18:17 21 Oktober 2018
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    Michail Chodorkowski

    Neue Anklage? – Chodorkowski wird wegen Bürgermeister-Mord zu Verhör einbestellt

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    Rund zwei Jahre nach der Haftentlassung von Michail Chodorkowski bestellt Russlands Ermittlungsbehörde den Ex-Yukos-Chef wieder zu einem Verhör ein. Dies schreibt Chodorkowski in seinem Twitter-Account, wo auch das Foto der Vorladung veröffentlicht ist.

    Chodorskowski steht nun unter Verdacht, den Mord an dem Bürgermeister der sibirischen Erdölstadt Neftejugansk im Jahr 1998 persönlich in Auftrag gegeben zu haben. 

    Da der Ex-Oligarch in London lebt, sei die Gerichtsvorladung seinem Vater ausgehändigt worden. Chodorkowski soll am 11. Dezember bei der Ermittlungsbehörde erscheinen.

    Laut seiner Sprecherin Olga Pispanen hat Chodorkowski aber nicht vor, sich mit der russischen Justiz in Verbindung zu setzen oder etwa in Abwesenheit an irgendwelchen Ermittlungshandlungen teilzunehmen.

    Mittlerweile sind in russischen Medien Informationen aufgetaucht, dass Chodorkowski zur landesweiten Fahndung ausgeschrieben wurde. „Dies ist aber keine offizielle Erklärung, deshalb kann ich keine Kommentare dazu abgeben“, so Pispanen.

    „Zweitens ist es, soviel ich weiß, eine landesweite Fahndung, d. h. eine Fahndung auf russischem Territorium. In der Vorladung heißt es außerdem, dass Chodorkowski nicht zum Verhör kommen kann, weil er sich außerhalb Russland aufhält“, fügte sie hinzu.

    Der Mord an Bürgermeister Wladimir Petuchow hatte vor 17 Jahren für großes Aufsehen in Russland gesorgt. Medien verbanden das Verbrechen mit dem Kampf um lukrative Erdölaktiva. Im Sommer 2015 hatte die Ermittlungsbehörde in Moskau die eingestellten Untersuchungen wieder aufgenommen. 

    Michail Chodorkowski, einst Chef des Ölkonzerns Yukos und reichster Mann Russlands, hat wegen Diebstahl und Steuerhinterziehung zehn Jahre und zehn Monate im Gefängnis verbracht und wurde im Dezember 2013 – rund acht Monate vor dem regulären Ablauf seiner Haftstrafe – vom russischen Präsidenten Wladimir Putin begnadigt. Noch am selben Tag wurde Chodorkowski aus dem Straflager entlassen und flog mit einem vom deutschen Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher organisierten Privatjet nach Berlin. Deutschland stellte dem Ex-Öl-Milliardär ein Jahresvisum aus. Kurz danach erhielt er zudem eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz.

    Im Yukos-Verfahren verurteilte das Gericht Chodorkowski zudem zur Nachzahlung von 17 Milliarden Rubel (aktuell ca. 275 Millionen Euro) Steuern. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg bewertete den Yukos-Prozess zwar als nicht politisch motiviert, bezeichnete jedoch die Steuernachforderungen gegen Chodorkowksi und dessen Geschäftspartner Platon Lebedew als unbegründet.

     

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    Tags:
    Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), Yukos, Platon Lebedew, Hans-Dietrich Genscher, Wladimir Petuchow, Wladimir Putin, Michail Chodorkowski, Schweiz, Deutschland, Großbritannien, Russland