12:49 21 November 2018
SNA Radio
    Maidan Square in Kiev, Ukraine

    Maidan-Doku startet in Kiew: Poroschenko fürchtet Reaktionen des Westens

    © Sputnik / Andrei Stenin
    Panorama
    Zum Kurzlink
    171765

    Der Dokumentarfilm „Branzi“ („Gefangene“) über die Maidan-Ereignisse vom Februar 2014 läuft demnächst in der Ukraine an. Aus dem Film geht hervor, dass nicht die Sicherheitskräfte, sondern Maidan-Aktivisten selbst das Feuer eröffnet haben.

    Dem Regisseur des Filmes zufolge, befürchtet man in der Präsidialverwaltung von Petro Poroschenko, dass der Westen wegen dieses Filmes sein Verhältnis zu den Ereignissen ändern, Anti-Russland-Sanktionen aufheben und die Ukraine nicht mehr unterstützen könnte, so das Portal Nowoje Wremja.

    In der ukrainischen Hauptstadt wurden am Samstag Gedenkaktionen anlässlich des zweiten Jahrestages der tragischen Ereignisse vom Februar 2014 durchgeführt. Damals waren bei blutigen Auseinandersetzungen zwischen Radikalen und Sicherheitskräften auf dem Maidan Nesaleschnosti (Unabhängigkeitsplatz) etwa 100 Menschen getötet worden. Sie werden heute als Helden der „Himmlischen Hundertschaften“ bezeichnet und als Opfer der Abrechnung mit Maidan-Aktivisten, die angeblich die damalige Regierung organisiert hatte, verehrt.

    Doch jetzt behauptet der ehemalige Maidan-Teilnehmer Iwan Bubentschik, dass die ersten Opfer am frühen Morgen des 20. Februars gar nicht Maidan-Aktivisten sondern Berkut-Offiziere gewesen waren. Er will persönlich mindestens zwei Offiziere in den Hinterkopf geschossen haben und mehrere am Bein getroffen.

    „Ich habe aus dem Gebäude des Konservatoriums, aus dem vom Platz am weitesten entfernten Fenster hinter den Kolonnen, im dritten Stock geschossen. Von dort aus waren die Milizionäre sehr deutlich zu sehen. Sie standen nicht weit von mir entfernt, deswegen konnte ich zwei Kommandeure mit nur zwei Schüssen erschießen“, erzählt Bubentschik im Film.

    „Ich schoss in den Hinterkopf. Es hat sich so ergeben, dass sie mit dem Rücken zu mir standen. Ich konnte nicht warten, bis sie sich wenden. Viele würden an dieser Stelle gerne hören, dass ich meine Maschinenpistole von den Kämpfern bei den Zusammenstößen am 18. Februar gestohlen habe. Das ist jedoch nicht wahr. Gegen Morgen am 20. Februar kam ein Junge und brachte Kalaschnikow-Maschinenpistolen und 70 Patronen in einer Tennistasche mit“, so Bubentschik weiter.

    Die Ermittlungen, die sofort nach den damaligen Ereignissen eingeleitet worden waren, konnten bis jetzt keine Erfolge aufweisen. Die offizielle Version, der zufolge Sicherheitskräfte als erste das Feuer eröffneten und Maidan-Aktivisten sich ausschließlich gewehrt haben sollen, bleibt bestehen.

    Der Chef der Abteilung für Sonderermittlungen der Staatsanwaltschaft der Ukraine, Sergej Gorbatjuk, erklärte seinerseits, die Schuldbekenntnisse des Mordes an Offizieren der Sicherheitskräfte könnten kein Grund für Verhaftung sein. Zudem würden diejenigen, die solche Schuldbekenntnisse machen, nicht als Augenzeugen verhört werden wollen.

    Der Regisseur des Filmes, Wladimir Tichij, behauptet seinerseits, dass viele gegen den Filmstart der „Gefangenen“ seien. „Es gibt Befürchtungen in der Präsidialverwaltung von Petro Poroschenko, dass der Film negative Folgen haben wird – zwar nicht in der Ukraine selbst, aber außerhalb des Landes. Der Westen könne angeblich sein Verhältnis zu den Ereignissen revidieren, Sanktionen gegen Russland aufheben und uns (der Ukraine – d. Red.) nicht mehr helfen“, so Tichij gegenüber dem Portal Nowoje Wremja im Interview.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Angst vor Maidan-3: Regierung in Kiew sichert unterirdische Fluchtwege ab
    Enttäuschte Hoffnungen des Maidan: Jazenjuk gesteht Mitschuld ein
    Zusammenstöße zwischen Nationalgarde und Radikalen am Maidan in Kiew
    Kiew: Waffen entdeckt, aus denen Maidan-Aktivisten beschossen wurden
    Tags:
    Film, Kalaschnikow-Maschinenpistole, Maidan, Petro Poroschenko, Ukraine