22:21 30 März 2020
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    Der 11-jährige jesidische Junge Ayman Sharaf Khaji ist dem Tod in einem IS-Kinderlager, wo kleine Jungen zu Terroristen ausgebildet werden, entflohen und schildert nun in einem Exklusivinterview für Sputnik News die Qualen und Foltern, die er in der Gefangenschaft über sich ergehen lassen musste.

    Ayman Sharaf Khaji, seine Familie sowie weitere Tausende Jesiden aus der Stadt Sindschar wurden noch am dritten August des vergangenen Jahres von IS-Terroristen in Gefangenschaft genommen, wobei es sich hierbei nicht um gewöhnliche Geiselnahme handelte: Einige Jesiden konnten zwar freigekauft werden, doch wurden die Menschen meist wie Sklaven behandelt und die Frauen zu sexuellen Kontakten mit Terrormilizen gezwungen.

    Ayman wurde von seiner Familie getrennt und in ein IS-Ausbildungslager für Jugendliche und jüngere Kinder gebracht.  Nach einer mehrmonatigen Ausbildung werden die jungen Rekruten meist als Selbstmordattentäter und Kindersoldaten eingesetzt und als „Tigerjungen des Kalifats“ bezeichnet.

    „Es war ein Leben in ständiger Angst, Hunger und Gewalt. Daesh-Terroristen brachten mir bei, wie man mit einer Maschinenpistole schießt. Sie teilten uns mit, dass wir nach der Ausbildung nach Sindschar gehen würden, um dort Jesiden zu töten. Sie sagten uns, dass wir Kāfire („Ungläubige“ oder „Gottesleugner“, Anm. d. Red.) ohne Religion sind“, erzählt Ayman. 

    An seinem 11. Geburtstag lernte er, wie man eine Kalaschnikow auseinandernimmt und wieder zusammensetzt.

    Im dem Lager, das sich in der Stadt Tal Afar im Nordwesten des Iraks befand, seien mehr als 100 Kinder gewesen. Einmal habe Abu Azzam, der Mann, der für die Ausbildung im Lager zuständig gewesen ist, Ayman befohlen, aus dem Koran zu lesen.

    „Ich habe ihm geantwortet, dass ich das noch nicht kann. Dann wurden ich und noch ein anderer Junge zum dicken Oberhaupt Muhammed gebracht, der uns in einen sehr engen Schrank ohne Licht sperrte.   Nach einiger Zeit wurden noch vier weitere Jungen in den Schrank nebenan gesperrt, sie alle erstickten wegen Sauerstoffmangel“, so der 11-Jährige. 

    Später wurde Ayman aus dem Schrank herausgelassen. Falls er und der andere Junge das Lesen des Korans nicht erlernen sollten, drohten die Terroristen ihnen an, „ihnen etwas noch Schlimmeres anzutun“.

    Nach einiger Zeit sei der Junge in das berüchtigte Badusch-Gefängnis bei Mossul gebracht worden, wo er seine Familie wiederfand.  Laut Ayman hatten sich dort nur Kinder, Frauen und alte Menschen befunden.

     „Wir lebten unter schrecklichen, unhygienischen Bedingungen. Es gab kein Essen. Wir baten die Milizen, zumindest den kleinen Kindern Milch zu bringen, da man sie im Gefängnis ständig weinen hörte“, berichtet Ayman. 

    Dann sei er zusammen mit seiner Familie wieder in die Nähe von Tal Afar, in das Dorf  Kazl Kiu gebracht worden. Dort hätten er und seine Familie drei Fluchtversuche unternommen. „Aber jedes Mal fing irgendeines der Kinder an zu weinen und wir kehrten wieder zurück, aus Angst, dass wir gefasst werden.“

    Schließlich sei ihnen die Flucht gelungen, mit 34 anderen Menschen versteckten sie sich in einem Weizenfeld, wo sie den ganzen Tag ohne Wasser und Essen verbrachten. Nach Einbruch der Nacht seien sie weitergezogen und schließlich in das Gouvernement der Autonomen Region Kurdistan Dahuk gelangt, wo sie von Mitgliedern der jesidischen Volkswehr aufgegriffen  wurden, die ihnen Kleidung und Essen gaben.  

    Der Junge und seine Familie befinden sich heute in dem Migrantenlager Sharya im Norden Iraks. Ayman hofft, dass es ihm schließlich doch gelingen wird, nach Deutschland zu gelangen und den Flüchtlingsstatus zu bekommen.

     

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    Tags:
    Sklaven, Jesiden, Terrormiliz Daesh, Irak