23:23 12 August 2020
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    In der Türkei muss ein einfacher Bauer wegen „Beleidigung“ von Präsident Recep Erdogan vor Gericht. Zuvor war er wegen „Terrorpropaganda“ verurteilt worden. Insgesamt drohen ihm 22 Jahre Haft. In einem Interview für Sputnik berichtet Ömer Bulur, wie sein „Schmerzensschrei“ zum Terroraufruf gemacht worden war.

    Am 19. August 2015 griffen Kämpfer der Arbeiterpartei Kurdistans eine Gruppe türkischer Soldaten nahe dem Dorf Kırımkaya in Erzurum an. Der Vater des dabei getöteten Recep Beycur erlitt einen Herzanfall und konnte bei der Beerdigung seines Sohnes nicht anwesend sein.

    Auch der 38-jährige Cousin des Soldaten, Ömer Bulur, konnte seinen Schmerz nicht zurückhalten. Er rief aus:  “Er (Erdoğan – Anm. der Red.) zwingt die Brüder zum Kampf. Ich schickte den jüngeren (Cousin – Anm. der Red.) in die Armee und bekam seinen Leichnam zurück. Der Präsident muss es hören. Hat er keine Angst vor Gott? Dank ihm liegt dieser junge Mann hier.”

    Im Oktober 2015 war Ömer Bulur wegen Terrorpropaganda, Hassbotschaften sowie Aufrufen gegen den Wehrdienst zu 16 Jahren Haft verurteil worden.

    Nun hat der türkische Präsident Recep Erdogan eine Klage wegen „Beleidigung des Präsidenten“ eingereicht und somit die Haftstrafe für Bulur um fast fünf Jahre verlängert.

    Im Interview mit Sputnik erzählte Ömer Bulur, wie stark ihn der Verlust seines Cousins getroffen hat und warum es zu den Anschuldigungen gekommen ist.

    „Ich habe nichts im Voraus geplant, meine Worte waren ein Schmerzensschrei. Stellen Sie sich selbst an meiner Stelle vor. Was würden Sie empfinden, wenn sie anstatt eines lebendigen und gesunden Verwandten, den Sie in die Armee begleitet haben, seinen Leichnam zurückbekommen würden?“

    Zuerst sei gegen Bulur ein Verfahren wegen Terrorismuspropaganda, dann wegen Beleidigung des Präsidenten eingeleitet worden.

    „Dazu ist deswegen gekommen, weil ich auf meinem Facebook-Profil den Kondolenztext der Stadtverwaltung zum Tod zweier junger Männer veröffentlicht habe, die bei einer Explosion im benachbarten Dorf ums Leben gekommen waren“, erklärt der Türke.

    Er selbst habe zu keiner der politischen Parteien Verbindung. Er sei auch nie strafrechtlich verfolgt worden. Nun drohe ihm eine Haftstrafe wegen seiner Worte, dass „ein Bruder auf den Krieg gegen den anderen Bruder ausgerichtet wird“.

    „Ich bin nur ein einfacher Bauer, aus dem eine Ausgeburt der Hölle gemacht wird“, beschreibt Bulur seine Situation.

    Am Ende des Gesprächs mit Sputnik hat Bulur die beiden Konfliktparteien zur Beendigung des Kampfes aufgerufen: „Es muss dem Tod von jungen Männern Einhalt geboten werden. Haben Sie Mitleid mit ihren vom Leid niedergedrückten Eltern“.

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    Tags:
    Beleidigung, Verfolgung, Meinungsfreiheit, Recep Tayyip Erdogan, Türkei