05:30 23 Juni 2017
Radio
    Migranten in Frankreich

    Flüchtlingskrise: Planierraupen reißen Flüchtlingslager in Calais nieder

    © REUTERS/ Pascal Rossignol
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Migrationsproblem in Europa (1273)
    991311364

    Die Stadtverwaltung des nordfranzösischen Calais hat angeordnet, mit Baggern und Bulldozern ein illegales Zeltlager zu räumen, das in der Nähe eines regulären Flüchtlingslagers – auch bekannt als „Dschungel“, entstanden war.

    Die Verantwortlichen rufen die Bewohner des Zeltlagers dazu auf, in extra eingerichtete Wohncontainer umzuziehen. Zudem fordert die Stadtverwaltung die Schließung der unerlaubten Cafés und Restaurants auf dem Gelände der illegalen Unterkunft. Zahlreiche Flüchtlingen lehnen sich jedoch gegen die Entscheidung der Stadtverwaltung auf.

    Indes schickt die Landesregierung schweres Gerät, um das widerrechtlich aufgebaute Lager abzureißen.

    „Wir bitten die Migranten, die Zelte zu verlassen und in Container, die extra für sie eingerichtet wurden, zu ziehen. Der Bürgermeister von Calais will die Zahl der Flüchtlinge reduzieren. Wir können es uns nicht leisten, 6.000 bis 8.000 Menschen aufzunehmen! Die Zahl muss so oder so reduziert werden“, sagte der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Philipp Mignonet dem TV-Sender RT. Tausende von Flüchtlingen, die es nach Großbritannien schaffen wollen, bleiben jedoch in ihren Baracken. Doch die Lage müsse sich ändern, so der stellvertretende Bürgermeister. Das Zeltlager sei längst zu einer Stadt mit Cafés, Restaurants und sogar einer eigenen Radiostation geworden.

    „In diesem Lager sind unerlaubte Objekte entstanden. Sie müssen verschwinden. Einfach verschwinden!“, so Mignonet.

    Als die Flüchtlinge erfahren haben, dass die Regierung ihr Lager räumen will, haben sie ihre Zelte einfach an einem anderen Ort wieder aufgestellt. Die Migranten werden sich dem Vorgehen der Regierung auch weiterhin widersetzen. Die Situation kommentierte der ehemalige Chef der antiterroristischen Abteilung der Londoner Polizei Kevin Hurley:

    „Dort sind an die 6.000 Menschen aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika. Sie leben sehr gefährlich. Im ‚Dschungel‘ gibt es keinerlei Kontrolle, keine Polizei. Als ich persönlich dort war, wurde jemand erstochen. Niemand weiß genau, wer sich dort aufhält. Und wir müssen verstehen, dass 97 Prozent der Flüchtlinge junge Männer sind. Es sind nur wenige Frauen und Kinder darunter“, erklärte Hurley.  

    Themen:
    Migrationsproblem in Europa (1273)

    Zum Thema:

    Ukrainische Flüchtlinge in Deutschland: kaum Chance auf Asyl
    Norwegen: Angst vor Abschiebung - Flüchtlinge fliehen aus Asylheimen
    Flüchtlinge in Österreich: „Die Regierung hat versagt“ – Experte
    WDR-Journalistin gibt zu: Wir sind angewiesen, positiv über Flüchtlinge zu berichten
    Tags:
    Migranten, Calais, Frankreich
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren