14:44 26 September 2017
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    Liebe ist… Zwei Jahre im Migrationsamt zu warten

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    Für schwedische Bürger ist es kompliziert geworden, einen Geliebten oder Ehepartner aus dem Ausland ins Land nachzuholen. Die Wartezeit auf einen Aufenthaltstitel kann bis zu zwei Jahre dauern, wie Radio Schweden berichtet.

    Flüchtlingszentrum  in Schweden
    © REUTERS/ Stig-Ake Jonsson/TT News Agency
    Der schwedische Sender erzählt die Geschichte von Anders Backman, der stellvertretend für viele steht: Anders hat seine Frau Irene Castillo 2009 in Norwegen getroffen. Die beiden arbeiteten zusammen. Irene ist aber gebürtige Bolivianerin. Kurz danach haben Anders und Irene geheiratet und ein Kind bekommen. Später wohnte das Paar eine Zeit lang in Bolivien, wo ihr zweites Kind auf die Welt kam. Im vergangenen Jahr hat die Familie beschlossen, nach Schweden umzuziehen. Und damit begannen die Probleme.

    Der Migrationsdienst warnte, Irene werde rund 14 Monate auf die Entscheidung über ihren Aufenthaltstitel warten müssen. Dazu müssten auch alle Papiere aus Bolivien eingereicht werden.

    Da eine Trennung für 14 Monate für Anders und Irene zu viel war, entschieden sie sich vorläufig für ein touristisches Visum. Im November 2015 hat Irene dann den Antrag auf den Aufenthaltstitel gestellt. Der Migrationsdienst versicherte, dass das nötige Interview für Februar oder März angesetzt würde. Vor ein paar Wochen hat sich nun aber herausgestellt, dass das Interview um ein Jahr verschoben wird.

    Irene hat jetzt weder Versicherung noch Arbeitserlaubnis. Wenn sie ihre Familie in Bolivien besuchen möchte, wird sie möglicherweise in Schweden nicht eingelassen.

    Die junge Bolivianerin ist nicht die Erste, die vor einem solchen Problem steht. Derzeit stehen in der Interview-Liste des schwedischen Migrationsdienstes 53.000 Menschen, darunter auch diejenigen, die ein Kind aus dem Ausland adoptieren oder ihre Verwandten nach Schweden bringen wollen. Rund 26.000 sind „Liebesmigranten“, die nicht ins Land ihres Partners umziehen können. Die Tatsache, dass sie mit einem Schweden oder einer Schwedin verheiratet sind oder gemeinsame Kinder schwedische Bürger sind, spielt – am Rande bemerkt – gar keine Rolle.

    Radio Schweden konnte eigenen Angaben zufolge keinen Kommentar vom Migrationsdienst erhalten. Allerdings hat der Pressedienst mitgeteilt, dass im Herbst viele Asylanträge gestellt waren, die nun höchste Priorität hätten.

    Im Durchschnitt muss man jetzt 378 Tage auf den Aufenthaltstitel warten, vor drei Jahren waren es nur 153 Tage.

    Anders Backman meint zwar auch, dass man mit den Flüchtlingen Mitleid haben sollte. Das sei aber nur geringe Tröstung für ihn.

    Tags:
    Migrationspolitik, Migrationsdienst, Ehe, Sveriges Radio, Schweden
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