03:09 05 Juni 2020
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    UN-Klimagipfel in Paris (19)
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    Bei der UN-Klimakonferenz, die am Montag in Paris beginnt, werden Regierungschefs aus 140 Staaten darüber diskutieren, wie die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung begrenzt werden kann. Klimaexperte Wolfgang Lucht hält eine Einigung auf zwei Grad beim jetzigen Gipfel jedoch für unwahrscheinlich.

    Sputniknews: Das erklärte Ziel der internationalen Klimapolitik ist, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Wie zuversichtlich sind Sie, dass dies auf der jetzigen UN-Klimakonferenz gelingen wird?

    „Die Staaten wurden gebeten, im Vorfeld der UN-Klimakonferenz zu erklären, zu welchen Reduktionen sie bereit wären. Wenn man die alle aufaddiert, dann kommt man je nach Analyse zu verschiedenen Ergebnissen, aber die deuten darauf hin, dass die jetzigen Zugeständnisse der Staaten auf etwa eine Erwärmung in der Gegend von drei Grad hinauslaufen. Das ist schon sehr viel besser als die vier bis fünf Grad, die ohne jegliche Maßnahme entstehen würden, aber natürlich noch mehr ist als die zwei Grad. Insofern ist auf dieser Basis nicht zu erwarten, dass in Paris die zwei Grad selbst schon erreicht werden, aber nach Paris gibt es ja auch noch weitere Konferenzen, so dass die entscheidende Frage für Paris sein wird, ob nach Paris noch die Chance zwei Grad zu erreichen bewahrt geblieben ist."

    Sputniknews: Was würde passieren, wenn wir bei den jetzigen drei Grad bleiben würden?

    „Drei Grad Erwärmung ist ein sehr erheblicher Klimawandel. Schon bei zwei Grad würde man doch die Veränderungen in der Welt deutlich sehen, sie wären wahrscheinlich gerade noch so, dass wir damit halbwegs klarkommen, aber ohne Folgen bleibt das nicht. Bei drei Grad sind die Auswirkungen schon sehr viel drastischer. Da würde ich vor allem erstmal die Veränderungen in den Ökosystemen ins Auge fassen. Die Landschaften verändern sich. Die Vegetation der Erde ist abhängig vom Klima und verändert sich natürlich wenn sich das Klima verändert.

    Drei Grad klingt erstmal sehr wenig, weil drei Grad wärmer oder kälter, das kommt einem nicht sehr viel vor, aber es ist ja eine Durchschnittstemperatur für die gesamte Erde und über alle Jahreszeiten. Das verteilt sich sehr ungleichmäßig. Die Ozeane erwärmen sich weniger, da sie die Hitze gut speichern können, das heißt das Land erwärmt sich deutlich mehr, als auf drei Grad. Dann gibt es bestimmte Regionen, wo es noch einmal überproportional viel ist, so dass man in den nördlichen Zonen — zum Beispiel in Sibirien und Kanada — durchaus bei einer drei Grad Erwärmung nachher sechs oder sieben Grad Erwärmung bekäme.

    Wenn man dann an seinen eigenen menschlichen Körper denkt, wenn man ein Fieber von 39 Grad hat, dann ist das unangenehm, aber wenn das Fieber dann auf 41 Grad steigt, dann ist es schon lebensbedrohlich — das sind auch nur zwei Grad Unterschied (…) Drei Grad ist eine sehr erhebliche Veränderung der Welt. Sie wird dann nachher nicht mehr so aussehen wie wir sie heute kennen.“

    Sputniknews: Was müsste in Deutschland besser gemacht werden? Die deutsche Energiepolitik verlässt sich noch in großer Masse auf Braunkohle.

    „Die Klimapolitik in Deutschland muss darauf zielen, dass wir 2050 in Deutschland auf CO2 Emissionen im Wesentlichen verzichten werden (…) Dass das in Deutschland gelingt ist extrem wichtig, weil Deutschland das große Industrieland ist, das da am weitesten voran geprescht ist und nachzuweisen, dass ein großes, ökonomisch starkes Land wie Deutschland das schafft, hätte eine riesige Signalwirkung für die Welt."

    Professor Wolfgang Lucht ist Ko-Leiter des Forschungsbereichs „Erdsystemanalyse“  am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und forscht dort zu Klimawandel und Nachhaltigkeitswissenschaften. Das Gespräch führte Bolle Selke.

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