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    Forscher entdecken in Deutschland „Spuren des ersten Weltkrieges“ der Bronzezeit

    Forscher entdecken in Deutschland „Spuren des ersten Weltkrieges“ der Bronzezeit

    © Foto : Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern/Landesarchäologie/C. Harte-Reiter
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    Deutsche Archäologen haben am Ufer eines Flusses unweit der Ostseeküste die Spuren einer großen Schlacht entdeckt, die sich vor etwa 3.200 Jahren auf einer urzeitlichen Brücke ereignet hatte. Dabei sind vermutlich Tausende Krieger von zwei germanischen Stämmen ums Leben gekommen, berichtet das „Science“-Magazin.

    Wissenschaftler haben in Kenia Spuren von Massengräbern und Tötungen aus der Zeit des Altertums entdeckt
    © REUTERS / Marta Mirazon Lahr/Cambridge University/
    Falls die Experten mit ihren Vermutungen richtig liegen und diese Artefakte zu ein und demselben Ereignis gehören, dann könnte es sich um einen dermaßen großen Konflikt handeln, den es nördlich der Alpen niemals zuvor gegeben hatte, zitiert das Magazin Thomas Terberger vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Dieser Konflikt lässt sich nach seinen Worten mit nichts vergleichen.

    Terberger und seine Kollegen glauben, die Spuren des „wahren“ ersten Weltkrieges in Europa entdeckt zu haben. Dabei stützen sie sich auf die Untersuchung eines Massengrabes von Germanen aus der späten Bronzezeit, das bereits 1996 von einem Freizeitarchäologen im Tollensetal, etwa 120 Kilometer von Berlin entfernt, entdeckt worden war.

    Der Fluss des Todes

    Die ersten Ausgrabungen zeigten, dass hier mehrere Menschen beerdigt worden waren, die ungefähr im Jahr 1250 v. Chr. in einer Schlacht gefallen waren. Angesichts der Dichte ihrer sterblichen Überreste und mutmaßlicher Waffen wie Keulen, Bronzepfeilspitzen usw. beschlossen Terberger und seine Kollegen, sich an der Untersuchung dieses Massengrabes zu beteiligen. Die Untersuchung dauerte von 2009 bis 2015.

    Forscher entdecken in Deutschland „Spuren des ersten Weltkrieges“ der Bronzezeit
    © Foto : Landesamt Für Kultur Und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern/Landesarchäologie/S. Suhr
    Forscher entdecken in Deutschland „Spuren des ersten Weltkrieges“ der Bronzezeit

    Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts waren atemberaubend: An einer Stelle, die nur zwölf Quadratmeter groß war, wurden etliche menschliche Überreste entdeckt: insgesamt mehr als 1.400 Knochen und 20 Schädel sowie viele Überreste von Waffen aus Stein und Bronze. In diesen sechs Jahren fanden die Archäologen die Überreste von insgesamt mehr als 100 Kriegern, fünf Pferden und zahlreiche Artefakte.

    Vermutlich handelt es sich um das „Echo“ einer großen und blutigen Schlacht auf einer Brücke über der Tollense, an der Terberger zufolge mehrere Tausende Krieger teilgenommen hatten, darunter viele Reiter, die mit Speeren, Pfeilen und Keulen bewaffnet waren.

    Krieg wurde zum Beruf

    Dass es in dieser Gegend eine solch große Schlacht gegeben hat, war für viele Wissenschaftler überraschend: Bis zuletzt hatten die Archäologen und Historiker gedacht, so etwas wäre in Europa unmöglich gewesen, wo die Bevölkerungsdichte nicht allzu groß war, wo es damals so gut wie keine Staaten gab und wo die wirtschaftspolitische Entwicklung schwach war.

    Forscher entdecken in Deutschland „Spuren des ersten Weltkrieges“ der Bronzezeit
    © Foto : Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern/Landesarchäologie/D. Jantzen
    Forscher entdecken in Deutschland „Spuren des ersten Weltkrieges“ der Bronzezeit

    Die Ergebnisse einer Isotopenuntersuchung der Gebeine sprechen dafür, dass einige Teilnehmer der Schlacht einen weiten Weg – mehrere Hundert Kilometer – zurücklegen mussten, um in diesen Teil Deutschlands zu gelangen. Das bedeutet, dass es in der damaligen Gesellschaft bereits die soziale Schicht der Krieger gab, die bereit waren, an Kämpfen in entlegenen Regionen teilzunehmen.

    Bislang wurden etwa 75 Prozent der gesamten Fläche des Massengrabes untersucht. Die Arbeiten wurden vorerst gestoppt, weil Terberger & Co. neue Sponsoren brauchen. Dennoch hoffen sie, dass die Veröffentlichung der Ergebnisse ihrer bisherigen Forschungen und ihrer neuen wissenschaftlichen Werke, die diesem „ersten Weltkrieg“ in Europa gewidmet sind, ihnen helfen wird, vielleicht sogar eine staatliche Finanzierung zu bekommen.

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    Archäologie, Deutschland