08:56 17 Dezember 2017
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    Fußball-WM 2006 in Deutschland

    SPIEGEL: Fußball-WM 2006 in Deutschland mutmaßlich gekauft

    Odd Andersen
    Panorama
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    Der deutsche Fußball stürzt in seine größte Krise seit dem Bundesliga-Bestechungsskandal der Siebzigerjahre: Die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland war nach SPIEGEL-Informationen mutmaßlich gekauft.

    „Das Bewerbungskomitee hatte eine schwarze Kasse eingerichtet, die der damalige Adidas-Chef Robert Louis Dreyfus heimlich mit 10,3 Millionen Schweizer Franken gefüllt hatte — damals 13 Millionen D-Mark“, schrieb das Magazin am Freitag.

    „Eingeweiht waren allem Anschein nach der Chef des Bewerbungskomitees, Franz Beckenbauer, spätestens seit 2005 der heutige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, und weitere hochrangige Fußballfunktionäre. Das Geld hatte Louis-Dreyfus, damals Vorstandschef von Adidas, dem deutschen Bewerbungsteam vor der WM-Entscheidung am 6. Juli 2000 als Privatmann heimlich geliehen; es tauchte weder im Haushalt des Bewerbungskomitees noch später, nach dem Zuschlag für Deutschland, im Haushalt des Organisationskomitees (OK) auf.

    Gut eineinhalb Jahre vor der WM forderte Louis-Dreyfus die Summe allerdings zurück, nunmehr 6,7 Millionen in Euro. Deshalb suchte das OK, dem Beckenbauer als Präsident und Niersbach als Vize angehörten, im Jahr 2005 einen Weg, das Schwarzgeld unauffällig zurückzuzahlen. Wie sich aus vertraulichen Unterlagen ergibt, wurde dabei mithilfe der Fifa eine Legende geschaffen. Demnach flossen 6,7 Millionen Euro als deutscher Beitrag für eine damals noch geplante, später abgesagte Fifa-Eröffnungsgala im Berliner Olympiastadion auf ein Fifa-Konto in Genf. Von dort sollte die Fifa das Geld umgehend auf ein Konto von Louis-Dreyfus in Zürich weiterleiten.“

    Dem Magazin zufolge ließen zwei von den drei noch lebenden Asiaten, die im Jahr 2000 im Exekutivkomitee für Deutschland gestimmt hatten, die Anfragen des SPIEGEL unbeantwortet. „Der dritte, der Südkoreaner Chung Song-Joon, ließ ausrichten, die Fragen seien es nicht wert, beantwortet zu werden“, hieß es in dem Beitrag.

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    Tags:
    Fußball, Adidas, Bundesliga, FIFA, Chung Song-Joon, Wolfgang Niersbach, Franz Beckenbauer, Robert Louis Dreyfus, Deutschland