02:30 24 Oktober 2017
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    Der Führer des „Islamischen Staates“ Abu Bakr al-Baghdadi

    Exklusiv: US-Gefangenenlager im Irak war Nährboden für IS - ehemaliger Wächter

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    Kurz nach der US-Invasion im Irak haben hohe amerikanische Militärs ein Gefangenenlager für tausende von Männern errichtet, die angeblich eine militante Bedrohung darstellen. Laut einem ehemaligen Wächter des Camps wurde der Ort zum Nährboden für den IS.

    Ein junger Mann, der unter dem Verdacht steht, dass er ein Kämpfer ist, wird in den ersten Tagen des Irak-Krieges in einen Verhörraum gebracht. Mit einer Ausgabe der Zeitschrift Maxim wird er dort allein gelassen. Mitarbeiter des Gefängnisses beobachten ihn. Wenn er das Magazin in seine Hände nimmt und die Seiten durchblättert, wird er als "moderat" bezeichnet und in ein Lager gebracht. Wenn er sich weigert, wird er als "radikal" betrachtet und zusammen mit gleichgesinnten Dschihadisten eingeschlossen.

    Auf diese Weise hätten, laut der New York Post, Beamte vom Camp Bucca den Frieden während des Irak-Krieges aufrechterhalten. Unter den Tausenden von Gefangenen musste das Gefängnispersonal die Sunniten von den Schiiten trennen sowie die Moderaten von den Extremisten.

    "Die Task Force 134 hat gelernt, dass man Probleme bekommt, wenn man nicht damit anfängt, die Gefangenen zu segregieren, sonst radikalisieren die wirklich Radikalen die weniger radikalen Gefangenen", sagte ehemaliger Wächter am Camp Bucca Mitchell Gray gegenüber Radio Sputnik.

    Diese Politik schuf eine Situation, in der die radikalen Dschihadisten allein in einem Gefängnishof blieben, wo sie die Freiheit genossen, um radikale Ideen zu entwickeln.

    "Es gab Gewalt unter den Gefangenen im Camp Bucca. Sie haben eigene Scharia-Gerichte gebildet und sogar andere Menschen exekutiert oder gefoltert und Menschen eingeschüchtert, damit sie radikaler werden", so Gray.

    Aber das Problem begann viel früher, denn das Camp war nicht bereit, die politische Situation in der Region vernünftig anzugehen.

    "Als der Irak-Krieg begann, wurden Saddam Hussein und die sunnitische Mehrheit gestürzt, und der Irak  war ein Land mit einer schiitischen Mehrheit, und das hat viele geopolitische Probleme verursacht. Bucca war nicht wirklich darauf vorbereitet, diese komplizierten politischen Probleme anzugehen", erklärte der Ex-Wächter.

    Mitchell Gray hatte von 2007 bis 2008 gedient. Ihm zufolge gab es ungefähr 30.000 Gefangene im Camp Bucca.

    "Es war eine Mischung. Es gab alles — von Al-Kaida bis hin zu lokalen Milizanhängern und offensichtlichen Verbrechern", sagte er.

    Schlimm genug, dass im Camp Bucca eine ganze Reihe von ranghohen Leutnants der selbsternannten Terrorgruppe des Islamischen Staats gefangen gehalten wurden. Einer von diesen Gefangenen, und zwar Abu Bakr al-Baghdadi, ging noch weiter und gründete seine eigene militante Organisation, nachdem sich herausstellte, dass er angeblich keine Bedrohung darstellt.

    "Genau das ist mit Abu Bakr al-Baghdadi passiert. Er soll keine Bedrohung dargestellt haben und wurde zurück in die Gesellschaft freigelassen", so Gray. "Aber in der Tat hat man ihn wirklich als jemanden eingeschätzt, der ein Vermittler war und moderaten Einfluss hatte."

    "Als ich zum ersten Mal in Bucca eintraf, hielten sie eine große aufmunternde Rede vor uns und sagten 'Behandelt diese Männer gut, denn es könnte der nächste Nelson Mandela im Gefängnis sein'. Und später dachte ich… nicht nur, dass der nächste Nelson Mandela nicht im Lager war, es gab den ersten  Abu Bakr al-Baghdadi, und sie haben ihn einfach nicht aufgegriffen."

     

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