09:26 13 Dezember 2019
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    Nadeschda Sawtschenko im Gerichtssaal

    Gericht verurteilt ukrainische Pilotin wegen Mord „aus Hass und Feindseligkeit“

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    Im Mordprozess um den Tod zweier russischer Journalisten hat ein Gericht in der russischen Stadt Donezk (Gebiet Rostow am Don) die ukrainische Pilotin Nadeschda Sawtschenko schuldig gesprochen.

    Wie der Vorsitzende des Richterkollegiums, Leonid Stepanenko, erklärte, war das ein vorsätzlicher Mord nach Vereinbarung mit mehreren Personen gewesen, der „aus Hass und Feindseligkeit“ begangen worden ist. Sawtschenko habe „Hass bzw. Feindseligkeit gegenüber der friedlichen Bevölkerung der Volksrepublik Lugansk empfunden“. Zudem habe die Angeklagte die russische Staatsgrenze illegal überquert.

    Damals waren die Reporter der Gesamtrussischen staatlichen Fernseh- und Rundfunkgesellschaft (WGTRK) Igor Korneljuk und Anton Woloschin getötet worden.

    Das Gericht hat bei seinem Urteil unter anderem die Aussagen von Augenzeugen und die Ergebnisse zahlreicher Expertisen (kriminalistischer, explosionstechnischer, psychiatrischer, genetischer usw.) berücksichtigt.

    „Nadeschda Sawtschenko, die über Kampffähigkeiten und Erfahrungen aus der Teilnahme an Kriegshandlungen im Irak verfügt, war im Urlaub, kam auf eigene Initiative in die Ostukraine und schloss sich in der Stadt Stschastje (Gebiet Lugansk) dem Bataillon Aidar unter dem Kommando von Sergej Melnitschuk an, um dort an bewaffneten Auseinandersetzungen teilzunehmen“, heißt es im Urteil.

    Sawtschenko nahm freiwillig an den Artillerieangriffen aus D-30-Haubitzen gegen friedliche Einwohner teil, die sich geweigert hatten, die Legitimität der neuen ukrainischen Regierung anzuerkennen, und ihre eigene Republik bilden wollten. Als Drahtzieher des Mordes wurde Melnitschuk bezeichnet, der im Sommer 2014 Kommandeur des Bataillons Aidar gewesen war. Dem Richter zufolge hatte Sawtschenko ihre Angriffe gegen die Zivilisten mit Melnitschuk abgesprochen.

    Die Staatsanwaltschaft hatte für Sawtschenko eine Haftdauer von 23 Jahren gefordert.

    Die ukrainische Pilotin hörte sich das Urteil sitzend an, ohne von der Anklagebank aufzustehen. Laut Gesetz muss sich ein Angeklagter das Urteil stehend anhören, es sei denn, das Gericht hat etwas anderes erlaubt. Wie Vertreter des russischen Strafvollzugsdienstes äußerten, hat Sawtschenkos Zustand es ihr ermöglicht, während der Veröffentlichung des Urteils zu stehen.

    Rechtsanwalt Mark Fejgin sagte, dass seine Mandantin das Urteil nicht anfechten wolle. „Das ist ihre Entscheidung: Sie denkt, dass der Verzicht auf einen Einspruch den Verhandlungsprozess über ihre Auslieferung an die Ukraine beschleunigen könnte“, betonte er und ergänzte, dass Sawtschenko informiert worden sei, dass ihr Verzicht auf den Einspruch eine künftige Anfechtung des Urteils vor dem Menschenrechtsgericht in Straßburg unmöglich mache.

    Zudem teilte der Rechtsanwalt mit, dass die Ukrainerin wieder in den trockenen Hungerstreik gehen wolle, nachdem das Urteil in zehn Tagen in Kraft getreten sei. „Sie denkt, dass sie gleich danach nach Hause geschickt werden müsste.“

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