01:22 17 Dezember 2017
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    Wrackteil des verunglückten Flugzeugs Airbus A321

    Streit um A321-Absturz: „Weder Notsignal noch Störmeldung“

    © Sputnik/ Maxim Grigoreev/TASS/POOL
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    A321-Absturz über Sinai (104)
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    Zwei Tage nach dem Absturz eines russischen A321 auf dem Sinai kommen aus Ermittlerkreisen neue Details. Die Katastrophe scheint sehr schnell geschehen zu sein – es gab nicht einmal ein Notsignal von der Crew. Experten streiten über mögliche Ursachen. Ihre Vermutungen reichen von einem technischen Defekt bis hin zu einem Raketentreffer.

    Der verunglückte Passagierjet soll auf den „Rücken“ gefallen sein, meldeten russische Medien am Montag unter Berufung auf eine Quelle in Kairo: „Nach präzisierten Angaben hat die Crew weder Notsignale geschickt noch Störungen gemeldet. Man hat auch um keine Notlandung gebeten.“

    © Ruptly.
    Unglücksort der russischen A321-Maschine auf Sinai

    Gleich mehrere Mitarbeiter der russischen Luftfahrt- und Verkehrsbranche sagten, die Maschine habe möglicherweise noch in der Luft Feuer gefangen. Dies bestätige der Charakter der Beschädigungen eines Tragflächenfragments, das von russischen Experten entdeckt wurde: „Es ist aber eindeutig nicht zu behaupten, dass ausgerechnet dieser Brand den Absturz verursacht hat.“ Die GUS-Luftfahrtbehörde MAK hatte zuvor mitgeteilt, der Jet sei offenbar noch in der Luft auseinandergebrochen.

    Die russische Tageszeitung „Kommensant“ zitierte am Montag einen „der Ermittlung nahestehenden“ Experten mit den Worten, die Katastrophe lasse sich in gewisser Hinsicht mit dem Boeing-Absturz über Lockerbie im Dezember 1988 vergleichen. Jenen Absturz hatte eine Bombe im Laderaum verursacht. Nun sagte der Experte, eine lokale Explosion im Laderaum habe den russischen Jet zwar nicht unmittelbar zerstören sollen – bei einem solchen Anschlag entstehe aber ein Druckgefälle, das die Maschine sofort undicht machen könne.

     

    Die zweite mögliche Ursache, so ein anderer Fachmann, könne ein Ritz im Rumpf gewesen sei. Im Jahr 2001 sei dieser Jet beispielsweise mit dem Heck an die Landebahn in Kairo leicht gestoßen. Damals wurde die Maschine zwar dem Fachmann zufolge kontrolliert worden, um die entstandenen kleineren Defekte zu beseitigen. Generell sagte er aber dem Blatt: „Wenn es doch zu einem Absturz kommt, bedeutet es, dass bei Reparatur und Wartung etwas übersehen wurde.“

    Als weitere mögliche Absturzursache sei theoretisch ein Triebwerk-Defekt nicht auszuschließen. Im Fall einer solchen Beschädigung seien die abgerissenen Turbinenblätter in der Lage, den Rumpf buchstäblich durchzuschneiden, hieß es.

    Der Luftfahrtexperte und Ex-Pilot Alexander Romanow sagte der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“: „Dass die Maschine so schnell an ihrer Geschwindigkeit verlor, wurde möglicherweise menschlich verursacht. Vielleicht wurden die Piloten dazu gezwungen, oder saß schon ein Terrorist an der Steuerung. Wie lässt es sich denn erklärten, dass alle Geräte plötzlich ausfielen?“

    Romanow hält aber eine „äußere Einwirkung“ für wahrscheinlicher: „Beispielsweise wurde das Heck von einer Rakete getroffen … In jener Gegend hat es ein zuvor nicht entdecktes Flugabwehrsystem geben können.“ Kampfer eines Ablegers des „Islamischen Staates“ hatten bereits behauptet, die Maschine sei von ihnen mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden. Der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow sagte jedoch kurz nach der Katastrophe, es liege vorerst keine Bestätigung für einen Abschuss vor.

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    Ein A321 der russischen Fluggesellschaft Kogalymavia war am Samstag auf der Sinai-Halbinsel abgestützt. Die Maschine war aus Scharm el Scheich nach St. Petersburg unterwegs. An Bord waren 217 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder. Alle von ihnen kamen ums Leben.

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    A321-Absturz über Sinai (104)

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    Tags:
    A-321, Terrormiliz Daesh, Das Zwischenstaatliche Luftfahrtkomitee (MAK), Alexander Romanow, Sinai-Halbinsel