchtlingskrise erzwungen
    Belgien: Flüchtlinge randalieren in Beratungszentrum
    Flüchtlingskrise: Merkel und Hollande werben gemeinsam für Solidarität in EU
    Tags:
    Migrationspolitik, Migranten, EU-Kommission, EU, Juha Sipilä, Angela Merkel, Finnland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren