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16:54 19 Oktober 2019
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    Tschechien lehnt Auslieferungsbegehren der USA ab – Botschafter ist „schockiert“

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    Die US-Botschaft in Prag zeigte sich über die jüngste Entscheidung der tschechischen Behörden schockiert, einen ukrainischen Bürger libanesischer Herkunft und einen Bürger der Elfenbeinküste, die des Waffenhandels verdächtigt werden, nicht an die USA auszuliefern, sondern sogar freizulassen.

    USA und Europa
    © AP Photo / Bela Szandelszky
    Zuvor hatte der tschechische Justizminister, Robert Pelikán, Journalisten gesagt, er habe den USA die Auslieferung eines in Tschechien in Gewahrsam sitzenden ukrainischen Bürger libanesischer Abstammung, Ali Fayad, und eines seiner Komplizen, eines Staatangehörigen der Elfenbeinküste, Khalid Marabi, verweigert und zugleich einen Befehl zu ihrer Haftentlassung unterzeichnet.

    Fayad und zwei seiner Komplizen wurden im Frühling 2014 in einem Prager Hotel nach einem Treffen mit verdeckten FBI-Agenten festgenommen, die sich als Mitglieder der kolumbischen Terrororganisation FARC ausgegeben hatten. Bei dem Treffen soll es um Lieferungen von Kokain und den Kauf von Waffen zum Kampf gegen US-Soldaten in Kolumbien gegangen sein.

    „Wir sind über die Entscheidung der tschechischen Regierung bestürzt, Ali Fayad und Khalid Marabi freizulassen“, kommentierte die US-Botschaft in Tschechien.

    Tschechiens Premierminister Bohuslav Sobotka hat seinerseits erklärt, der Justizminister habe in voller Übereinstimmung mit den tschechischen Gesetzen gehandelt und die USA müssten diese Entscheidung respektieren. 

    Der tschechische Ex-Parlamentarier und ehemalige stellvertretende Justizminister sowie Richter des Obersten Verwaltungsgerichts des Landes Jiří Vyvadil, der heute als Rechtsanwalt tätig ist, kommentierte diese Entscheidung in einem Exklusivinterview für Sputnik Česká republika:

    „Gestern habe ich richtige Freude darüber empfunden, dass Tschechien die USA hat abblitzen lassen. Ich bin stolz, dass Tschechien, trotz der bei uns herrschenden proamerikanischen Stimmungen, sich so verhalten hat, wie es einem unabhängigen Staat auch gebührt, nämlich richtig. Seit langer Zeit hat mich die Regierung zum ersten Mal gefreut. Gut gemacht!“. 

    „Ich will hier nur anmerken, dass der US-Botschafter in Prag, Herr Schapiro, eine äußerst hochmütige Person ist. Er ist nach meiner Sicht der schlimmste Botschafter, den die Vereinigten Staaten je nach Tschechien beziehungsweise in die Tschechoslowakei geschickt haben. Seine aufgeregte Reaktion auf die Entscheidung des Justizministers und seine Worte, dass er „schockiert“ sei, sind für einen Diplomaten seines Niveaus unangebracht. Ich muss aber gestehen, dass mir diese Worte viel Vergnügen bereitet haben. Der Herr Botschafter hat offensichtlich vergessen, dass Tschechien ein souveräner Staat ist“, so Vyvadil weiter.

    Die Erkenntnis, dass Tschechien ein souveräner Staat ist, sei immer öfter in der Politik des Landes zu spüren. In den Beziehungen zu den USA und generell in der Weltarena beginnen die Tschechen Vyvadil zufolge die eigenen nationale Interessen zu verteidigen.

    „Das heißt lange nicht, dass wir unsere Zusammenarbeit mit den Amerikanern beenden sollen. Aber lasst uns pragmatisch sein und einsehen, dass die einseitige Orientierung nach Westen uns nicht nur demütigt – sie ist auch irrational. Der Pragmatismus diktiert uns heute, uns auch Russland zuzuwenden. Kurz gesagt war gestern ein sehr guter Tag für Tschechiens Souveränität! Selbst wenn diese Absage von Prag gegenüber den USA eine Zwangsmaßnahme, eine Bedingung für die Freilassung fünf unserer Landsleute im Libanon war“, sagte der Politiker abschließend.

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    Tags:
    Waffenhandel, Bohuslav Sobotka, Andrew Schapiro, Jiří Vyvadil, Prag, Kolumbien, Libanon, Tschechien, USA