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06:30 15 Oktober 2019
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    Flüchtlinge verteilen Blumen an Passantinnen vor dem Kölner Hauptbahnhof

    Rosen zur Entschuldigung: Junge Tunesier wollen Übergriffe in Köln gutmachen

    © AFP 2019 / Patrik Stollarz
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    Silvester-Übergriffe gegen Frauen in Köln (56)
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    Tausende Menschen haben in Stuttgart gegen Rassismus und Gewalt protestiert. Im Vorhinein initiierten die zwei Gruppen Tunisian Youth und der Deutsch-türkische Verein Köln eine Aktion, um sich für die massenhaften sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln zu entschuldigen.

    Ein breites Bündnis aus Kirchen, Parteien und Vereinen rief zu der Kundgebung am Samstag auf, um gegen Angriffe auf Ausländer zu protestieren. Die Polizei zählte rund 7000 Teilnehmer auf dem Schlossplatz.

    Menschen demonstrieren auf dem Stuttgarter Schlossplatz gegen Gewalt und Rassismus.
    © AP Photo / Christoph Schmidt
    Menschen demonstrieren auf dem Stuttgarter Schlossplatz gegen Gewalt und Rassismus.

    Die Kundgebung erfolgte im Anschluss an eine rührende Initiative der zwei Kölner Gruppen Tunisian Youth und Deutsch-türkischer Verein, die eine schriftliche Entschuldigung für die sexuellen Übergriffe durch Migranten auf junge deutsche Frauen in der Silvesternacht zusammengestellt und dann zusammen mit Rosen an Passantinnen verteilt hatten.

    Junge tunesische Flüchtlinge übergaben Duzende von einzelnen weißen Rosen zusammen mit kleinen Grußkarten an Passantinnen vor dem Hauptbahnhof in Köln. Auf dem Kärtchen hieß es: „Die Übergriffe in der Silvesternacht geschahen nicht in unserem Namen“.

    Flüchtlinge verteilen Blumen an Passantinnen vor dem Kölner Hauptbahnhof. Damit demonstrieren sie gegen die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln
    © AFP 2019 / Patrik Stollarz
    Flüchtlinge verteilen Blumen an Passantinnen vor dem Kölner Hauptbahnhof. Damit demonstrieren sie gegen die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln

    „Die Reaktion von Menschen auf der Straße war sehr unterschiedlich“, sagte einer der Teilnehmer der Aktion, der junge Tunesier Abdessabour Ben Hamed, gegenüber Sputnik.

    „Die meisten haben sich sehr gefreut, dass junge Tunesier oder junge Menschen mit Migrationshintergrund eine derartige Aktion gestalten. Andere sagten dagegen ‘Sie haben doch nichts damit zu tun’”, erzählte Hamed.

    Einer von Passanten kam laut Hamed zu ihm und sagte: „Was haben sie damit zu tun? Ich höre, dass sie sehr gut Deutsch sprechen, sie hatten doch nichts damit zu tun“.

    Flüchtlinge verteilen Blumen an Passantinnen vor dem Kölner Hauptbahnhof. Damit demonstrieren sie gegen die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln
    © AFP 2019 / Patrik Stollarz
    Flüchtlinge verteilen Blumen an Passantinnen vor dem Kölner Hauptbahnhof. Damit demonstrieren sie gegen die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln

    Daraufhin sagte der junge Mann, dass viele von seinen Kommilitonen Scherze über die Angriffe machten und ihn aus Spaß fragen würden, ob er nicht unter den Angreifern in der Silvesternacht in Köln gewesen wäre. Das seien zwar nur Scherze, aber die meisten Tunesier würden das als nicht witzig wahrnehmen, betonte Hamed.

    Der junge Mann zeigte sich zudem mit den Medienberichten äußerst unzufrieden, die die Angreifer schnell als Migranten, größtenteils aus Nordafrika, identifizierten, ohne die Ergebnisse der Ermittlungen abzuwarten.

    Bei einer ähnlichen Aktion entschuldigten sich auch junge Syrer für die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht. Die Männer aus einer Flüchtlingsunterkunft in Holweide verteilten am Montagvormittag Flugblätter in der Uni Köln. Darauf bekundet die Gruppe „Syrische Männer für Fairness“ ihre Bestürzung über die Übergriffe in der Silvesternacht und distanzieren sich von den Attacken auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof.

    Ein Flugblatt, das syrische Flüchtlinge an der Uni Köln verteilten.
    Ein Flugblatt, das syrische Flüchtlinge an der Uni Köln verteilten.

    Der Professor Mordecai-Mark Mac Low, der einen von diesen Flugblättern von einem Aktionsteilnehmer erhalten hatte, beschrieb ihn als einen jungen Mann, der dem Aussehen nach aus dem Nahen Osten stammt. Die Stellungnahme im Wortlaut:

    „Wir, Männer aus Syrien, verurteilen die Übergriffe gegenüber Frauen und die Angriffe auf Menschen wie auch die Raubdelikte in der Silvesternacht auf das Schärfste.

    Wir bedauern, dass Frauen in ihrer Ehre und körperlich verletzt wurden.

    Wir hoffen, dass sie sich von diesen Attacken bald und gut erholen werden.

    Wir hoffen, dass die Verursacher dieser kriminellen Aktionen gefunden und bestraft werden.

    Wir hoffen, dass in Zukunft viel mehr Menschen Frauen in solchen Situationen zur Hilfe kommen.

    Ausschreitungen am Kölner Hauptbahnhof an Silvester
    © AFP 2019 / Markus Boehm / dpa
    Unsere kulturellen Werte wurden durch diese kriminellen Aktionen mit Füßen getreten. Zu unseren Werten gehört selbstverständlich der Respekt vor Frauen und Männern, der Respekt vor der körperlichen Unversehrtheit und der Respekt vor dem persönlichen Eigentum.

    Wir Syrer sind als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, weil wir hier in einer demokratischen Gesellschaft in Frieden leben wollen. Wir wollen Demokratie leben, gestalten, umsetzen.

    Wir bedauern, dass die Aktionen der Silvesternacht unsere Gruppe, die Gruppe der Syrer, die Gruppe der Flüchtlinge, wie auch viele andere arabische und nordafrikanische Menschen und Kulturen in Verruf gebracht haben.

    Wir sind vor einem unmenschlichen Krieg geflohen, um unser Leben zu erhalten und menschlich bleiben zu können. Frieden, Sicherheit für uns und unsere Familien, die Möglichkeit, durch Arbeit unseren Lebensunterhalt zu verdienen, sind unsere Ziele.

    Wir bedanken uns bei allen Menschen in Deutschland, bei Frauen und Männern, für all die Hilfe, die sie uns bislang erwiesen haben!
    Wir werden uns Ihres Engagements und Ihrer Hilfe würdig erweisen. Sie und wir werden feststellen, dass Ihre Werte auch unsere sind.
    Deutschland hat für uns mehr getan als irgendein anderes europäisches oder arabisches Land!

    V.i.S.d.P. Syrische Männer für Fairness c/o Shady, Bergisch Gladbacher Str. 465, 51067 Köln“

    Der Professor zeigte sich erfreut darüber, dass einige Asylbewerber „die Initiative übernommen haben, um ihre Sichtweise zu äußern und deutlich zu machen, dass sie gegenüber dem Vorgehen von jungen, betrunkenen und dummen Männern nicht besser dastehen würden, als andere Menschen auch“.

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    Tags:
    Übergriffe, Demonstration, Migranten, Gewalt, Köln, Stuttgart