Widgets Magazine
11:05 14 Oktober 2019
SNA Radio
    DHKP-C nahm den Oberstaatsanwalt Mehmet Selim Kiraz als Geisel

    Gefährliche Tendenzen: Jährlich mehr als 15.000 Entführungen weltweit

    © AFP 2019 / IHLAS NEWS AGENCY
    Panorama
    Zum Kurzlink
    3521
    Abonnieren

    Entführungen, Geiselnahmen, Erpressungen - die neu entdeckten Mittel der Terroristen, um Medienaufmerksamkeit und illegale Einnahmequellen zu bekommen. IS-Anhänger nutzen Entführungen längst zur Finanzierung ihrer Organisation. Doch wie neu sind eigentlich die Methoden, die die Übeltäter nutzen, um ihre rechtswidrigen Ziele zu erreichen?

    Laut einer Statistik der Result Group GmbH, einem Beratungsunternehmen für Risiko- und Krisenmanagement, werden jedes Jahr offiziell mehr als 15.000 Entführungen gemeldet. Die „Dunkelziffer" sei aber wesentlich höher, denn nur rund jede zehnte Entführung wird überhaupt bekannt.

    Solche Taten können politische oder auch finanzielle Motive haben, manchmal spielt  beides eine Rolle. Der Result Group zufolge haben Entführungen im europäischen Raum meist nur finanziellen Hintergrund. Im Gegensatz zum arabischen Raum, Asien und Lateinamerika, wo die Mehrheit der Entführungen auch politisch motiviert ist.

    „Wenn ich so eine geographische Richtung anstoßen darf: In Südamerika sehen die Entführungen anders aus. Wie gesagt, jede Entführung ist anders, jeder Entführer ist anders. Die Motive für eine Entführung können unterschiedlicher Art sein. Ist es eine kriminelle Motivation im Sinne von Gelderpressung oder eine politische Motivation, wenn wir hier die Videos des IS auf YouTube sehen?", erläutert Nils Retkowski, Rechtsexperte bei der Result Group GmbH.

    Fotos: Die spektakulärsten Geiselnahmen weltweit

    Auf dieser speziellen Weltkarte ist das Sicherheitsrisiko der jeweiligen Regionen der Welt bezeichnet. Ein Blick darauf zeigt uns Folgendes: In den meisten europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, ist das Sicherheitsrisiko sehr niedrig. Den gleichen Wert sieht man zum Beispiel in den USA, Australien, Neuseeland, Japan und Chile.

    Ein moderates Sicherheitsrisiko findet man in Russland, China, Argentinien und einigen EU-Staaten, darunter Frankreich, Großbritannien, Portugal, Griechenland und anderen. Mittlere, hohe und extreme Sicherheitsrisiken kann man in den meisten nahöstlichen, afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern beobachten, aber auch in der Ukraine und in Indien zum Beispiel.

    Die Terrormiliz Daesh (auch „Islamischer Staat“, IS) hat Entführungen und Erpressungen schon längst zu einer Einnahmequelle für ihre Organisation gemacht. Als der Japaner Haruna Yukawa 2014 von den IS-Terroristen entführt wurde, verlangten die Kämpfer 200 Millionen US-Dollar Lösegeld.

    Solche Methoden sind aber nicht wirklich neu. Im letzten Jahrhundert gab es genug spektakuläre Entführungsfälle. 1960 wurde der Sohn des französischen Auto-Milliardärs Raymond Peugeot, Eric Peugeot, entführt, 1971 der "Aldi"-Millionär Theo Albrecht. Die Liste ist lang. Fast immer geht es dabei um finanzielle Motive wie zum Beispiel auch im Fall der Piraterie vor der Küste Somalias.

    Roland Peugeot, Vorsitzender des Automobilunternehmens Peugeot, spricht vor Journalisten über die Entführung seines Sohnes Eric vor seinem Haus in Paris. 15. April 1960.
    © AFP 2019 /
    Roland Peugeot, Vorsitzender des Automobilunternehmens Peugeot, spricht vor Journalisten über die Entführung seines Sohnes Eric vor seinem Haus in Paris. 15. April 1960.

    1972 in München spielten aber politische Motive eine Rolle, als die israelische Sportmannschaft während der Olympischen Spiele von der palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September gefangengenommen wurde.

    Ein Polizeiauto mit verhafteten Terroristen verlässt den Luftwaffenstützpunkt in Fürstenfeldbruck bei München am 26. September, 1972 nach einer fehlgeschlagenen Aktion der deutschen Polizei, bei der Geiseln von der palästinensischen Terroristengruppe Schwarzer September befreit werden sollten. Die Gruppe stürmte das Wohnquartier der israelischen Athleten während der Olympischen Spiele 1972 in München. Zwei Menschen wurden getötet, neun andere Mitglieder der israelischen olympischen Mannschaft wurden als Geiseln genommen. Während der polizeilichen Aktion starben alle Geiseln, fünf palästinensische Entführer und ein deutscher Polizist.
    © AFP 2019 / EPU
    Ein Polizeiauto mit verhafteten Terroristen verlässt den Luftwaffenstützpunkt in Fürstenfeldbruck bei München am 26. September, 1972 nach einer fehlgeschlagenen Aktion der deutschen Polizei, bei der Geiseln von der palästinensischen Terroristengruppe "Schwarzer September" befreit werden sollten. Die Gruppe stürmte das Wohnquartier der israelischen Athleten während der Olympischen Spiele 1972 in München. Zwei Menschen wurden getötet, neun andere Mitglieder der israelischen olympischen Mannschaft wurden als Geiseln genommen. Während der polizeilichen Aktion starben alle Geiseln, fünf palästinensische Entführer und ein deutscher Polizist.

    Nach Angaben der Result Group enden die meisten Entführungen mit der Befreiung der Geisel. Dennoch liegt der Anteil der Todesfälle bei sieben Prozent.

    „Die kriminell geprägten Entführungen gehen meist mit einer Lösegeldzahlung gut zu Ende. Das heißt die Personen werden dementsprechend freigelassen. Bei politisch, religiös oder anders motivierten Entführungen kann man das so pauschal leider nicht sagen. Da ist die Dunkelziffer auch sehr hoch", sagte Nils Retkowski.

    Laut einer Statistik des Unternehmens wird in 68 Prozent der Fälle ein Lösegeld bezahlt und somit die Geisel befreit. In 13 Prozent der Fälle gelinge es, ohne Zahlung die Befreiung der Geisel zu erwirken.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Geisel von Mali: Terroristen haben Englisch gesprochen
    China droht IS mit „Bestrafung“ nach Hinrichtung der Geisel
    Istanbul: Bewaffnete nehmen Staatsanwalt als Geisel
    Terror-Brüder Kouachi bei Polizeioperation getötet, Geisel gerettet
    Tags:
    Enthauptung, Geiselnahme, Piraten, Terrorismus, Terrormiliz Daesh