20:14 17 Dezember 2017
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    US-Serie „Homeland“

    Arabische Kulissen-Graffiti der Berliner Staffel: „Homeland“ ist Wassermelone!

    Showtime
    Panorama
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    In der in Berlin gedrehten neuesten Staffel der populären US-Serie „Homeland“ sind so manche Überraschungen versteckt, die vom Script gar nicht vorgesehen waren. Die arabischen Kulissen-Graffiti an den Wänden, die man in der Serie sieht, tragen nämlich eine Botschaft, die nicht gerade ins Konzept passt. Etwa: „Homeland“ ist rassistisch!

    Wie es zu diesem Streich kam, berichtet Don Karl Für von der Berliner Firma From Here To Fame, die für die Kulissenbemalung zuständig war.

    Die neueste „Homeland“-Staffel wurde in Berlin gedreht, und ihr habt den Auftrag bekommen, Graffiti für die Kulisse zu gestalten. Wie entstand die Idee, in der Serie drinnen die Serie zu kritisieren?

    Ja, ich wurde kontaktiert von „Homeland“ als Berater für arabisches Graffiti, weil ich zu dem Thema viel recherchiert habe und auch Bücher geschrieben habe und viele Ausstellungsprojekte gemacht habe mit arabischen Künstlern, und die haben mich wohl über Internetrecherche gefunden.

    Sie haben mich dann angerufen und gesagt: "Hallo here is ‚Homeland‘, we are looking for arabian Street Artists". Das ist an sich schon eine komische Bezeichnung, die es eigentlich nicht gibt. Und das zeigt, dass sie von der Kultur, über die sie ihre Sendung machen, nicht wissen. Da ich die Sendung schon lange kenne und weiß, unter welcher Kritik sie steht, und diese auch selber teile, habe ich erst einmal gedacht: Da will ich jetzt nicht weiter helfen. Aber ich habe erstmal nichts gesagt, weil ich dachte, vielleicht gibt es ja einen befreundeten Künstler, der das gerne machen möchte, weil er unbedingt einen Job braucht. Ich habe rumgefragt und habe viele arabische Künstler gefragt, die ich kenne. Alle haben abgesagt. Keiner wollte für „Homeland“ arbeiten. Ich hatte das eigentlich schon fast abgehakt, und dann saßen wir mit zwei Freunden in Berlin zusammen, und uns kam die Idee: Warum nutzen wir das nicht und drehen den Spieß um? So ist es dann auch gekommen.

    Hat sich denn wirklich niemand dafür interessiert, was da auf Arabisch geschrieben stand?

    Ja, das hat uns auch total überrascht. Wir haben gedacht, irgendwer muss doch dort Arabisch können, wenn die Serie in der arabischen Welt spielt. Aber keiner hat das beachtet und sich drum gekümmert. Das ist ja auch ein Beweis für die Kritik, die wir eigentlich an der Sendung haben, dass die Kultur, in der die Serie spielt, eben völlig irrelevant ist. Es geht nur um die subversive Darstellung von Terroristen: Araber oder Pakistanis sind halt meistens Terroristen — und was da an den Wänden steht, das ist einfach nur Dekoration.

    Und welche Slogans habt ihr dann da letztendlich hingeschrieben? Was davon konnte man dann auch in der Sendung sehen?

    Richtig gut lesen konnte man: „Homeland ist rassistisch“. Und auch „Homeland ist Wassermelone“ — das ist im Arabischen so ein Ausdruck für „doof“, nur etwas indirekter. Außerdem konnte man auch sehen: „Black Life matters!“ was dann eine Solidaritätsbekundung für eine Bewegung in den USA ist.

    Es ging euch also darum, die Stereotypisierung, die mit dieser Serie stattfindet, zu entlarven – nämlich, dass damit versucht wird, internationale Konflikte auf eine massentaugliche Ebene runter zu brechen?

    Unsere Kritik an „Homeland“ ist eigentlich zweiteilig — auf der einen Seite diese stereotypen Darstellungen, die wirklich in Rassismus übergehen. Wenn man mit irgendeinem Araber oder Pakistani redet, der diese Serie gesehen hat, sagen alle, dass es rassistisch ist. Sie sind auch sehr aufgebracht gewesen. Also auf der einen Seite diese typische Hollywood-Darstellung von Arabern als dunkle Typen mit Bärten, aber das gibt es ja in vielen Hollywood-Produktionen…

    Das andere sind die politischen Botschaften, die dort drin sind, die sehr rechtslastig und komplett falsch sind, in den USA aber zum Mainstreamwissen geworden sind. Wo Leute jetzt wirklich glauben, dass Al Kaida vom Iran finanziert und beauftragt wird. Das ist ein Thema von der zweiten Season gewesen und das ist völliger Quatsch, aber in den USA wird das jetzt als Tatsache angenommen und von den FOX News auch so übernommen.

    Das heißt, es hat auch ganz konkrete Auswirkungen, wenn solche Serien mit falschen Darstellungen laufen?

    Auf jeden Fall —  wenn eine ganze Region falsch dargestellt wird und die öffentliche Meinung davon geprägt wird, dann werden hinterher auch politische Entscheidungen so gefällt. Das ist natürlich eine große Gefahr, wenn solche Botschaften dann unters Volk gebracht werden…

    Etwas Ähnliches passiert gerade mit Russland, auch hier in Europa. In Norwegen gibt es eine Serie, die heißt „Occupied“ — da geht es darum, dass Russland und die EU die Kontrolle über das norwegische Öl und Gas  übernehmen. Dort werden die russischen Charaktere sehr aggressiv dargestellt. Siehst du da Parallelen?

    Also, ich kenne die Serie nicht — aber klar, dass ist halt Fernsehen… Vieles ist vielleicht einfach nur Ignoranz, weil es leichter ist, irgendwelche Stereotypen darzustellen. Manchmal ist es aber auch etwas mehr — also ohne dass man da irgendeine Verschwörungstheorie dahinter vermutet. Aber natürlich gibt es bei Fernsehsendungen, die von FOX produziert sind, eine Tendenz, dass sie Dinge aus den News aufgreifen — und so fließen dann Nachrichteninhalte in die Unterhaltung mit ein.

    Interview: Daniela Hannemann-Erdinc

    Tags:
    Rassismus, Graffiti, Muslime, TV-Serie, Homeland (US-Serie), USA
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