03:20 14 Dezember 2017
SNA Radio
    Niederländische Ermittlungen zu MH17-Absturz

    MH17-Bericht: Experten verweisen auf fatale Versäumnisse der Kiewer Behörden

    © AFP 2017/ Emmanuel Dunand
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Ermittlungen zu MH17-Absturz (223)
    4444

    Die Ukraine hätte den Luftraum sperren müssen, hat der niederländische Sicherheitsrat am Dienstag in seinem finalen Bericht zum Absturz der malaysischen Boeing im Juli 2014 über der Ostukraine betont. Bis zum Unglück sei die Situation in diesem Raum offenbar falsch eingeschätzt worden, meinen Luftfahrtexperten.

    „Erstens ist der Staat, über den diese Route führt, verpflichtet, die anderen Staaten bzw. die Luftfahrtorganisationen weltweit über eventuelle Risiken zu informieren. Also Teile des Luftraums zu sperren bzw. andere Flugbeschränkungen zu erlassen. Dann sind es teilweise die anderen Staaten selbst“, sagt Luftfahrtexperte Heinrich Grossbongardt im Interview für Sputniknews. „In den USA darf beispielsweise die amerikanische Luftfahrtbehörde amerikanischen Airlines verbieten, bestimmte Länder oder bestimmte Regionen zu überfliegen.“ Drittens seien die Fluggesellschaften selbst verantwortlich dafür,  ständig Risikoanalysen durchzuführen und ihre Routen entsprechend anzupassen.

    Die Situation sei bis zum Unglück falsch eingeschätzt worden, meint dazu Tim van Beveren, Fach-Journalist für Technologie und Luftverkehr: „Grundsätzlich ist es so, dass das Land, in dessen Luftraum Kampfhandlungen laufen, für die Flugrouten und die Sicherheit des Überfluges verantwortlich ist. In diesem Falle hätte eigentlich die Ukraine den Luftraum sperren müssen. Das Zweite ist allerdings die eigene Verantwortung der Airline: es war ja nicht so, dass der Konflikt in der Ukraine erst einen Tag vorher ausgebrochen wäre. Man hat bis zu diesem tragischen Unglück offenbar die Situation falsch eingeschätzt.“

    Es sei eine Verpflichtung der Airline, sich zu überlegen, ob sie es riskieren und ihre Passagiere unter Umständen einem Risiko aussetzen kann, sagt van Beveren weiter.  Das Wesentlichste sei dabei der gesunde Menschenverstand. „Der gesunde Menschenverstand sagt, ich gehe doch nicht freiwillig dahin, wo Kampfhandlungen laufen und Waffen im Einsatz sind. Wenn ich als Airline weiß, dass meine Route über eine Konfliktzone geht, wie jetzt aktuell in Syrien, bedeutet das dann ein Risiko, das ich in der zivilen Luftfahrt nicht eingehen will“, so der Experte.

    Der Luftverkehr lerne aus Katastrophen, schlussfolgert Grossbongardt. Der Abschuss von MH17 habe eben gezeigt, dass Bewertung von Risiken und Bedrohung über Krisengebieten bislang nicht adäquat gewesen sei. „Dieser Prozess muss strukturierter ablaufen, der Informationsfluss zwischen staatlichen Stellen und Fluggesellschaft muss intensiviert werden“, so der Luftfahrtexperte.

    Themen:
    Ermittlungen zu MH17-Absturz (223)

    Zum Thema:

    Niederländischer Untersuchungsrat: MH17 in Ukraine mit BUK-Rakete abgeschossen
    Niederländischer Untersuchungsrat: Rakete traf MH17 links
    Niederländischer Untersuchungsrat: Rakete auf MH17 von Ost-Ukraine aus abgefeuert
    Niederländischer MH17-Bericht: Ukraine hätte Luftraum sperren müssen
    Tags:
    MH17, Sicherheit, Syrien, Kiew, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren