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    Wrackteile der in der Ukraine abgestürzten Passagiermaschine MH17

    „Wichtige Daten ignoriert“: Kritik an niederländischen MH17-Ermittlern

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    Ermittlungen zu MH17-Absturz (224)
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    Kurz vor der Veröffentlichung der niederländischen Untersuchungsergebnisse zum Abschuss einer malaysischen Boeing über der Ukraine wirft Russland einem Zeitungsbericht zufolge den Ermittlern vor, wichtige Daten zu ignorieren.

    Die malaysische „New Straits Times“ zitiert aus einem Brief, den der Vizechef der russischen Luftfahrtbehörde, Oleg Stortschewoj, am 16. September an die International Civil Aviation Organization (ICAO) gerichtet hatte. Stortschewoj wirft dem zuständigen niederländischen Untersuchungsrat OVV vor, die von Russland vorgelegten „umfassenden Informationen“ zum MH17-Absturz zu ignorieren. Ihren endgültigen Bericht soll die niederländische Behörde am 13. Oktober vorlegen.

    Das OVV-Team habe sofort von einem Abschuss durch eine Buk-Rakete gesprochen, ohne davor die Parameter des Projektils in gebührender Weise erforscht zu haben. Das niederländische Gremium habe auch nicht erklärt, mit welchen Methoden und Daten der Ort ermittelt wurde, von dem aus die Rakete abgefeuert worden sein soll, so Stortschewoj nach Angaben der malaysischen Zeitung. 

    Der russische Konzern Almaz Antey, Hersteller von Buk-Raketen, habe den Niederländern technische Daten und eigene Testergebnisse zur Verfügung gestellt. „All diese detaillierten Angaben wurden vom OVV ignoriert. Als Resultat gelangte der OVV zum Schluss, der dem gesunden Menschenverstand widerspricht und mit der Konstruktion dieses Waffensystems nicht übereinstimmt“, heißt es weiter im Brief.

    Laut Stortschewoj schätzen die niederländischen Ermittler die Masse des Sprengkopfes auf höchstens 33 Kilogramm. Dieser soll 3.000 bis 4.000 „präformierte Fragmente“, sogenannte  Flechettes, enthalten haben – je 3 Gramm schwer. „Das entspricht einer Buk-Rakete überhaupt nicht“, schreibt Storschewoj nach Angaben der „New Straits Times“.

    Zuvor hatte der russische Raketen-Hersteller zwar einen Absturz durch Buk auch nicht ausgeschlossen. Russland wies aber mehrmals darauf hin, dass bei einer Attacke von der Ortschaft Sneschnoje aus der der Rumpf der Boeing auf eine ganz andere Weise beschädigt worden wäre.

    In Sneschnoje hatten sich zum Zeitpunkt des Absturzes bewaffnete Gegner der ukrainischen Armee befunden. Von ukrainischen Behörden und Medien werden sie als Separatisten bzw. Terroristen bezeichnet.

    Überhaupt unterscheidet sich die ukrainische Berichterstattung zu dem Absturz drastisch von dem russischen. So meldete die ukrainische Agentur Unian: „Am 17. Juli 2014 hatten die von Russland unterstützten Separatisten einen Passagierjet der Malaysia Airlines abgeschossen.“ Wladislaw Selesnjow, Sprecher des ukrainischen Generalstabs, sagte: „Nicht zum ersten Mal legt Russland anderen zur Last, war es selbst tut. So war es auch mit der abgeschossenen malaysischen Boeing. Russland versucht, die Verbrechen seines Militärs zu tarnen und die Verantwortung für die Tragödie auf die ukrainischen Streitkräfte abzuwälzen.“

    Die russische Onlinezeitung lenta.ru zitierte unterdessen einen russischen Experten, der mit dem Verlauf der Untersuchung vertraut ist, mit den Worten, die niederländische Untersuchungskommission habe nicht darauf geachtet, wie Buk-Raketen durch die ukrainischen Regierungstruppen eingesetzt wurden. Die Ukraine habe über ihre Raketen-Einsätze zum Zeitpunkt der Katastrophe nicht informiert: „Die Funkgespräche der ukrainischen Militärfluglotsen wurden ebenfalls nicht analysiert. Der Flugplan der ukrainischen Luftwaffe in jenem Gebiet wurde nicht in Betracht gezogen.“

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    Tags:
    MH17, Flugzeugabsturz, OVV, Almaz-Antey, Malaysia Airlines, ICAO, Oleg Stortschewoj, Niederlande, Russland, Ukraine