15:17 06 Dezember 2019
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    Frauen im von IS-Terroristen besetzten Nordirak.

    New York Times: Wie Verhütungspillen im IS den Handel mit Sex-Sklavinnen ermöglichen

    © AFP 2019 / Ahmad Al-Rubaye
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    Die IS-Terroristen zwingen versklavte Frauen zur Verhütung, obwohl diese in der Scharia grundsätzlich verboten ist. Laut einer IS-internen Regel soll sich der Mann vor dem Geschlechtsverkehr vergewissern, dass die Sklavin nicht schwanger ist. Schwangerschaften behinderten den Sex-Handel und müssten vermieden werden, berichtet die „New York Times“.

    Im sogenannten Islamischen Staat gilt das mittelalterliche Verbot für den Verkauf von schwangeren Sklavinnen. Das Verbot wurde eingeführt, damit keine Zweifel aufkommen, wer der wahre Vater des Kindes ist, schreibt die Zeitung.

    „Die IS-Anführer machten das sexuelle Sklaventum in der Form, die ihnen zufolge unter dem Propheten Mohammed herrschte, zu einem unabdingbaren Teil der Tätigkeit der Gruppierung. Sie versklaven Mädchen und Frauen aus der religiösen Minderheit der Jesiden, die vor fast zwei Jahren gefangengenommen wurden. Damit der Sex-Handel nicht endet, geben die Extremisten ihren Opfern Verhütungspillen, damit Vergewaltigungen beim Weiterverkauf möglich sind“, so die Zeitung.

    © Sputnik .
    Das jesidische Mädchen mit dem Namen Lamia

    Der IS berichtet in seinen offiziellen Medien, dass ein Mann versklavte Frauen legal unter nahezu allen Umständen vergewaltigen kann. Laut einer vom IS veröffentlichten Broschüre ist gar Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen zulässig. Das Verbot für Sex mit einer schwangeren Sklavin ist fast der einzige Schutz für die Opfer, der ihnen jedoch gewaltsam genommen wird.

    Die meisten Sunniten sind der Ansicht, dass man zur Einhaltung der Scharia-Gesetze eine Zeitlang auf sexuelle Beziehungen mit einer Sklavin nach der Übergabe an den neuen „Besitzer“ verzichten sollte. Der IS schlägt in seiner Broschüre die sexuelle Enthaltsamkeit als Variante vor. Zudem wird sich auf einen tunesischen Imam berufen, der im 7. Jahrhundert behauptete, dass es ausreiche, den Geist des Gesetzes einzuhalten. Dies eröffne den Weg für andere Mittel, darunter medizinische, um auf Wartezeiten zu verzichten.

    Vor mehr als zwei Jahren gerieten Tausende Jesidinnen (eine kurdische ethnokonfessionelle Gruppe, die im Irak unter dem Genozid durch den IS leidet) in die Sklavenschaft der Extremisten. Die Zeitung beruft sich auf eine Umfrage von 37 Jesidinnen, die aus der Gefangenschaft fliehen konnten.

    Die Frauen schilderten verschiedene Methoden, die die Extremisten zur Vermeidung der Schwangerschaft nutzen. Frauen, die Sklavinnen bei führenden IS-Kommandeuren waren, wurden öfter Verhütungspillen gegeben als Sklavinnen einfacher Extremisten. Letztere wussten womöglich weniger von den Regeln oder ignorierten das Verbot. 

    Video: IS-Hölle in der Wüste: Frauen in unterirdischen Gefängnissen gequält

    Eine 16-jährige Sklavin, die sich ein Jahr lang in IS-Gewalt befand, wohnte in einem Zimmer, in dem es nichts außer einem Bett gab. Sie hatte Angst vor dem Sonnenuntergang und den ständigen Vergewaltigungen. Um eine Schwangerschaft zu vermeiden, wurden ihr Medikamente gegeben. „Jeden Tag musste ich in seiner Anwesenheit eine Pille einnehmen. Er gab mir jeden Monat eine Packung. Als die Pillen zu Ende gingen, brachte er neue. Als ich an einen neuen Mann weiterverkauft wurde, wurde auch die Packung übergeben“, so die Frau. Dass es Antibabypillen waren, erfuhr sie erst nach Monaten. Die ganze Zeit, in der sie vergewaltigt wurde, hatte sie Angst vor einer Schwangerschaft.

    Die Frau wurde sieben Mal weiterverkauft. Jeder neuer Käufer fragte, ob sie schwanger ist. Der dritte Käufer gab ihr sogar die so genannte „Pille danach“ und eine Injektion von Depo-Provera. Erst danach wurde die Sklavin von dem Extremisten vergewaltigt.

    Als Verhütungsmittel wurden Antibabypillen und Injektionen angewendet, manchmal beides, erzählten die Jesidinnen. Mindestens in einem Fall wurde eine Frau zu einer Abtreibung gezwungen, um sie als Sex-Sklavin zu nutzen. Einige Jesidinnen sagten, dass sie vermuten, dass sie weiterverkauft werden, als sie zu einer Urinanalyse ins Krankenhaus gebracht wurden.

    Der Bruder einer Sex-Sklavin, Abdal Ali, erzählt, dass seine 20-jährige Schwester bei der Versklavung schwanger war. Doch ein IS-Kommandeur wollte sie versklaven, so dass ihr Pillen gegeben wurden, um eine Fehlgeburt zu provozieren. „Sie nahm die Pillen unter die Zunge und spuckte sie dann unbemerkt aus“, sagt Ali. Seine Schwester wird jetzt im Ausland medizinisch behandelt. „Sie wollten das Kind loswerden, um die Frau benutzen zu können“, so Ali.

    Nach Angaben der Ärzte wurden mehr als 700 Jesidinnen vergewaltigt; sie wandten sich später an eine UN-Klinik im Nordirak. Nur fünf Prozent der Frauen wurden in der Sklaverei schwanger.

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    Tags:
    Kinder, Jesiden, Terrormiliz Daesh, Abdal Ali, Irak