17:14 27 Oktober 2020
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    Explosionen erschüttern Brüssel (137)
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    Jelena Putjatina, eine in Brüssel arbeitende Russin, wird ab jetzt den 22. März als ihren zweiten Geburtstag feiern: Von einem fatalen Ausgang war sie an diesem Tag nur wenige Minuten und bloß ein paar hundert Meter entfernt.

    Täglich nimmt die junge Frau, die schon seit zehn Jahren in Brüssel lebt, die Metrolinie, an der es am Dienstag zum Terroranschlag kam, um zur Arbeit zu fahren. In dem Zug, den es traf, saß sie nicht, weil sie gerade an dem Tag fünf Minuten früher aus dem Haus gegangen ist.

    Jelena, wie haben Sie von den Explosionen erfahren, die heute Morgen im Flughafen und in der Metro in Brüssel passiert sind?

    Anschlagsserie in Brüssel
    © AP Photo / Ketevan Kardava/ Georgian Public Broadcaster

    Erst als ich zur Arbeit kam, hat man mir erzählt, dass Explosionen im Flughafen und in der Metro passiert sind. Ich war geschockt, ich hatte das nicht erwartet. Erst dachte ich sogar, das sei ein Scherz…Ich nehme diese Linie jeden Tag und passiere dabei auch diese Station. Heute war es zum Glück so, dass ich diesen Zug nahm und nicht den nächsten.

    Wenn Sie also wie üblich losgefahren wären, hätten Sie in diese Situation kommen können?

    Ja, absolut.

    Wie haben sich die Explosionen auf das Leben der Anwohner ausgewirkt? Gibt es bestimmte Sicherheitsvorkehrungen, die man jetzt befolgen muss?

    Ja, offiziell hat man uns gesagt, wir sollen nicht rausgehen. Wir sollen dort bleiben, wo wir sind: bei der Arbeit, in der Schule, zuhause. Man soll gar nicht rausgehen, das raten die Behörden. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht mehr, umso mehr Autos gibt es jetzt auf den Straßen. Viele Straßen sind gesperrt, Tunnel sind gesperrt. Viele Leute können gerade nirgendwohin fahren.

    Sie haben sich wahrscheinlich sehr erschreckt. Wie werden Sie überhaupt heimkommen?

    Das ist gerade die größte Frage. Bei der Arbeit telefonieren alle, rufen Freunde, Bekannte, Verwandte an, um sich zu organisieren, um irgendwie nach Hause zu kommen. Jemand wird kommen, um mich abzuholen. Aber das wird leider auch sehr schwierig, weil es solche Probleme auf den Straßen gibt. Man wird also lange warten müssen.

    Von Ihren eigenen Bekannten und Verwandten ist niemand unter den Opfern?

    Nein, nein. Ich habe alle angerufen, niemand hatte Probleme.

    Man kann ja momentan noch nicht sagen, dass damit schon alles vorbei ist. Es ist durchaus möglich, dass weitere Attacken stattfinden könnten. Wie werden Sie weiter leben? Werden Sie zur Arbeit gehen und öffentliche Verkehrsmittel benutzen?

    Ich denke schon. Ich finde, man sollte nicht in so eine Panik verfallen,  wo man quasi nicht mehr lebt. Denn das ist genau das, was die Terroristen wollen. Das Wichtigste ist, eben weiter zu leben, irgendwie mit diesem Problem zu kämpfen.  Jedenfalls nicht eingesperrt herumsitzen. Denn helfen wird es sowieso nicht.

    Und Sie persönlich? Werden Sie Ihr Leben irgendwie ändern, irgendwelche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen treffen? 

    Ich weiß gar nicht, was man ändern, was man unternehmen könnte… Deshalb glaube ich, alles wird bleiben, wie es war. Vielleicht wird man jetzt etwas mehr aufpassen… Aber ich denke, ich werde weiterhin dieselbe Metro nehmen, ich glaube, da ändert sich nichts. Ich denke, nicht ich sollte zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen treffen, sondern der Staat. Zum Beispiel am Flughafen.

    Ich denke, am Flughafen wäre es wirklich gut, die Sicherheit zu erhöhen. Dass alle Menschen kontrolliert werden, die reinkommen. Leider gibt es so etwas momentan nicht. Das ist eine Maßnahme, die helfen könnte, wie das z.B. in Amerika ist. So eine Maßnahme wäre wichtig.

    Wie sieht es in der Metro aus? Gibt es dort irgendwelche Securities oder vielleicht Polizisten?

    Zumindest in den letzten Monaten gab es sehr viel Polizei und Soldaten. Besonders an solchen Orten, wie dieser Metrostation, wo die Explosion war, weil dort die EU-Gebäude in der Nähe sind. Deswegen bin ich so schockiert, ich weiß nicht, wie das passieren konnte, denn es sind so viele Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Es gibt Überwachungskameras, alles ist installiert worden. Ich weiß gar nicht, was da mehr hätte machen können.

    Interview: Ilona Pfeffer

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