17:17 04 Juli 2020
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    Das US-Militär verschleiert laut unabhängigen Studien die wahren Zahlen der zivilen Opfer bei Bombenanschlägen der US-geführten Anti-IS-Koalition in Syrien und dem Irak. Das hat eine bei GlobalPost veröffentlichte Studie der unabhängigen Organisation Airwars ergeben, die sich mit Berichten zum Tod von Zivilisten befasst.

    Bisher habe sich die US-geführte Koalition zum Mord an nur 22 Zivilisten im Rahmen der Anti-IS-Operation bekannt. Airwars führt allerdings wesentlich höhere Zahlen an: Etwa 862 bis 1116 Zivilisten sollen durch US-Luftangriffe ihr Leben verloren haben. Grund für diese Diskrepanz ist nach Ansicht des Autorenteams der Untersuchung die Art und Weise, wie die USA Meldungen über zivile Opfer überprüft.

    Ein Vertreter aus dem Pentagon sagte gegenüber GlobalPost, dass die Koalition ein Team aus mehreren Personen habe, das sich mit der Überprüfung von Berichten über zivile Opfer beschäftigt. Um eine umfassende Untersuchung einzuleiten, muss das Team erst prüfen, ob die Meldungen glaubwürdig sind. Die meisten Berichte zu Morden an Zivilisten in Syrien und dem Irak würden von der Koalition als unglaubwürdig abgetan. Die Luftangriffe der Koalition würden zumeist für die nächste große Stadt oder Ortschaft angegeben. Wenn die Opfermeldung dann aus einem kleineren Dorf komme, dessen Name in ihren eigenen Akten nicht vorkommt, werde die Meldung als „unglaubwürdig“ zurückgewiesen.

    Im Artikel führt GlobalPost außerdem die Ergebnisse einer eigenen Untersuchung an, die erkennen lässt, wie leicht die Koalition die Berichte über zivile Tode verschweigen kann. Wie etwa der Luftangriff auf das Dorf Al Khan am 7. Dezember 2015, bei dem vermutlich 47 Menschen ums Leben kamen. Dieser sei offiziell überhaupt nie untersucht worden. Das US-Militär hatte die Luftangriffe auf Al Khan bestritten und behauptet, diese hätten südlich der kleinen Ortschaft Al Hawl stattgefunden. Später stellte sich allerdings heraus, dass al Khan eben etwa 16 Kilometer südlich von Al Hawl liegt – also in demselben Raum, in dem laut der Koalition die Luftangriffe ausgeführt wurden.

    Nach Ansicht des Airwars-Chefs bringt die Koalition oft geografische Bezeichnungen durcheinander, kleinere Ortschaften würden gar nicht erwähnt. Viele Prüfungen der Koalition zu Meldungen über zivile Opfer enden mit den Worten: „Nicht glaubwürdig. Keine weitere Untersuchung erforderlich“.

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    Tags:
    Zivilopfer, Anti-IS-Koalition, Luftangriff, Pentagon, Syrien, Irak, USA