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    Ermittlungen zu MH17-Absturz (224)
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    Die Passagiermaschine der Malaysia Airlines, eine Boeing-777, war am 17. Juli 2014 auf dem Flug MH17 aus Amsterdam (Niederlande) nach Kuala Lumpur (Malaysia) im Osten der Ukraine abgestürzt.

    An Bord befanden sich 298 Personen aus zehn Ländern, darunter 85 Kinder, auch 43 Bürger Malaysias einschließlich der 15 Crewmitglieder. Die meisten Opfer – 193 Personen – waren niederländische Staatsbürger.

    Das Flugzeug, das dem festgelegten Transitkorridor folgte, hatte Donezk überflogen, als um 17.20 Uhr in 10 000 Meter Höhe ein starker Geschwindigkeitsverlust einsetzte. 17.23 Uhr verschwand die Boing vom Radarschirm.

    Die Trümmer des Flugzeugs wurden im Raum der Ortschaft Grabowo, nahe der Stadt Tores im Gebiet Donezk, entdeckt, in dem Gebiet, das die Selbstverteidigungskräfte der Volksrepublik Donezk kontrollieren.

    Am Abend des 17. Juli bezeichnete der Präsident der Ukraine Petro Poroschenko das Geschehen als einen „Terrorakt“. Der Berater des Innenministers der Ukraine, Anton Geraschtschenko, verkündete, das Flugzeug sei von einem Fliegerabwehrkomplex „Buk“ abgeschossen worden. Die Behörden der Volksrepublik Donezk erklärten indessen, über keine solche Ausrüstung zu verfügen, die dazu in der Lage gewesen wäre, ein Flugzeug in 10 000 Meter Höhe abzuschießen.

    Die USA, Großbritannien und Australien unterstützen Kiews Version und erklärten, die Maschine sei vom Gebiet der Selbstverteidigungskräfte aus von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden.

    Im Weiteren tauchten Erklärungen auf, die EU müsse ihre Beziehungen zu Russland angesichts der Tatsache, dass „prorussische Separatisten das Flugzeug abgeschossen hätten“, überdenken.

    Im Außenministerium der Russischen Föderation bekundete man Befremden darüber, dass die westlichen Länder noch vor der Aufnahme der Ermittlungen Beschuldigungen äußerten. Das russische Verteidigungsministerium stellte den Journalisten am 21. Juli die Daten der objektiven Luftraumkontrolle  vom Absturzort zur Verfügung. Den Satellitenaufnahmen zufolge war am Tag der Tragödie im Raum der Ortschaft Saroschtschenskoje, östlich von Donezk, eine ukrainische Batterie des Fliegerabwehrkomplexes „Buk-M1“ aufgetaucht.

    Zu selben Zeitpunkt hatte die Betriebsintensität der ukrainischen Fliegerabwehrradare ihren Höhepunkt erreicht, am Tag darauf war sie stark gesunken. Außerdem befand sich zum Zeitpunkt des Absturzes ein ukrainischer Kampfjet SU-25 in der Nähe der malaysischen Passagiermaschine. Wie die russischen Militärs erklärten, habe Russland den Selbstverteidigungskräften in der Ukraine weder einen Fliegerabwehrkomplex „Buk“ noch anderes Kriegsgerät zur Verfügung gestellt. Die von Kiew veröffentlichte Aufnahme eines solchen, angeblich eilig nach Russland abtransportierten  Fliegerabwehrkomplexes sei eine bloße Lüge.

    Der Stabschef der Generalstabsadministration der russischen Streitkräfte, Generalleutnant Andrej Kartapolow, teilte mit, dass sich am 17. Juli über dem Osten der Ukraine ein amerikanischer Satellit befunden habe. Er forderte die USA auf, die vom Satelliten erhaltenen Daten zu veröffentlichen. Die Forderung bleibt bis heute unerfüllt.

    Am 23. Juli äußerten Vertreter der amerikanischen Ermittlungsteams offen die Vermutung, die malaysische Boeing könne von einer „schlecht ausgebildeten Crew“ der Selbstverteidigungskräfte „aus Versehen“ abgeschossen worden sein. Es hieß, die USA hätten keine Beweise, die von einer Anwesenheit russischer Bürger am Abschussort oder von einer Schulung von Selbstverteidigungskräften in der Bedienung eines „Buk“-Fliegerabwehrkomplexes zeugen würden. Die Ermittler gaben zu, einen Teil ihrer Information aus sozialen Netzwerken und aus den von den ukrainischen Behörden verbreiteten Videoaufnahmen geschöpft zu haben.

    Am 21. Juli verabschiedete der Sicherheitsrat der UNO eine Resolution zur Tatsache des Absturzes der malaysischen Boeing, in der eine unabhängige, internationale Untersuchung und die Bestrafung der Schuldigen verlangt werden. Zwei Tage später übernahmen die Niederlande offiziell die Ermittlungsarbeit. Sie erklärten, dass sie 24 Experten aus Russland, der Ukraine, Malaysia, Australien, Deutschland, den USA und Großbritannien in die Aufklärungsarbeit eingeschaltet hätten.

