02:50 29 Januar 2020
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    Ehemalige Insassinnen des Frauengefängnisses Lowell haben beim Bundesgericht der Vereinigten Staaten eine Klage gegen den US-Bundesstaat Florida eingereicht. Sie beschuldigen die Angestellten der Haftanstalt sexueller Nötigung und Gewalt. RT berichtet über Frauen,die den Mut haben, die Brutalität in dieser Besserungsanstalt öffentlich anzuprangern.

    Das RT-Kamerateam hat sich mit den ehemals im Lowell-Gefängnis inhaftierten Frauen getroffen. Sie berichten über die in dieser Besserungsanstalt herrschende Grausamkeit.

    Die vor kurzem freigelassene Chrystall Harper sagt, eine Rückkehr ins Gefängnis käme für sie dem Tode gleich: „Dort herrscht legalisierte Prostitution. Ein Gefängnisangestellter fasste mich an den Hüften und sagte ‚Das ist jetzt meins‘. Das war der erste Tag meiner Haft“, beschreibt Chrystall die Zustände in der Besserungsanstalt.

    Sie habe sich entschieden, keinen Widerstand zu leisten, um – so die junge Frau – zu überleben: „Entweder du akzeptierst die Regeln dort. Oder man vergewaltigt dich einfach“, sagt sie.

    Fünf Jahre lang habe sie sich täglich auf unmoralische Angebote einlassen müssen, um lebensnotwendige Sachen und Schutz zu bekommen: „Ständig hörst du ‚Was willst du fürs B***sen? Was nimmst du für ein F*ck?‘ Du schaltest ab – deinen Körper, deinen Geist. Hätte ich im Gefängnis täglich darüber nachgedacht, hätte ich mir längst das Leben genommen. Erst abends auf deiner Liege verstehst du, was du heute, gestern, vor einer Woche tun musstest“, erzählt Chrystall.

    Sie war die erste, die von den Verbrechen der Wärter im Lowell-Frauengefängnis erzählt hatte. Danach folgten die haarsträubenden Offenbarungen anderer Frauen.

    Etwa: „Nachts kam ein Leutnant an die Tür und hielt einen Zettel an das Türfenster. Darauf stand ‚Zieh dich aus‘, ‚Stell dich hin, wie ein Hund‘, ‚Stell dich hin auf alle viere‘. Und er ist nicht der Einzige. Das passierte sehr häufig“, sagt die ehemalige Insassin Nicola Cruise.

    Die Klägerinnen beteuern, dass das ganze Haftsystem korrumpiert sei. Hilfe sei von keinem zu erwarten.

    „Ich will doch nur, dass eine Haftanstalt ein Ort ist, an dem die Häftlinge verstehen können, was sie an sich ändern müssen, um nach der Haft ins normale Leben zurückzukehren“, sagt Chrystall. Die verurteilten Frauen dürften – so die junge Frau weiter – keine sexuelle und physische Gewalt erleiden, keine Erniedrigungen, keine Demütigungen, keine Beleidigungen: „Das übersteigt bei weitem das Strafmaß.“

    RT traf sich mit Chrystall in Texas. Die junge Frau hat Florida verlassen, nachdem ein Unbekannter angefangen hatte, sie zu verfolgen. Jemand ist sogar in ihr Haus eingebrochen. Inzwischen fürchtet sie um ihr Leben.

    „Ob die Florida-Justiz damit zu tun hat, weiß ich nicht. Ich habe keine Ahnung, wer das war. Doch da hatte ich diese Idee, dass ich gegen Florida klage und immer noch in Florida lebe. Warum sollten sie nicht versuchen, mich loszuwerden?“, erzählt sie.

    Indes ist sexuelle Gewalt nicht der einzige Vorwurf, den die Frauen gegen den Bundesstaat erheben.

    Die ehemals in Lowell inhaftierte Tania Yelvington zeigt die Spuren einer im Gefängniskrankenhaus durchgeführten Krebs-OP: „Man hat eine doppelte Mastektomie bei mir durchführen müssen. Das habe ich dank der Besserungsanstalt bekommen. Als ob hier ein Metzger am Werk gewesen wäre! Dieser Teil ist geblieben und der Krebs kann wieder ausbrechen“, sagt sie.

    Tania meint, die OP sei vermeidbar gewesen, hätte sie die Möglichkeit zu einer Vorsorgeuntersuchung gehabt. 16 Monate lang habe ihre Schwester versucht, diese Untersuchung durchzusetzen. In dieser Zeit sei die Krankheit ausgebrochen: „Und? Kümmert das das Florida Departement für Besserungsanstalten etwa?“, fragt sie voller Zorn.

    „An mir sehen Sie es, das kümmert die Verantwortlichen überhaupt nicht! Jeden Tag sehe ich im Spiegel, was sie mir angetan haben. Wie soll ich keinen Hass für diese Tiere empfinden?“, sagt Tania voller Verzweiflung.

    Die Gefängnisverwaltung verspricht, die Zustände bald zu verbessern. Doch Tania glaubt dem nicht: in den 16 Jahren ihrer Haft hat sich nichts verbessert.

    „Sie werden mit allen Kräften staatliche Gelder sparen, selbst wenn wir hier verrecken. Floridas Strafsystem ist ein Milliardengeschäft. Das Geld ist das wichtigste, nicht die Sicherheit auf den Straßen unserer Städte“, erklärt Tania.

    Auf eine RT-Anfrage wollten die Gefängnis-Vertreter nur telefonisch antworten: „Unsere Aufgabe ist nicht die Bestrafung, das ist die Aufgabe des Gerichts. Unsere Aufgabe ist es, die Sicherheit der Häftlinge zu gewährleisten und ihnen nach der Freilassung dabei zu helfen, eine bessere gesellschaftliche Stellung einzunehmen als vor der Inhaftierung“, sagt Angela Gordon, die Oberaufseherin der Lowell-Besserungsanstalt.

    Diese Frauen haben beim Bundesgericht eine Klage gegen Florida eingereicht. Ihr Anwalt sagt, jeder dieser Fälle zeuge von völliger Straflosigkeit amerikanischer Behörden: „Im Süden der Vereinigten Staaten ignorieren die Behörden seit langem die Menschenrechte. Die Vertreter des Departements für Besserungsanstalten sind nach wie vor überzeugt, dass sie ungestraft tun und lassen können, was sie wollen“, sagt der Anwalt David A. Frankel.

    Und weiter: „Die Gefängnisangestellten nutzen die ausweglose Situation der Häftlinge aus, weil sie wissen, dass das Departement keine vollwertige Untersuchung durchführen wird. Zudem glauben sie, dass den Inhaftierten sowieso niemand glaubt“, erklärt der Jurist.

    Davids Ansicht nach wird die Sache mehrere Jahre beanspruchen. Letztendlich aber würden die Opfer gewinnen, so der Anwalt. Ob die Haftbedingungen sich nach der Klage wirklich bessern, bleibe indes offen.

    Die Lowell-Besserungsanstalt ist das erste Frauengefängnis in Florida. Seit 2015 ist die Haftanstalt die größte in den USA. Die Vorfälle, über die RT berichtet, haben sich in dieser Anstalt ereignet. Im Gespräch mit dem Reporter des TV-Senders erzählten die Frauen, dass die Qualen der Inhaftierten hier kein Ende nehmen – weder tags- noch nachtsüber.

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    Tags:
    Chrystall Harper, USA