15:05 04 April 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Migrationsproblem in Europa (1282)
    23814
    Abonnieren

    Angesichts des steigenden Flüchtlingszustroms warnt Jüterbogs Bürgermeister vor Kontakt zu Neuankömmlingen, weil diese angeblich Infektionskrankheiten übertragen. Ärzte geben jedoch Entwarnung.

    Arne Raue macht mit der Warnung vor ansteckenden Krankheiten Stimmung gegen Flüchtlinge, berichtet „Der Tagesspiegel“. In einer Mitteilung warnte der parteilose Bürgermeister von Jüterbog (Teltow-Fläming, Brandenburg) die Bürger seiner Stadt „ausdrücklich“ vor dem Kontakt mit Asylbewerbern. Er sei von einer Ärztin darauf hingewiesen worden, „dass schon bei geringfügigem Kontakt mit Neuankömmlingen Gefahr von Infektionskrankheiten besteht“, auch solche, gegen „die es leider keine wirksame Impfung gibt und die in vielen Entwicklungsländern noch weit verbreitet sind“, etwa Tuberkulose.

    An seiner Warnung sieht der als Asylkritiker geltende Bürgermeister nichts Problematisches. „Ich kann inzwischen gut damit leben, als Rassist beschimpft zu werden, da bin ich stressfrei“, sagte er. Nur weil er nicht „ausschließlich eine Willkommensmelodie anstoße“, werde er „schon in die rechte Ecke“ gestellt.

    Kritik aus Sozialministerium und von Grünen

    Das Brandenburger Gesundheitsministerium hat Raues Warnung vor Krankheiten als „äußerst bedenklich“ kritisiert. „Das ist eine ganz gefährliche Stimmungsmache, die wir aufs schärfste kritisieren und zurückweisen“, sagte ein Ministeriumssprecher.

    Laut Landrätin Kornelia Wehlan hat der Amtsarzt „klipp und klar erklärt, dass die Gefahr, sich bei einem Flüchtling oder Asylbewerber mit einer ansteckenden Krankheit zu infizieren, nicht höher ist als bei einem Einwohner des Landes Brandenburg“. Sie wies darauf hin, dass alle neuankommenden Flüchtlinge grundsätzlich in den Erstaufnahmeeinrichtungen untersucht und dort ihr Impfstatus geprüft und bei Bedarf vervollständigt werde. Menschen mit ansteckenden Krankheiten würden sofort medizinisch behandelt und nicht in die Landkreise verteilt.

    Clemens Rostock, Landesvorsitzender der Brandenburger Bündnisgrünen, warf dem Bürgermeister vor, gezielt Hetze zu betreiben. All diese Vorwürfe würden sich stets als an den Haaren herbeigezogen erweisen, sagte Rostock. „Schlimm genug, dass rechte Kräfte vermehrt Gerüchte in die Welt setzen, wonach Flüchtlinge entweder kriminell seien, zu viel Geld vom Staat erhielten oder die Gesundheit anderen gefährdeten."

    Laut Gesundheitsministerium sieht das Robert Koch-Institut (RKI) derzeit keine erhöhte Infektionsgefährdung durch die Asylsuchenden. Nach Angaben der Behörde ist trotz steigender Flüchtlingszahlen kein dramatischer Anstieg von Tuberkulose-Fällen zu verzeichnen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Migrationsproblem in Europa (1282)

    Zum Thema:

    Rekordzahl: 220.000 Flüchtlinge alleine im Oktober in Europa eingetroffen
    Fremdenhass in Deutschland: Immer mehr Schlägerangriffe auf Flüchtlinge - Medien
    Deutschland: Über eine halbe Million Flüchtlinge bereits da - Zeitung
    Polizisten in Hamburger Unterkünften angegriffen: Migranten immer aggressiver
    Tags:
    Migranten, Brandenburg, Deutschland