Widgets Magazine
11:24 15 Oktober 2019
SNA Radio
    Paris. Eiffelturm

    „Wenn Ihre Tochter einen Muslim heiraten wollte?“: Studie zu Rassismus in Frankreich

    © Sputnik / Irina Kalshnikova
    Panorama
    Zum Kurzlink
    4327
    Abonnieren

    Gibt es zu viele Juden in Frankreich? Wie würden Sie reagieren, wenn Ihre Tochter einen Muslim heiraten wollte? Die Fragen selbst sowie die Antworten darauf haben für manchen Unmut im Land gesorgt, nachdem „Le Journal Du Dimanche“ die Ergebnisse der Meinungsumfrage am Sonntag veröffentlicht hat.

    Die Umfrage, die am Sonntag im französischen Wochenmagazin „Le Journal Du Dimanche“ erschien, wurde als eine „dem Wesen und dem Ausmaß nach außerordentliche Studie“ gekürt, da es sich um eine 18 Monate lange Untersuchung des Verhaltens der Franzosen zu Rassismus, Religion, Antisemitismus und Islamophobie handelt. Bestellt wurde die Studie von der Französischen Stiftung für Judaismus (French Judaism Foundation).

    Die Umfrage hat gezeigt, dass die Franzosen weder an die Zukunft ihrer Heimat noch an eigene Perspektiven glauben und misstrauisch gegenüber den „Anderen“ – Migranten, Arbeitslosen und Vertretern mancher religiösen bzw. ethnischen Gruppen – eingestellt sind.

    Zukunftsaussichten

    79 Prozent der Befragten glauben, dass Frankreich sich im Verfall befindet, dabei sind 26 Prozent davon überzeugt, dass dieser Zustand unumkehrbar ist. Die pessimistische Einschätzung der Situation im Land widerspiegelt auch die Wahrnehmung eigener Perspektiven: 61 Prozent der Franzosen halten ihre Zukunft für aussichtslos, Optimisten gibt es eineinhalb Mal weniger.

    Andere

    Zwei Drittel der Befragten haben erklärt, dass man der „Mehrheit der Menschen“ gar nicht vertrauen darf. 54 Prozent halten die Immigration in Frankreich für keine Bereicherungsquelle. 39 Prozent vertreten die Meinung, dass es die Migrantenwelle – nicht die Armut – ist, die für die Abnahme des Sicherheitsniveaus in Frankreich sorgt. Mehr als die Hälfte der Befragten ist davon überzeugt, dass die Regierung mehr für die Migranten als für die Franzosen tut. 49 Prozent beschuldigen die Arbeitslosen, sie selbst würden nichts unternehmen, um auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren. 30 Prozent der Franzosen halten in diesem Zusammenhang „eine rassistische Reaktion für berechtigt“.

    Integration

    80 Prozent der Befragten halten die Roma für die am wenigsten in die französische Gesellschaft integrierte ethnische Gruppe. Am besten schneiden in dieser Frage Juden und Asiaten ab – nur sieben Prozent halten sie für schlecht integriert.

    Die Mehrheit (89 Prozent) derer, die die Muslime für wenig integriert hält, schieben ihnen die Schuld dafür zu: Sie schotten sich selbst ab. 63 Prozent sind gegen die Einführung von Sondermenus für Muslime und Juden in Schulen. Dabei treten 53 Prozent dafür ein, dass mehr Moscheen gebaut werden sollen. 55 Prozent der Befragten gaben an, dass die Frauen im Hidschab sie nerven oder beunruhigen.

    Eheschließung

    Mehr als die Hälfte der Befragten gab zu, dass sie gegen die Eheschließung ihrer Kinder mit einem Muslim oder einer Muslima wären. Gleichzeitig unterstützen über 50 Prozent der Franzosen Homo-Ehen, ganz zu schweigen von Partnerschaften mit Katholiken, Atheisten, gebürtigen Asiaten, Juden oder Afroamerikanern.

    Besonders stark sind die Vorurteile gegenüber Ehen mit Muslimen bei Senioren, Arbeitern und Beamten, Anhängern von Front National, Republikanern und Demokraten. Toleranter sind 35-Jährige, Staatsbeamte und Anhänger der linken Parteien.

    Bemerkenswert ist, dass die Muslime selbst ziemlich positiv gegenüber Eheschließungen mit Vertretern anderer Religionen eingestellt sind. Auch bei einer möglichen Ehe mit einem Juden oder Atheisten betrug die Zahl der „Ja“-Antworten mehr als 50 Prozent.

    Antisemitismus

    Die absolute Mehrheit (92 Prozent) der jüdischen Gemeinde ist davon überzeugt, dass der Antisemitismus in Frankreich in den letzten fünf Jahren zugenommen hat. 67 Prozent halten den Anstieg für bedeutend. Zwei Drittel der französischen Juden nennen den Antisemitismus als Hauptgrund ihrer Besorgnis, gefolgt von Terrorismus (50 Prozent), religiösem Integralismus (48 Prozent) und Arbeitslosigkeit (nur 23 Prozent).

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    American Airlines wegen Rassismus auf sechs Millionen Dollar verklagt
    Russische UN-Resolution gegen Rassismus und Nazi-Heroisierung angenommen
    Rassismus in Deutschland? Schüler bezichtigen Lehrer der Intoleranz
    Tags:
    Juden, Muslime, Religion, Antisemitismus, Rassismus, Umfrage, Frankreich