05:30 23 Juni 2017
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    Ex-FSB-Agent Alexander Litwinenko (Archiv)The Big Ben Clock Tower is seen through a gate during a foggy day in central London, November 2, 2015

    Kremlsprecher führt Verfahrensmodus im Fall Litwinenko auf „britischen Humor“ zurück

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    Kremlsprecher Dmitri Peskow hat den Verfahrensmodus der Londoner Justiz im Fall des 2006 in London gestorbenen russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko auf den „britischen Humor“ zurückgeführt.

    Sogenannte öffentliche Ermittlungen basierten auf Geheimdaten nicht genannter Geheimdienste. Und das Urteil werde aufgrund dieser ephemerer Daten gefällt, sagte Peskow am Donnerstag vor der Presse in Moskau. „Der Bericht basiert auf Formulierungen wie ‚möglich‘ und ‚wahrscheinlich‘ und kann die Atmosphäre der Beziehungen vergiften.“ Die englischen Ermittlungen seien nicht objektiv, sagte Peskow.

    Aus dem am gleichen Tag in London veröffentlichten Bericht zu den Resultaten der Ermittlungen geht hervor, dass das britische Gericht Russland für den Tod des russischen Ex-Geheimdienstlers Litwinenko verantwortlich macht. Bei der Obduktion von Litwinenkos Leiche wurden Spuren von radioaktivem Polonium 210 nachgewiesen. Indes haben die britischen Ermittler nicht genug Beweise dafür, dass das giftige Polonium russischer Herkunft ist.

    Der russische Botschafter in London, Alexander Jakowenko, übte heftige Kritik an dem Prozess. „Wir betrachten den Fall Litwinenko und Versuche, die Gerichtsverhandlung zu verschleiern, als eine himmelschreiende Provokation der britischen Behörden“, sagte der Diplomat am Donnerstag in London. Russland stufe den Prozess als einen Versuch ein, die fehlende Kompetenz der britischen Geheimdienste zu vertuschen, betonte Jakowenko.

    Der 2000 nach Großbritannien geflüchtete Ex-Geheimdienstler Alexander Litwinenko starb im November 2006, kurz nach Erhalt der britischen Staatsbürgerschaft. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich drastisch, nachdem er im Londoner Millennium-Hotel mit den damaligen russischen Geschäftsleuten Andrej Lugowoi und Dmitri Kowtun Tee getrunken hatte. Nach seinem Tod wurde festgestellt, dass Litwinenko mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet wurde.

    Die britische Justiz macht Lugowoi, der jetzt Abgeordneter des russischen Parlaments ist, für Litwinenkos Tod verantwortlich. Der Vorwurf schlägt hohe Wellen in London und Moskau: Russlands Präsident Wladimir Putin hat dem Untersuchungsbericht zufolge „wahrscheinlich“ den Mord an Kreml-Gegner Litwinenko gebilligt.

    Lugowoi weist jegliche Anschuldigungen zurück, darunter unter Berufung darauf, dass er zuvor von britischen Experten einem Lügendetektortest unterzogen und für unschuldig befunden worden war.

     

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    Kritik, Giftmord, Alexander Litwinenko, Dmitri Peskow, Großbritannien, Russland
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