19:13 19 Oktober 2018
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    Israelischer Premier Benjamin Netanjahu

    "Verbrennt sie alle!": Netanjahu gibt einem Palästinenser Schuld an Holocaust

    © REUTERS / Haim Horenstein/Pool
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    Seit Monatsbeginn spitzt sich der israelisch-palästinensische Konflikt zu. Der israelische Premier, Benjamin Netanjahu, hat nun mit der bizarren Behauptung, ein ehemaliger palästinensischer Führer habe Hitler zum Massenmord an Juden gedrängt, noch mehr Öl ins Feuer gegossen.

    Während einer Ansprache vor Delegierten des Internationalen Zionistenkongresses am Dienstag behauptete Israels Regierungschef Medienberichten zufolge, dass der NS-Diktator Adolf Hitler zunächst nur eine Vertreibung und keine Massenvernichtung der Juden vorgehabt habe.

    „Hitler wollte die Juden zu dem Zeitpunkt nicht vernichten, sondern ausweisen. Und Amin al-Husseini ging zu Hitler und sagte: ‚Wenn Sie sie vertreiben, kommen sie alle hierher (nach Palästina – d.Red.).‘“, erklärte Netanjahu laut einer Mitschrift seines Büros. Dann soll Hitler, laut Netanjahu, gefragt haben: „Also, was soll ich mit ihnen tun?“, worauf Al-Husseini gesagt haben soll: „Verbrennt sie.“

    Auch der Mufti habe den Juden damals fälschlich vorgeworfen, sie wollten die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg zerstören, sagte Netanjahu in Bezug auf den jüngsten Streit mit der Palästinenserführung.

    „Gefährliche Verzerrung der Geschichte“

    In der offiziellen Geschichtsschreibung war die Judenvernichtung eine Idee der Nazis. Somit verurteilten Historiker die Behauptungen als sachlich falsch und merkten an, dass der Mufti sich mit Hitler erst nach dem Beginn des Holocausts getroffen hatte.

    „Sie können nicht sagen, dass es der Mufti war, der Hitler auf die Idee brachte, Juden zu töten oder zu verbrennen. Das ist nicht wahr. Ihr Treffen fand erst nach einer Reihe von Ereignissen, die dazu führten, statt“, sagte die Professorin des Internationalen Instituts für Holocaustforschung in Yad Vashem, Dina Porat, gegenüber der israelischen Nachrichten-Seite „Ynet“.

    Israels Oppositionsführer Izchak Herzog verurteilte die Behauptungen von Netanjahu ebenfalls aufs schärfste und rief ihn dazu auf, seine Äußerungen zurückzuziehen. Herzog zufolge handele es sich um eine „gefährliche Verzerrung der Geschichte, die den Holocaust, den Nazismus (…) und die Beteiligung Hitlers an unserer schrecklichen Tragödie trivialisiert.“

    Laut Herzog würden die Aussagen von Netanjahu zudem weitere Menschen ermutigen, die Holocaust bestreiten.  „Der Sohn eines Historikers muss vorsichtiger mit der Geschichte umgehen“, schrieb Herzog auf seiner Facebook-Seite.

    גם בן של היסטוריון צריך לדייק בהיסטוריה.אתמול אמר נתניהו לפני הקונגרס הציוני שהנאצים לא רצו לחסל את היהודים אלא רק לגר…

    Posted by ‎יצחק (בוז'י) הרצוג — Isaac Herzog‎ on 20 октября 2015 г.

    „Netanjahu hat anscheinend vergessen, dass er nicht nur Premierminister von Israel, sondern auch der Chef der jüdischen Regierung ist“, so Herzog weiter.

    Ein berühmter Palästinenser und Ex-Chefunterhändler in den palästinensisch-israelischen Verhandlungen, Saeb Erekat, beschuldigte Netanjahu einer Rechtfertigung von Hitler.

    „Netanjahu hasst Palästinenser so sehr, dass er bereit ist, Hitler für den Massenmord von sechs Millionen Juden zu rechtfertigen“, wird Erekat von der Palästinensischen Befreiungsorganisation via Twitter zitiert.

    Es ist zu befürchten, dass die Aussagen von Netanjahu zu einer weiteren Zuspitzung der Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis führen könnten.

    Bei der aktuellen Gewaltserie kamen bereits acht Israelis und 51 Palästinenser ums Leben, darunter, so das Ministerium für Gesundheitspflege Palästinas, zehn Kinder. 201 Israelis wurden verletzt.

    1.900 Menschen wurden außerdem bei Verfolgungsjagden der israelischen Polizei verletzt, die Kampf- und Gummipatronen einsetzte.

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    Massenmord, Juden, Holocaust, Benjamin Netanjahu, Adolf Hitler, Israel, Palästina