04:06 15 Dezember 2019
SNA Radio
    Grigorij Rodtschenkow

    Russland: „Doping-Ankläger“ war Stammgast in psychiatrischer Klinik – Medien

    © Sputnik / Valery Melnikov
    Panorama
    Zum Kurzlink
    11448
    Abonnieren

    Der Ex-Chef der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA, Grigorij Rodtschenkow, der russische Olympia-Sportler des Dopings bei den Spielen in Sotschi beschuldigte, hat sich zwischen April 2011 und Mai 2012 mehrmals zu stationärer Behandlung in einer psychiatrischen Klinik in Moskau befunden, wie der TV-Sender „360 Podmoskowje“ berichtet.

    Schon 2011 war gegen den damaligen RUSADA-Chef ein Strafverfahren wegen Handels mit verbotenen Medikamenten eingeleitet worden. Die Ermittler gingen damals davon aus, dass Rodtschenkow den Sportlern „saubere“ Proben versprach, wenn sie die Doping-Mittelchen bei seiner Familie kauften.

    Um einem Urteil zu entgehen, hatte sich Rodtschenkow verstört gestellt, wie es aus den dem Sender vorliegenden Ermittlungspapieren hervorgeht.

    Von April 2011 bis Mai 2012 hatte sich der Beamte mehrmals zwecks eines gerichtspsychiatrischen Gutachtens zu stationärer Behandlung in einer psychiatrischen Klinik in Moskau befunden. Später war dem Gericht ein Attest vorgelegt worden, laut dem Rodtschenkow an einer „schizotypischen Persönlichkeitsstörung“ gelitten hat. Das Strafverfahren war 2012 eingestellt worden. Rodtschenkow durfte als Chef des Moskauer Anti-Doping-Labors zurückkehren. 

    Im November 2015 hatte die Kommission der Welt-Antidopingagentur WADA auf einer Pressekonferenz in Genf Russland zahlreiche Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln vorgeworfen und dem Leichtathletikverband IAAF ein Startverbot für alle russischen Leichtathleten empfohlen.

    Grund für den Skandal sind nach WADA-Darstellung Manipulationen von Sportlerproben durch die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA. Das soll unter der Aufsicht des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB erfolgt sein. Wenige Tage vor der WADA-Prüfung hatte Rodtschenkow 1417 Proben russischer Sportler vernichtet. Dadurch wollte er allerdings nicht den Ruf seines Landes, sondern allein seine eigene Haut retten und seine eigene Verwicklung in die Doping-Affäre vertuschen.

    Nach der Veröffentlichung des WADA-Berichtes hatte Rodtschenkow seinen Posten endgültig verlassen müssen. Anfang 2016 ist er in die USA ausgereist.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Meldonium-Hersteller strebt Streichung von WADA-Dopingliste an
    Meldonium-Doping: WADA macht russischen Spitzensportlern Hoffnung auf Amnestie
    ARD-Enthüllungen: Droht jetzt Großbritannien ein Doping-Skandal?
    Tags:
    Doping, Russische Anti-Doping-Agentur (RUSADA), WADA, USA, Russland