14:23 24 Juni 2019
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    Römische Amphitheater in der antiken Oasenstadt Palmyra

    Türkei eignet sich IS-Raubkunst an - Syriens Antiquitätenminister

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    Syriens oberster Archäologe, Mamun Abdulkarim, hat die Behörden in Ankara beschuldigt, die aus syrischen historischen Stätten geraubten Kunst- und Kulturobjekte nicht zurückerstatten zu wollen, meldet Reuters.

    Laut Abdulkarim sind bislang etwa 2.000 Kunstobjekte aus Kulturstätten wie Palmyra, das nun in ein IS-Gefängnis verwandelt worden sei, und der mesopotamischen Stadt Mari nahe der irakischen Grenze geraubt und in die Türkei geschmuggelt worden. Ankara wolle jedoch mit den syrischen Behörden nicht kooperieren und ignoriere die Ansprüche aus Damaskus.

    “Die türkische Regierung weigert sich, die beschlagnahmten Objekte zu registrieren. Es gibt keine Daten, keine Bilder. Das ist nicht transparent. Sie sollten ihre Vorgehensweise ändern. Doch sie sagten uns, dass sie das nicht machen könnten, da ihr Gesetz ihnen das verbieten würde", sagte er in einem Interview für die Nachrichtenagentur.

    Zudem hätten einige IS-Terrormilizgruppen spezielle Erlaubnisse für die Plünderung der syrischen Kulturstätten erhalten – im Austausch für die Kürzung ihres Gewinns.
    Mit diesen Dokumenten ausgestattet, hätten die Terroristen Stätten wie Mira mit Bulldozern attackiert, um die gefundenen Objekte später in die Türkei zu schmuggeln.

    „Im vergangenen Monat haben wir solche Dokumente gefunden. Dort steht geschrieben, dass das „Archäologie-Ministerium von Daesh“ diese Person berechtigt, beliebige Ausgrabungen an dieser Stätte durchzuführen“, so Abdulkarim.

    „Es ist notwendig, dass europäische Länder, die Vereinigten Staaten, Japan und andere Länder die Menschen davon überzeugen, sich des Kaufes unserer Artefakte zu enthalten“, betonte er.

    Es gäbe Käufer solcher Objekte in Großbritannien, den Vereinigten Staaten, den arabischen Golfstaaten, China, Frankreich, Deutschland und der Schweiz. „Wenn Sie unsere Artefakte kaufen, unterstützen Sie den Daesh“, betonte er.

    Neben den von der Türkei beschlagnahmten 2.000 Kulturobjekten seien 300 aus Jordanien und 90 aus dem Libanon zurückerstattet worden. 6.500 seien unmittelbar in Syrien von den Behörden beschlagnahmt worden.

    Ein Sprecher des türkischen Kulturministeriums habe seinerseits jedoch erwidert, dass Abdulkarims Vorwürfe aus der Luft gegriffen seien. „Einige syrische Antiquitäten konnten womöglich in die Türkei geschmuggelt werden. Wir tun aber unser Bestes, um diesen Schmuggel zu verhindern“, betonte er.

    Die IS-Extremisten hatten bereits im Jahr 2013 mit aktiven Plünderungen von Museen und archäologischen Stätten begonnen. Laut dem US-Informationsdienstleister IHS ist Schmuggel von historischen Artefakten eine der Haupteinnahmequellen der Terrororganisation. Vor diesem Hintergrund ist die Eroberung der reichsten Stadt der Spätantike, Palmyra, ein sehr wichtiger Erfolg für den Islamischen Staat.

    Die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Stadt war im Mai dieses Jahres unter die Kontrolle des sogenannten „Islamischen Staates“ geraten. Anfang Oktober hatten die Terroristen den Triumphbogen zerstört, der Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. von den Römern errichtet worden war.

    Am 4. September hatte die IS-Miliz drei Grabtürme aus der Zeit zwischen 44 und 103 n. Chr. gesprengt. Am 1. September hatte die Uno Informationen über die Zerstörung des Baal- und des Baalschamin-Tempels aus der Antike bestätigt. Am 19. September hatten die IS-Terroristen den Chef-Archäologen der Oasenstadt auf deren Hauptplatz hingerichtet und später drei Zivilisten an Säulen festgebunden und mit einem Sprengsatz umgebracht.

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    Tags:
    Schmuggel, Kultur, Kunst, Islamischer Staat, Terrormiliz Daesh, Mamun Abdulkarim, Mira, Palmyra, Schweiz, Türkei, Großbritannien, Syrien, Deutschland, USA, Frankreich, China