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    Schweizer Politiker wollen das Problem der Abhängigkeit Prostituierter von ihren Zuhältern durch die Verstaatlichung von Bordellen lösen, wie die Zeitung „Schweiz am Sonntag“ berichtet. Laut N24 wird das gleiche Modell auch in Deutschland gefordert.

    Die Sozialdemokraten in Zürich verlangen von der Stadtverwaltung, ein städtisches Gebäude zur Nutzung als öffentliches Bordell bereitzustellen. Diese Forderung habe die Gemeinderätin der Partei, Christine Seidler, eingebracht.

    „Die überwiegende Mehrheit der Sexarbeiterinnen arbeitet freiwillig und selbstbestimmt, dies ist wichtig, wird jedoch mit den jetzt geltenden Reglementierungen immer mehr verhindert", wird Seidler von der „SaS“ zitiert. Nach Seidlers Plan sollen die Prostituierten ein Bordell selbst verwalten und im Kollektiv führen. Das würde deren Arbeitsbedingungen stark verbessern.

    Das Problem in Zürich bestehe darin, dass selbst kleine Bordelle in Wohnvierteln entsprechend der Prostitutionsgewerbe-Verordnung stark überwacht und kontrolliert würden, was selbstständigen Sexarbeiterinnen die Arbeit erschwere. In Gebieten, in denen der Wohnanteil 50 Prozent überschreitet, würden Bordelle gar geschlossen.

    Die konservativere Schweizerische Volkspartei tritt jedoch gegen diesen Plan auf. „Es kann nicht Aufgabe der Stadt sein, mit Steuergeldern einen Puff zu betreiben", zitiert die Zeitung den SVP-Fraktionschef Martin Götzl. Die öffentlichen Gebäude würden doch für wichtigere Projekte benötigt.

    Seidler zufolge hat die Stadt Zürich für die Umsetzung ihres Plans die notwendigen Mittel. Wenn genug Abgeordnete im Gemeinderat Seidlers Position unterstützen, muss der Stadtrat innerhalb von zwei Jahren einen Realisationsplan entwickeln.

    Der deutsche Berufsverband hält für seine sexuellen Servicekräfte im Land den gleichen Plan für nötig: „Genau wie in Zürich werden auch in großen Teilen Deutschlands die Bordelle immer mehr aus den Innenstädten verdrängt und so die Arbeitsplätze reduziert", zitiert N24 die Sprecherin des Verbands, Johanna Weber.

    Die Prostituierten würden immer stärker von den Bordell-Betreibern abhängen. Mit dem neuen Prostituiertenschutz-Gesetz gebe es nicht mehr viele Möglichkeiten, den Arbeitsplatz frei zu wählen. Weber rechne damit, dass die meisten Bordelle schließen müssen, weil sie sich planungsrechtlich im falschen Stadtgebiet befinden würden.

    „Wenn es den Gesetzgebern wirklich um den Schutz der Sexarbeitenden ginge, dann müssten eigentlich Räumlichkeiten mit guten Arbeitsbedingungen zur Verfügung gestellt und nicht reihenweise geschlossen werden", so Weber laut N24.

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    Tags:
    Prostitution, Deutschland, Schweiz