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18:23 17 Oktober 2019
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    Al-Qaida-Kämpfer in Syrien

    Nicht nur Öl: „IS nutzt alle Ressourcen“

    © AFP 2019 / Rami Al-Sayed
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    Um seine weitere Existenz finanziell zu sichern, greift der „Islamische Staat“ nicht nur zu Ölgeschäften, sondern auch zu weiteren Quellen, wie eine russische Orientalistin erläutert. Sie erklärt, wie die Terrorgruppe einen richtigen Staat nachahmt und was unterdessen Syrien braucht, um vor einem Zerfall gerettet zu werden.

    Nadeschda Glebowa, Expertin der in Moskau ansässigen International Independent University of Environmental and Political Sciences, sagte im Radiosender Kommersant FM: „Da der IS glücklicherweise keinen Zugang zum Meer hat, macht er Handelsgeschäfte offenbar mit Küstenstaaten oder mit jenen Ländern, die ihre eigenen Interessen in Sachen Ölverbrauch haben … Alle sprechen von Öl, das Thema macht Schlagzeilen, doch ich möchte darauf aufmerksam machen, dass der IS wohl die erste Organisation solcher Art im Nahen Osten ist, die alle Ressourcen nutzt. Nicht zu vergessen sind etwa Gas, Phosphate, Säuren. Der IS vernachlässigt keinen Bereich, um Existenzmittel zu finden.“ 

    Die Expertin wies darauf hin, dass die Menschen im Konfliktgebiet einen Kontakt mit dem IS kaum vermeiden können: „Selbst wenn man nicht bereit ist, am Krieg teilzunehmen, und sich über diesen Krieg empört, muss man irgendwie überleben.“

    „Wenn es darum geht, wie sich der IS finanziert, muss man begreifen: Sie haben zahlreiche Steuern eingeführt und versuchen, Staatsfunktionen im vollen Umfang dadurch nachzuahmen. Diese Steuern sind unterschiedlich und diversifiziert. Sie betreffen die verkauften Waren sowie die Sicherheit verschiedener Einrichtungen (darunter auch von Banken), die dort bisher funktionieren. Es geht also um Schutzgeld“, so Glebowa.

    Weiter sagte sie: „Darüber hinaus gibt es noch die vom IS eingeführten Zollgebühren für Gütertransporte im irakischen Grenzgebiet zu Syrien und Jordanien. Es gibt auch eine Art Steuer für die Ausplünderung historischer Denkmäler und archäologischer Ausgrabungen. Verschiedene nichtmuslimische Gemeinden müssen außerdem zahlen, um geschützt zu werden. Mit einem Wort sind die Steuern vielfältig und werden akribisch eingetrieben. Dies wird laut verschiedenen Informationen nicht einmal durch die Luftangriffe gestört.“

    © Sputnik .
    Das jesidische Mädchen mit dem Namen Lamia

    Der IS führe auch eine Art „Sozialarbeit“, um die Menschen für sich zu gewinnen: „Es gibt ja Berichte, dass manche IS-Ableger die Bevölkerung unterstützen, indem sie Nahrungsmittel und Bedarfsartikel kostenlos verteilen.“

    Mittlerweile gebe es aber Löcher in IS-Stellungen. Zwar sei der „Islamische Staat“ fähig, seine Kräfte effizient mobil zu machen, doch diese Fähigkeit habe durch die Militäreinsätze Russlands und weiterer Länder bereits einen Rückschlag erlitten, hieß es. 

    „Ich denke, es geht nicht nur darum, dass Syrien durch den IS unmittelbar gefährdet ist, sondern auch um die weitere Entwicklung der Situation. Das extreme Elend, die Vielzahl ungelöster Probleme, das halbruinierte Land – all dies wird die Lage verkomplizieren. Syrien wird einen sehr aktionsfähigen Menschen brauchen, um vor einem Zerfall gerettet zu werden“, so Glebowa.

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