    Am 9. September 2014 veröffentlichten die Niederlande dann einen vorläufigen Bericht, nach dem die malaysische Passagiermaschine wegen „struktureller Beschädigungen, bedingt durch äußere Einwirkung unzähliger höchst energieintensiver Objekte“ in der Luft zerfallen sei. Doch die Quelle dieser Objekte wurde nicht festgestellt. Am wahrscheinlichsten sei, dass das Flugzeug vom Boden aus abgeschossen wurde, teilte ein Mitglied  des Ermittlungsteams mit.

    Ende April 2015 schloss eine internationale Expertengruppe die Arbeit am Absturzort der Maschine ab. Anfang Juli wurde ein Entwurf des endgültigen Berichts über die Absturzursachen der malaysischen Boeing an die in die Ermittlungen involvierten Länder geschickt. Die Russische Luftfahrtbehörde Rosawiazia erklärte hierzu, im Bericht gebe es „mehr Fragen als Antworten“. Der stellvertretende Chef der Behörde, Oleg Stortschewoj, machte wesentliche Bemerkungen zur Argumentation und zu den technischen Daten. Er bekundete die Hoffnung, dass sich die Ergänzungen und Kommentare der Russischen Föderation in der endgültigen Version des Berichts widerspiegeln würden.

    Es ist bekannt, dass die niederländischen Ermittler über die Untersuchungsergebnisse verfügen, die der russische Konzern PWO „Almas-Antej“, welcher die modernen, modifizierten Fliegerabwehrkomplexe „Buk“ herstellt, auf eigene Initiative hin durchgeführt hatte. Dort vermutet man, die malaysische Boeing sei von einer Rakete abgeschossen worden, die in der Russischen Föderation längst nicht mehr produziert werde, aber noch in der Ukraine vorhanden sei. Die Rakete wurde aus dem Raum Saroschtschenskoje abgeschossen, den das ukrainische Militär kontrolliert. Und gerade dieser Raum wurde mehrere Tage nach der Tragödie vom Verteidigungsministerium der Russischen Föderation erwähnt.In Erwartung des endgültigen Berichts über die Absturzursachen haben die Regierungen der Niederlande und Malaysias im Juni 2015 Verhandlungen darüber aufgenommen, unter UNO-Leitung einen internationalen Gerichtshof zur Untersuchung der Causa Boing MH 17 sowie zur Bestrafung der Schuldigen zu bilden.

    Am 9. Juli verbreitete die malaysische Delegation in der UNO den Entwurf einer entsprechenden Resolution, in der die Tragödie mit dem Flugzeug als eine „Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit“ erwähnt wurde.

    Am 29. Juli erörterte der Sicherheitsrat der UNO die Initiative mehrerer Länder, einen internationalen Gerichtshof zum Absturz der Maschine in der Ukraine zu bilden. Russland  blockierte die Verabschiedung dieses Resolutionsentwurfs.

    Wie zuvor der Außenminister der Russischen Föderation Sergej Lawrow erklärte, sei der Absturz der Passagiermaschine das Ergebnis einer Straftat, aber keine Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit, was der Resolutionsentwurf jedoch vermuten ließe. Wie der Minister sagte, habe der UN-Sicherheitsrat bei Abstürzen von Flugzeugen noch nie Gerichte gebildet. Diese Idee sei dazu berufen, die Schuldigkeit jener zu beweisen, die Washington als Verantwortliche betrachte.

    Außenminister Lawrow sagte, für Russland seien noch viele Fragen zu den laufenden Ermittlungen offen.
    Nachdem der Resolutionsentwurf zur Bildung eines internationalen Strafgerichtshofs vom UN-Sicherheitsrat nicht bestätigt worden war, erklärte der Ministerpräsident Malaysias, Najib Razak, sein Land werde die Rechtsprechung zum Absturz der Boeing im Osten der Ukraine über verschiedene, andere rechtliche Wege durchsetzen.

    Mitte September 2015 übergab die Generalstaatsanwaltschaft der Volksrepublik Donezk 2 500 Fragmente der im Juli 2014 abgestürzten malaysischen Boeing, welche Einheimische gefunden hatten. Der amtierende Generalstaatsanwalt der Volksrepublik Donezk, Andrej Spiwak, wandte sich an den Generalstaatsanwalt der Niederlande, Frederick Westerbeke, mit der Bitte, die im Donbass zusammengetragenen Teile abzuholen.

    Am 28. September trafen niederländische Experten gemeinsam mit einer OSZE-Mission in der Ortschaft Grabowo im Gebiet Donezk ein, wo im Juli 2014 die malaysische Boeing abgestürzt war. Sie sprachen mit den dortigen Behörden und untersuchten auch das Gelände.
    Der Sicherheitsrat der Niederlande will am 13. Oktober 2015 den endgültigen Bericht über die Absturzursachen vorlegen.

    Schon im Vorfeld jedoch begannen westliche Medien, an die Öffentlichkeit „durchgesickerte“ Auszüge des Dokuments zu veröffentlichen, wobei sie behaupteten, alle Verantwortung liege bei den Selbstverteidigungskräften und der malaysischen  Fluggesellschaft. Laut den internationalen Normen darf der Inhalt eines solchen Berichts niemals vor der offiziellen Publikation der endgültigen Variante veröffentlicht werden.

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